Perspektivwechsel Praktikum in der Buchhandlung Michaelsbund

14.12.2019

Die Chefredakteurin der Münchner Kirchenzeitung, Susanne Hornberger, arbeitete in der Adventszeit einen Tag lang als Buchhändlerin.

Buchhändlerin Rosemarie Hackenberg (rechts) verrät MK-Chefredakteurin Susanne Hornberger Tipps und Tricks, wie Bücher schön präsentiert werden.
Buchhändlerin Rosemarie Hackenberg (rechts) verrät MK-Chefredakteurin Susanne Hornberger Tipps und Tricks, wie Bücher schön präsentiert werden. © SMB/Schlaug

München – Ein bisschen Bammel habe ich schon, als ich kurz vor 10 Uhr unsere Buchhandlung Michaelsbund betrete. Seit Monaten freue ich mich darauf, einmal ein Praktikum in unserem Shop zu machen, hautnah zu erleben, was die Buchhändlerinnen leisten. Nun steigen doch einige Zweifel auf: Werde ich im Weg herumstehen? Werde ich alles richtig machen? Blöde Fragen stellen? Die Bedenken vor meinem Praktikums-Antritt sind jedoch schnell verflogen, als mich das Team um Leiterin Regina Heinritz mit offenen Armen und strahlenden Gesichtern empfängt. Sie freuen sich auf meine Neugierde und Unterstützung. Sofort bin ich Teil des Teams.

Gespür für Kunden

Während um Punkt 10 Uhr die ersten Kunden die Buchhandlung betreten, erklärt mir Regina, dass das Team in zwei Schichten arbeitet, an den Samstagen im Advent sogar in drei. „Zwei Kolleginnen müssen immer im Laden sein, um sich um unsere Kunden kümmern zu können“, erzählt Regina, seit 15 Jahren die gute Seele der Buchhandlung. „Unsere Kunden sollen merken, dass sie von uns gesehen werden“, verrät die 52-Jährige, „man entwickelt im Laufe der Zeit ein Gespür dafür, was der Kunde möchte: Beratung, erst einmal in Ruhe stöbern, oder ob er schon konkret einen Titel im Blick hat.“ Darüber habe ich mir noch nie wirklich Gedanken gemacht. Kann nur aus Erfahrung als Kundin sagen, dass es stressig ist, wenn man gleich an der Tür von den Verkäufern überfallen wird. Aber Service ist in der Buchhandlung Michaelsbund sowieso Gesetz. Das wiederum weiß ich von meinen vielen Einkäufen dort.

Umsätze steigen

Die Frage, ob das Buch als Geschenk verpackt werden soll, ist hier eine Selbstverständlichkeit, sagt Regina und deutet auf Ina Winkler, die bereits mit flinken Händen ein schönes Geschenkpaket aus einem Buch gezaubert hat. Die Kundin strahlt.Während Regina mir erzählt, dass die Umsätze in dieser Buchhandlung entgegen dem Branchentrend steigen – auch dank der so genannten „Non-Books“ wie Deko- und Food-Artikel – kontrolliert Ina den Wareneingang, auf einem vollbepackten Schiebewagen. Während sie zählt, abhakt und die Bestellung im PC überprüft, schaue ich ihr über die Schulter. „Das dauert, bei der Menge“, rutscht es mir raus. Ina lächelt und nickt.

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Regina Heinritz und Rosemarie Hackenberg erklären Susanne Hornberger, wie die Kasse funktioniert.
Regina Heinritz und Rosemarie Hackenberg erklären Susanne Hornberger, wie die Kasse funktioniert. © SMB/Markota

Wieder betritt eine Kundin den Laden, die bestimmt vierzigste in der kurzen Zeit. Ich grüße, sie kommt auf mich zu: „Haben Sie Taufkarten?“ Es rattert in meinem Kopf – in welchem Regal stehen sie? Ach, ja klar, im religiösen Bereich. Ich führe sie dort hin. Als sie an der Kasse steht bin ich zugegebenermaßen stolz. Als ich einem anderen Kunden erfolgreich helfen kann, fühle ich mich noch besser. Habe ich je etwas anderes gemacht?
Und schon steht Simone Sauerbeck neben mir, sie hat sich seit einiger Zeit ins stille Kämmerlein zurückgezogen, einem kleinen Büro. Die Buchhändlerin geht die „Remissionsliste“ durch, also den Warenrückgang aus dem Shop im Kardinal-Döpfner-Haus auf dem Freisinger Domberg, bei dem die Buchhandlung Michaelsbund für Karten und Bücher zuständig ist.

