Kardinal Reinhard Marx zur Bundestagswahl Politik soll auf Sprache des Hasses verzichten

25.09.2017

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, hat einen Appell an die Abgeordneten des neuen Bundestags gerichtet. Er sprach von "verbaler Abrüstung".

Kardinal Reinhard Marx ist Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz.
Kardinal Reinhard Marx ist Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz. © imago

Bonn – Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, hat die Abgeordneten des neuen Bundestags zu "verbaler Abrüstung" aufgerufen. Jeder Abgeordnete habe die Pflicht, für das Gemeinwohl zu arbeiten und dürfe nicht einer Klientel dienen, sagte Marx am Montag vor Journalisten in Fulda. Es gehe um die "Bewährungsprobe", ob alle Parteien in der Lage seien, mit der neuen Situation umzugehen. Die Abgeordneten könnten streiten und um das bessere Argument ringen, sollten dabei aber auf eine "Sprache der Abgrenzung und Hasses" verzichten, fügte Marx hinzu, ohne die AfD zu nennen. Wenn "unerträgliche Thesen" vertreten würden, dann müsse diesen klar widersprochen werden. Auch auf Nachfrage wollte sich Marx nicht näher zum Wahlerfolg der Rechtspopulisten äußern. Das Parlament bestehe aus sechs Fraktionen und drehe sich nicht um eine Partei.

Sorge über zunehmenden Populismus weltweit

Als zentrale politische Anliegen der katholischen Kirche an den neuen Bundestag nannte Marx die Sorge für Arme, Kranke und Flüchtlinge, den Lebensschutz, die Förderung von Ehe und Familie sowie den Frieden und Europa als Friedensprojekt. Aus der katholischen Soziallehre ergäben sich Hinweise, wie Politik betrieben werden könne. Der Kardinal äußerte sich besorgt über einen zunehmenden Populismus und eine Stärkung rechter Parteien weltweit. Als Beispiele nannte er Italien, Frankreich, Polen und die USA. Ein "Ruck nach rechts" sei also kein deutsches Phänomen. Dahinter könnten die Suche nach Identität, aber auch der Wunsch nach Abschottung und Abgrenzung stehen. Die Position des Evangeliums sei es, dass alle Menschen vor Gott den gleichen Wert hätten. Marx äußerte sich im Vorfeld der Herbstvollversammlung, die traditionell in Fulda stattfindet. (KNA)


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