KEB schließt AfD aus Politische Bildung ist kein Wohlfühlbiotop

22.07.2019

Die KEB, die katholische Erwachsenenbildung Bayern, lehnt es ab, die AfD zu Veranstaltungen einzuladen. Ein Kommentar.

Die KEB, die katholische Erwachsenenbildung Bayern, lehnt es ab, die AfD zu Veranstaltungen einzuladen.
Die KEB, die katholische Erwachsenenbildung Bayern, lehnt es ab, die AfD zu Veranstaltungen einzuladen. © DURIS Guillaume - stock.adobe.com

Es ist eine eindeutige Aussage: die Katholische Erwachsenenbildung in Bayern kurz KEB, will der AfD keine Podien bieten und lehnt es ab, sie in Veranstaltungen einzuladen. So heißt es in einer jüngst verfassten Resolution der KEB, die zu den großen freien Bildungsträgern im Freistaat gehört. Ja, die AfD will polarisieren und formuliert extreme Positionen, die sie ins Visier des Verfassungsschutzes gebracht haben. Das Problem ist, damit ist sie in Bayern für zehn Prozent der Wähler attraktiv. In einem Bundesland wie Sachsen für 25 Prozent. Die AFD präsentiert sich als die zwar raue, aber ehrliche Robin Hood-Bande, die den angeblich gerechten Zorn der normalen Bürger zum Ausdruck bringt und für ihn kämpft. Sie behaupten die Outlaws der deutschen Demokratie zu sein und gerade deswegen unentbehrlich. Geht es aber um Fragen jenseits von Schlagworten ist von dieser Partei wenig Konkretes oder Realistisches zu hören: zur Pflege, zur Rentenfrage, zur Inklusion, zur Verkehrspolitik, zu bezahlbarem Wohnraum.

Inhaltlich stellen, statt ausschließen

Über all die Fragen, über die auf den unterschiedlichsten Ebenen zäh gerungen werden muss, die sich aber eben nicht mit ein paar Parolen abtun lassen. Die katholische Erwachsenenbildung KEB geht der AfD deshalb auf den Leim, wenn sie diese Partei auf ihren Veranstaltungen grundsätzlich ausschließt. Hier müsste die AfD nämlich Farbe bekennen, sich klar zu Sachfragen positionieren. Und warum sollten ihr auf politischen Podien der KEB nicht Fragen nach dem politischen Anstand gestellt werden. Etwa weshalb einer ihrer bayerischen Landtagsabgeordneten bei der Gedenkminute für den ermordeten CDU-Regierungspräsidenten Walter Lübke einfach sitzen bleibt, warum möglicherweise die Tweets und Posts mancher AfD-Anhänger die Tat begünstigt haben. Das wird bei AfD-Politikern keinen Gesinnungswandel auslösen, aber es sensibilisiert Bürger gerade in jenem Nahbereich in denen die KEB wirkt, also in den Kommunen.

Kernängste von AfD-Wählern aufgreifen

Hier kann sie wichtige Foren jenseits der Parlamente bieten, um der AfD zu widersprechen. Und es hindert diese Partei daran, sich als ausgeschlossenes Opfer des Establishments selbst zu bejammern. Ein Bildungsträger wie die KEB muss doch keine Angst davor haben, dass er keine Referenten oder Gesprächspartner findet, die Argumente gegen die AfD haben. Oder fürchtet sich die KEB davor, in den Meinungsstreit über die Kernthemen oder besser die Kernängste der AfD und ihrer Wähler zu treten? Also über Zuwanderer aus anderen Kulturen und die Angst, dabei die eigenen Wurzeln zu verlieren. Das sind Fragen, die auch Menschen beschäftigen, die kein völkisches oder rassistisches Weltbild pflegen, die sie aber oft zu wenig kontrovers diskutiert sehen. Diese Bürger dürfen doch nicht nur bei extremen Parteien Gehör finden! Der Schweizer Psychologe und Publizist Carlo Strenger hat die liberalen Eliten gerade dafür kritisiert, dass sie Andersdenkende lange Zeit nicht ernst genug und von oben herab behandelt haben. Das sollte sich ein katholischer Bildungsträger nicht vorwerfen lassen müssen. Vor der AfD und ihren Themen zurück zu schrecken, heißt an politischer Bildung interessierte Bürger allein oder in einem Wohlfühlbiotop zu lassen, in der man sich dem Gegner nicht stellt. Dass die Debatte mit der AfD, mit extremen Positionen an den Grenzen unserer Demokratie, schwierig ist und gut vorbereitet sein will, ist doch kein Argument gegen sie. Sondern sie ist der Mühe eines offenen und wichtigen Bildungsträgers wie der KEB wert. Deshalb sollte sie AfD-Politiker zu ihren Veranstaltungen einladen und dort fordern!

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Zum Nachhören

Kommentar im Münchner Kirchenradio

Der Autor
Alois Bierl
Chefreporter Sankt Michaelsbund
a.bierl@st-michaelsbund.de


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