Online bestellen

Ina Winkler, Rosi Hackenberg und Simone Sauerbeck sprechen sich ab, was als nächstes zu erledigen ist. So kümmert sich Rosi sofort um die E-Mails mit den Bestellungen. Da wartet einiges auf Bearbeitung. „Das sind die Bestellungen, die über unseren Online-Shop michaelsbund.de reingekommen sind“, erklärt sie mir, „und die müssen wir jetzt manuell eingeben.“ Per Hand? Ich dachte, das läuft automatisch. Sie beginnt einzutippen und unterbricht schon wieder, weil eine Kundin ihre Bücher bezahlen möchte. Schwupp, hat sie die drei Titel auch schon perfekt in buntes Papier gehüllt, jedes einzeln. Dafür hätte ich locker zehn Minuten gebraucht – und es wäre unförmig geworden.

Zwischen Dekorieren, Aufräumen und Sortieren: Die Buchhändlerinnen müssen immer auf zack sein.
Zwischen Dekorieren, Aufräumen und Sortieren: Die Buchhändlerinnen müssen immer auf zack sein. © SMB/Schlaug

Parallel fachsimpelt Ina mit einer Kundin über die wunderbare Bildsprache einer Autorin, packt dann deren neuestes Werk auch gleich ein. Rosi steht bei den Kinderbüchern und berät eine Dame ausgiebig, zeigt Titel, erklärt. Daneben sortiert Ina in der Kinderbuchabteilung ein. Ich helfe. Besser gesagt, es ist ein Versuch. Alles ist fein sortiert nach Alter, Bilder-, Sach-, Vorlesebüchern. Einiges finde ich, mit anderen Büchern stehe ich fragend neben Ina. Sie lächelt. Sie kennt das Problem. Immerhin kann ich die unterschiedlichen Titel rund um den aktuellen Renner bei den Kindern „Die Eiskönigin II“ auf dem Wagen stapeln, später sollen diese schön präsentiert werden.

Bestseller müssen immer vorrätig sein

Das werde ich mit Rosi, der Spezialistin fürs Dekorieren, nachher angehen. Erstmal müssen wir nämlich den Bestand kontrollieren. Das passiert aber nicht an den Regalen, sondern über ein bestimmtes PC-System. „Die Lager-Pflege ist nicht einfach“, erklärt Rosi, „man muss die Verkäufe genau beobachten und sich immer wieder die Bestseller-Listen anschauen.“ Bestseller müssen immer im Laden vorrätig sein, klärt sie mich auf, und bestellt gleich einiges nach. Ich schlendere derweil durch den Laden, ordne hier einige Bücher, zupfe dort Kissenbezüge aus Samt zurecht und drapiere die Deko-Vögel mit ihren langen Federn wieder ordentlich in ihrer Kiste. Es macht Spaß, sogar enormen Spaß. Ich fühle mich völlig eins – mit dem Team, mit dem Laden.

Kummerkasten für Kunden

Betreten Kunden die Buchhandlung, unterstütze ich; wenn ich nicht weiterkomme, hole ich meine Kolleginnen. Ich beobachte, versuche zu erspüren, ob die Kunden angesprochen werden oder in Ruhe stöbern wollen. Und ich erlebe, dass meine Kolleginnen immer wieder Kummerkasten sind. Eine ältere Dame kauft eine Geburtstagskarte mit Kaktus, „weil die Jubilarin ganz schön stachlig sein kann“, erklärt sie und grinst. Doch dann bricht es aus ihr heraus: Sie muss noch zu einer Beerdigung. Wir hören zu, versuchen zu trösten.

Die Buchhandlung Michaelsbund gleich beim Stachus in der Herzog-Wilhelm-Straße 5 ist werktags von 10 bis 19 Uhr geöffnet. Telefonisch erreichbar ist sie unter 089/23225-420.

Schließlich packe ich das Projekt „Die Eiskönigin II“ an. Wie ein Fragezeichen stehe ich vor dem Regal. Ich überlege, tüftle, teste. Rosi ist zufrieden mit dem Ergebnis, verrät mir aber einige Tricks, wie die Bücher noch besser positioniert werden können. Ich staune und lerne. Auch, dass Buchhändlersein heute nicht nur heißt, Bücher zu lesen und zu verkaufen, sondern auch so viele verschiedene Fähigkeiten mitzubringen. Und ganz nebenbei: Einen ganzen Tag auf den Beinen zu stehen und unermüdlich für die Kunden da sein, erfordert ein gutes Quäntchen Kondition.

Die Autorin
Susanne Hornberger
Münchner Kirchenzeitung
s.hornberger@st-michaelsbund.de


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