Weltjugendtag in Rio Politische Glaubensparty

22.07.2013

In meiner Wohnung hängen überall Checklisten, obwohl es nicht mein erster Weltjugendtag ist. Als „volunteer“, freiwilliger Helfer, war ich 2005 in Köln mit dabei, 2011 als Hörfunkredakteurin in Madrid.

Katharina Sichla ist Redakteurin beim Sankt Michaelsbund und berichtet aus Rio de Janeiro vom Weltjugendtag (Bild: Münchner Kirchenzeitung)

Nun aber bloß nichts für die Reise nach Rio de Janeiro vergessen. Alleine, dass ich so viele Listen habe – auf denen neben Adapter und Mikrofon auch Sonnenmilch steht – zeigt, wie nervös ich bin. Normalerweise packe ich einen Tag vorher. Ein fremder Kontinent, eine Sprache, die ich nicht verstehe, und eine unbekannte Kultur warten in Rio auf mich.

Dort gab es in den letzten Wochen viele Proteste. Sie richteten sich unter anderem gegen die Ausrichtung der Fußball-WM 2014, Korruption und soziale Missstände. Papst Franziskus hat in den ersten Wochen seiner Amtszeit gezeigt, dass er sich auch politisch äußert und beispielsweise die EU-Flüchtlingspolitik kritisiert. Vieles spricht daher dafür, dass der WJT politischer wird als die vorherigen. Auch ich hoffe, dass die Situation in Brasilien Thema beim Weltjugendtag sein wird. Die politische Lage des Gastgeberlandes darf nicht ausgeblendet werden. Und das nicht nur in den sechs Tagen Weltjugendtag.

Ein Highlight beim Weltjugendtag wird sein, den neuen Papst live zu erleben. Jorge Mario Bergoglio wird zum ersten Mal als Papst seinen Heimatkontinent besuchen. Werden die Menschen auf ihn genauso euphorisch reagieren wie wir Deutschen auf Papst Benedikt? Wird es laute Francesco-Rufe geben? Jeder Weltjugendtag ist schließlich vom Gastgeberland geprägt.

Karneval und Samba – das fällt mir spontan zu Rio ein. Die oft beschriebene Lebensfreude der Brasilianer sollte auch beim WJT spürbar sein. Ich hoffe deshalb, viele Menschen zu treffen, die Spaß am Leben haben. In den letzten Jahren wurde der Weltjugendtag oft kritisiert: Er sei mehr Event als religiöses Ereignis: Was spricht gegen die Bezeichnung als Event? Nichts! Junge Menschen aus aller Welt feiern zusammen eine riesige Glaubensparty und lernen neue Länder und Kulturen kennen. Mit den „Tagen der Mission“, Katechesen, dem Abschlussgottesdienst und dem Zusammentreffen der Christen geht der religiöse Aspekt nicht verloren. Es ist im besten Sinne ein religiöses Event! Und das soll es auch in Rio werden!

Katharina Sichla ist Redakteurin beim Sankt Michaelsbund und berichtet aus Rio de Janeiro vom Weltjugendtag.

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