Energieautarke Kirche Positives Beispiel

25.08.2019

Der Pfarrverband Berchtesgaden setzt auf Klimaschutz. Schon seit zwei Jahren ist die Kirche Maria am Berg die wohl einzige energieautarke Kirche im Erzbistum.

Die Natur zu schützen, ist in Berchtesgaden ein großes Anliegen.
Die Natur zu schützen, ist in Berchtesgaden ein großes Anliegen. © imago images/blickwinkel

Berchtesgaden – Hitzewellen und CO2 machen selbst vor dem mächtigen Watzmann nicht Halt: Sogar im idyllischen Berchtesgadener Land ist der Klimawandel zu spüren, extreme Wärme und Starkregen nehmen auch hier zu. Der Pfarrverband Stiftsland will das nicht einfach hinnehmen. Zurzeit stehen eine Reihe von Umbauten und Sanierungen an, und die Verantwortlichen ziehen einen „grünen Faden“ durch die Kirchen und Pfarrhäuser.

Monsignore Thomas Frauenlob wirft noch schnell einen Blick auf den leuchtenden Bergwald, der sich hinter der Berchtesgadener Stiftskirche erhebt. Dann sperrt er die Tür zur Sakristei auf und steigt die Treppen zum Keller hinunter. Dort ragen zwei nach oben gebogene schwarze Rohre aus der Wand. „Das ist der Anschluss an die Fernwärme“, erläutert der Pfarrer. Zusammen mit den Kirchenverwaltungen will er möglichst viele Gebäude des Pfarrverbandes daran anschließen, „weil es eine biologische Sache ist und regionale Wertschöpfung bringt“. Schon in diesem Winter werden die Gottesdienstbesucher mit der aus Biomasse, also aus Holz, gewonnenen Energie gewärmt. Die Pfarrei war wachsam, hat sich rechtzeitig darüber informiert, wann das Schloss Berechtesgaden an das Fernwärmenetz angebunden wird. So war die Leitung schnell und ohne großen Aufwand gelegt.

Auch das unter Denkmalschutz stehende Pfarrhaus hat gerade einen umweltfreundlichen Fernwärmeanschluss und neue, gedämmte Fenster bekommen. Nachhaltig will der Pfarrverband sein, „damit wir die Gebäude ökologisch für die nächsten 40 bis 50 Jahre fit machen“. Den Begriff Nachhaltigkeit fassen Monsignore Frauenlob, seine Mitarbeiter und die Gremien dabei ziemlich weit: „Das heißt auch, dass wir, wo immer es geht, regionale Firmen beauftragen.“ Die hätten zum einen kurze Anfahrtswege, „zum anderen wollen wir den Kirchensteuerzahlern vermitteln, dass ihre Gelder vor Ort eingesetzt werden, wir hier Arbeitsplätze schaffen“. Auch bei anderen geplanten energetischen Sanierungen will der Pfarrverband einheimische Firmen beauftragen.

Verwaltungsleiter Michael Koller (links) und Pfarrer Monsignore Thomas Frauenlob sorgen dafür, dass sich in Sachen Umweltschutz ein "grüner Faden" durch den Pfarrverband zieht.
Verwaltungsleiter Michael Koller (links) und Pfarrer Monsignore Thomas Frauenlob sorgen dafür, dass sich in Sachen Umweltschutz ein "grüner Faden" durch den Pfarrverband zieht. © Bierl/SMB

Etwa in Au, wo eine Hackschnitzelheizung den Pfarrhof und die Kirche versorgen soll. Das dafür benötigte Holz liegt vor der Haustür und muss nicht wie Öl oder Gas über tausende Kilometer transportiert werden. Wenn Verwaltungsleiter Michael Koller die Energiepreise vergleicht, geht er davon aus, dass sich der Umbau auf lange Sicht auch finanziell bezahlt macht. „Wenn wir auf die Kasse schauen, fahren wir zumindest momentan damit günstiger.“ So ist das auch bei Maria am Berg, einer Kirche am Ortsrand von Berchtesgaden. Sie ist seit rund zwei Jahren die wohl einzige energieautarke Kirche im Erzbistum München und Freising. Sie stand am Anfang des „grünen Fadens“. Per Photovoltaikanlage wird der gesamte Strom- und Heizungsbedarf der Kirche gedeckt. Zuvor war die Kirche mit einer Ölheizung ausgestattet, deren Gebläse den Staub an den Wänden festkleben ließ. Nach weniger als zwanzig Jahren war dann wieder eine neue Ausmalung fällig. Jetzt geht Koller davon aus, dass der Anstrich doppelt bis dreimal so lange hält. Überschüssige Energie fließt außerdem ins öffentliche Netz und der Erlös in die Kirchenkasse.

Natürlich braucht es für solche nachhaltigen Maßnahmen auch Investitionen: 2,5 Millionen Euro hat der Pfarrverband bereits ausgegeben. Weitere fünf Millionen aus Kirchensteuermitteln sind nötig, um etwa die Sanierung des früheren Franziskanerklosters oder des Pfarrheims zu schultern, die für Seelsorge und Caritas benötigt werden. Bei allen Sanierungen achten die Verantwortlichen darauf, dass freundliche, einladende und barrierefreie Räume entstehen, die dann auch „ein Beitrag gegen die Vereinsamung von Menschen sind“, wie Pfarrer Frauenlob erklärt. Er spricht gerne von einer „Ökologie des Menschen“, einem gesamtheitlichen Blick auf die Umwelt. Dabei haben sich der Geistliche und der Pfarrverband stark vom emeritierten Papst Benedikt XVI. und der Enzyklika „Laudato si“ von Papst Franziskus inspirieren lassen.

Die Kirche als Vorbild

Das wird auch über die Kirche hinaus wahrgenommen. Der Landkreis Berchtesgadener Land beobachtet sehr genau, was sich im Pfarrverband Stiftsland tut, und stellt ihn bei Veranstaltungen als Modell vor. Denn der Landkreis sieht sich selbst als Bayerische Vorbildregion beim Klimaschutz und will die CO2-Emmissionen pro Bürger bis 2030 halbieren, von rund elf auf 5,5 Tonnen pro Jahr. „Da tut ein positives Beispiel wie im Pfarrverband Stiftsland natürlich sehr gut“, betont Andreas Bratzdrum. Der Sprecher des Landratsamtes hat auch noch weitere Beispiele auf seinem Schreibtisch liegen. So planen die Gemeinde und die katholische Kirche in Surheim, ihre Gebäude gemeinsam an ein lokales Wärmenetz mit Biomasse anzubinden, um dadurch den Bürgern zu zeigen, „dass sie es mit dem Klimaschutz ernst meinen“. Denn die Natur rund um den Watzmann ist den Kommunen und den Pfarreien zu kostbar, um sie dem Klimawandel zu überlassen.

Der Autor
Alois Bierl
Chefreporter Sankt Michaelsbund
a.bierl@st-michaelsbund.de


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