Betreuungsplatz-Anspruch Praxistest in Münchner Kinderkrippe

31.07.2013

Ab 1. August gibt es für Kinder von 1-3 Jahren einen Betreuungsplatz-Anspruch. Trotz eines immensen Ausbaus der Betreuungsplätze wird es vielerorts nicht möglich sein, diesen zu erfüllen.

Kind in der Krippe (Foto: Karsten Schmid)

Eine großen Klageansturm erwarten die Kommunen jedoch nicht. Die Geschäftsführerin des Verbands katholischer Kindertageseinrichtungen Bayern, Pia-Theresia Franke, betonte gegenüber den Münchner Kirchennachrichten in diesem Zusammenhang, dass es keinen Anspruch auf einen Krippenplatz gäbe, sondern natürlich auch Plätze bei Tagesmüttern dazu zählen würden.

Einen großen Nachfrageanstieg haben auch die meisten Kindertagesstätten nicht erlebt. Martina Kreikenbaum, die Leiterin des Kinderhauses Frieden Christi im Münchner Olympiadorf, sagte, man habe auf die zehn Krippenplätze etwa die gleiche Anzahl an Anmeldungen erhalten, wie in den Vorjahren. Es sei immer so, dass etwa das zwei- bis dreifache an Anmeldungen vorläge, als man Plätze zur Verfügung hätte. In diesem Jahr sei es sogar erstmals so gewesen, dass drei bereits zugesagte Plätze von Eltern wieder abgesagt worden seien und man Nachrücker hätte aufnehmen können. Ob dies an der gestiegenen Anzahl von Plätzen in München läge, wüsste sie aber nicht.

Kreikenbaum, die ein Kinderhaus mit einer Krippengruppe, zwei Kindergartengruppen und einer Hortgruppe betreut, sieht den Betreuungsplatz-Anspruch mit gemischten Gefühlen. Zwar sei es ihr sehr wichtig, dass auch Mütter arbeiten könnten und die Kinder in guter Betreuung wüssten, aber leider sei bei der ganzen Planung völlig vergessen worden, dass man dazu Personal brauche. Sie kenne einige neu geschaffene Münchner Einrichtungen, die nicht oder nur teilweise eröffnen könnten, weil es an Erziehern und Kinderpflegern fehle. Auch sie selbst hat diese Erfahrung schon gemacht: “Wenn wir früher eine Erziehersstelle ausgeschrieben haben, sind um die 20 Bewerbungen eingegangen, jetzt bekommen wir wenn es gut geht noch 2-3 Bewerbungen.“

In einer Krippengruppe zu arbeiten sei anspruchsvoll, eine Tätigkeit, die nicht jeder Pädagoge ausüben könne und wolle. Sie selbst habe einmal für drei Monate in einer Gruppe mit Kleinkindern ausgeholfen und sei dabei absolut an ihre Grenzen gestoßen – sowohl körperlich, bedingt durch die noch kleineren Stühle und die stets gebückte Haltung, als auch psychisch, durch den sehr hohen Lautstärkepegel. Gerade da sei ihr bewusst geworden, wie wichtig es sei, Personal zu haben, das diese Arbeit wirklich gerne mache.

Menschen aus anderen Berufen zu Erziehern und Kinderpflegern umzuschulen sei nicht generell falsch, aber auch keine Lösung. Sie selbst habe schon einige dieser „Umschuler“ beschäftigt, bei manchen habe dies überhaupt nicht funktioniert, bei anderen sehr gut. Viel wichtiger sei aber für die Angestellten eine bessere Bezahlung. Nur dadurch könne die fünfjährige Ausbildung zum Erzieher interessanter gemacht werden, sagt Martina Kreikenbaum. (sts)


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