Sexuelle Nötigung Pornografie ermutigt Fehlverhalten

23.10.2017

Seit zwei Wochen ein Dauerthema: Sexuelle Übergriffe gegen Frauen, ausgelöst durch einen Hollywood-Skandal. Ein Blick auf die katholische Morallehre könnte helfen.

Sexualität will gehegt und gepflegt sein, damit sie Liebe wird.
Sexualität will gehegt und gepflegt sein, damit sie Liebe wird. © Fotolia.com

Ein äußerst erfolgreicher Hollywood-Produzent soll notorisch Schauspielerinnen sexuell belästigt und genötigt, ja sogar vergewaltigt haben. Erst jetzt wehren sich die Opfer und rütteln andere auf. Es ist eine große Internet-Plattform entstanden. „#MeToo“, heißt sie, „mir auch“. Unter diesem Hashtag berichten Millionen von Frauen, wie sie begrapscht, anzüglich angeredet oder zu Intimkontakten gedrängt und gezwungen werden, um beruflich vorwärts zu kommen oder weil es einem Mann eben gefällt. Gut so – diese Kampagne, Frauen wehrt Euch gegen männliche Alpha-Tiere, die sich oder ihre Machtposition für unwiderstehlich halten!

Sexualität als Verbrauchsartikel

Nun sind sexuelle Übergriffe, Vergewaltigung außerhalb und natürlich auch in der Ehe kein neues Phänomen. Und wir sollten unsere Vorfahren, selbst wenn sie noch brav zur Kirche gingen, nicht besser machen, als sie waren. Aber es liegt doch etwas Neues und Beunruhigendes im Umgang unserer Gesellschaft mit der Sexualität: Der Zugriff auf Pornografie ist unbeschränkt, fast jeder Jugendliche kennt die einschlägigen Internetseiten und –filme. Dort kommt Sexualität als Verbrauchsartikel daher wie Klopapier. Frauen sind willfährige Konsumprodukte, deren Lebenszweck es ist, den unersättlichen Orgasmus-Hunger stets potenter Herren zu bedienen. Und die Konsumware Frau genießt das sogar – alles prima. Sexuelle Befreiung haben das die 68er-Revolutionäre genannt. Aber es gab schnell auch Revolutionärinnen , die das als ziemlich billigen Trick durchschaut haben, männliches Triebleben zu bedienen. Pornografie gehört seitdem zur Kultur oder Unkultur oder vielleicht sogar zur Leitkultur unserer Gesellschaft. Und ich glaube, das tut ihr nicht gut, weil Sexualität dadurch banal wird.

Machtdemonstration und Leistungsbeweis

Wer sie ernst nimmt, weiß, dass Sexualität einerseits eine unbegreifliche, bezaubernde Schöpfungsmacht ist – zum andern aber unbezähmbar scheint; dass sie Leben schafft, Menschen aber auch zerstören kann. Das geschieht dann, wenn der andere nur als ein Ding wahrgenommen wird, das zur Verfügung steht, um selbst Lust oder Macht zu erleben.

Zum anderen missrät Sexualität zum Leistungsbeweis. Jeder muss immer können und wollen, darum braucht der 70-jährige Mann Viagra. Ein Abschied von der Libido ist streng verboten, sagt uns die Pharmazeutik-Industrie.

Wenn diese Sexualisierung unserer Gesellschaft auch nicht die Ursache der Nötigung und Demütigung von Frauen sein mag – dass sie solche Verhaltensweisen begünstigt, halte ich für sicher. Denn dahinter steht der Appell: Lebe Deine Triebe einfach aus, fühle Dich stark und mächtig, hol' Dir, was Du willst! Das macht Menschen, Beziehungen und vielleicht sogar ganze Gesellschaften kaputt.

Romantische Liebe - ein christliches Programm

Mancher mag es zum Lachen finden, aber vielleicht hilft da ein Blick auf die katholische Sexualmoral. Natürlich wünsche ich mir nicht die verklemmten Zeiten zurück, die es zweifellos gegeben hat. Und natürlich ist mir bewusst, wie viele Priester und einfache Gläubige da vor der eigenen Tür zu kehren haben. Aber im Tiefsten ist die katholische Sexualmoral die Aufforderung, dem eigenen und dem anderen Intimleben eine Würde zu geben. Sexualität als Quelle des Lebens zu hegen und zu pflegen. Zum Leben gehört dabei nicht nur die Fortpflanzung, sondern auch Zärtlichkeit, Geborgenheit und Verlässlichkeit, ja und auch Lust. Es ist im Grunde die schöne Aufforderung, Sexualität ein Leben lang miteinander zu gestalten. Ein hoher Anspruch, an dem Männer und Frauen scheitern können, den sie aber niemals aufgeben sollten. Das Christentum hat eigentlich die romantische Liebe erfunden, schreibt der Kirchengeschichtler Arnold Angenendt. Dass sich zwei Menschen in die Augen schauen und beide wünschen, ein Fleisch zu sein und zu bleiben. Dazu gehört eine Kultur der Sexualität und die Kirche hat da etwas zu bieten. Vielleicht hilft die Empörung der vielen Millionen Frauen auf "me too", das wieder zu entdecken.

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Skandal sexuelle Nötigung

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Der Autor
Alois Bierl
Radio-Redaktion
a.bierl@st-michaelsbund.de


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