Sozialer Dienst Polizist leistet Bundesfreiwilligendienst beim Malteser Hilfsdienst

14.07.2018

Als frisch gebackener Polizist ist Christoph Willinger eine echte Rarität bei den Maltesern in Traunstein. Ganz bewusst hat sich der 23-Jährige für den sozialen Dienst entschieden.

Christoph Willinger leistet seine Bundesfreiwilligendienst bei den Maltesern.
Christoph Willinger leistet seine Bundesfreiwilligendienst bei den Maltesern. © Effner

Traunstein – Praktische Lebenserfahrung statt trockener Theorie: Nach ihren Abschlussprüfungen entscheidet sich eine wachsende Zahl von Schulabgängern dafür, beim Bundesfreiwilligendienst neue Erfahrungen zu sammeln. Die Auszeit vor Beginn eines Studiums oder der Berufsausbildung bietet jungen Menschen die Möglichkeit, sich sozial zu engagieren und dabei auch sich selbst und ihre Fähigkeiten besser kennenzulernen.

Seit Mitte Mai ist Christoph Willinger beim Malteser Hilfsdienst in Traunstein als „Bufdi“ für den Bundesfreiwilligendienst im Einsatz. Bei den Fahrten im Rahmen der sogenannten Mobilen sozialen Dienste ist er für Schulkinder unterwegs, begleitet Kranke von der Klinik nach Hause oder entlastet mit dem Transport von Schwerbehinderten die Angehörigen. Gibt es da Berührungsängste? „Man wird auf die Aufgaben gut vorbereitet und weiß, worauf man achten muss“, erklärt Willinger.

Persönliches Engagement

Als frisch gebackener Polizist ist Willinger eine echte Rarität bei den Maltesern in Traunstein. Ganz bewusst hat sich der 23-Jährige vor einem Berufswechsel für den sozialen Dienst entschieden. „Ich habe meine Ausbildung bei der Polizei abgeschlossen, möchte aber beruflich noch etwas erleben und weiter herumkommen. Dafür bietet die Bundespolizei aus meiner Sicht gute Möglichkeiten“, erzählt er. Da beim Wechsel der Polizeidienste eine Übergangssperre von einem Jahr zu beachten ist, kam er auf die Idee, die Zwischenzeit mit dem Bundesfreiwilligenjahr zu überbrücken.

Ein ehemaliger Schulkollege, der inzwischen als Sanitäter arbeitet, schlug Willinger den Einsatz beim Malteser Hilfsdienst vor. Der junge Bergener informierte sich im Internet und bewarb sich beim Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben. Im Gespräch ergänzt er: „Ich war bereits mit zwölf Jahren bei der Freiwilligen Feuerwehr, habe davon viel profitiert und halte persönliches Engagement auch im Dienst für die Gesellschaft für wichtig.“ Vor seiner Ausbildung zum Polizisten hat er bereits eine Lehre zum Nutzfahrzeugmechaniker absolviert und als Geselle gearbeitet. „Mich wieder für eine Stelle in meinem alten Beruf zu bewerben, erschien mir nicht sinnvoll, weil es nur für kurze Zeit ist.“

„Es ist schon eine Herausforderung“

Und so hält jeder neue Tag im Bundesfreiwilligendienst bei den Maltesern in Traunstein für Christoph Willinger neue Überraschungen bereit. Ins Nachdenken gebracht hat ihn die Fahrt eines schwerstbehinderten 28- Jährigen von zu Hause in eine Tagesstätte mit Pflegebetreuung. Der junge Mann wurde als Sechsjähriger bei einem Bootsunfall um Haaresbreite vor dem Ertrinkungstod gerettet und hatte nur mehr eine kurze Lebenserwartung. „Im ersten Moment habe ich mir das nicht so schwer vorgestellt, aber es ist schon eine Herausforderung“, erläutert Willinger. Der junge Mann ist nur unwesentlich älter als er selbst und liegt im Wachkoma. Während der Fahrt mit Liegendtransport sitzt ein zweiter Begleiter neben dem Patienten und schaut nach ihm. „So ein Schicksalsschlag kann jederzeit passieren. Da macht man sich schon Gedanken über den Wert des eigenen Lebens und der Gesundheit“, gesteht Willinger.

Mehr als hundert Mitarbeiter sind beim Fahrdienst der Malteser in Traunstein im Einsatz, der älteste von ihnen ist 70, der jüngste 16 Jahre alt. Darunter sind auch 10 bis 15 Bufdis. Es herrscht ein kollegialer Umgangston, man tauscht Erfahrungen aus. Christoph Willinger erinnert sich an den bisher kniffligsten Einsatz: „Da war ich mit einem zweiten Kollegen im Fahrdienst unterwegs und wir mussten einen etwas gewichtigeren Patienten mit dem Tragerollstuhl eine eng gewundene Treppe über zwei Stockwerke hinauftragen. Das war vom Platz her extrem anspruchsvoll und eine echte Herausforderung.“

Erfahrungen fürs Leben

Neben der Technik-Schulung über Fahrzeug und Geräte im täglichen Praxiseinsatz dienen regelmäßige Weiterbildungsseminare mit Profis dazu, die Mitarbeiter im Freiwilligendienst auf den Umgang mit möglichen Gefahren und schwierigen Patienten oder Situationen vorzubereiten. Dabei werden etwa unterschiedliche Arten der Behinderung, der Umgang mit Demenzkranken oder die professionelle Distanz zu Fahrgästen und die Sensibilisierung gegenüber sexualisierter Gewalt zum Thema gemacht. Christoph Willinger ist sich sicher: „Hier kann ich eine Menge wertvoller Erfahrungen für mein Leben mitnehmen.“ (Axel Effner)

Langeweile war gestern - als Bufdi bei den Maltesern : In der Sendung "Maltester Momente" des Münchner Kirchenradios waren Bufdi Julia Graf und Thomas Rapp,Leiter Soziale Dienste bei den Maltesern, zu Gast. Hier gibt es den Podcast.

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