Passionstheater Premiere des "Wilhelm Tell" in Oberammergau

08.07.2018

80 Laiendarsteller haben Friedrich Schillers "Wilhelm Tell" auf die Bühne gebracht. Regie führte Christian Stückl. Die Szenerie ließ er nicht in der Schweiz spielen.

Das Passionstheater in Oberammergau.
Das Passionstheater in Oberammergau. © imago

Oberammergau – Im Oberammergauer Passionstheater hat am Wochenende Friedrich Schillers "Wilhelm Tell" eine bejubelte Premiere gefeiert. Rund 80 Laiendarsteller aus dem Ort standen bei kühlen Temperaturen unter der Regie von Christian Stückl auf der nach oben offenen Bühne. Zusammen mit Bühnenbildner Stefan Hageneier ließ er die Szenerie nicht in der Schweiz spielen, sondern an einem Kriegsschauplatz "irgendwo in der Welt". Für die Aufführung hatte Markus Zwink zudem eigens eine Musik für Chor und Orchester komponiert. Die rund 100 Musiker und Sänger agierten unsichtbar, aber deutlich hörbar hinter der Bühne.

Die Titelrolle hatte der erst 22-jährige Rochus Rückel übernommen, der einen überzeugenden Helden wider Willen spielte. Auch die beiden Jesus-Darsteller der Passion von 2010 waren präsent: Frederik Mayet überzeugte als kämpferischer und zugleich vermittelnder Werner Stauffacher, Andreas Richter als widerwärtiger Reichsvogt Hermann Gessler. Die Rolle von Tells Sohn Walter, dem der Vater den berühmten Apfel vom Kopf schießt, hatte der Regisseur mit dem jungen, erfrischend agierenden Johannes Maderspacher besetzt.

Weitere Aufführungen am 20. und 21. Juli sowie am 3., 4, 10. und 11. August.

An dem Klassiker habe ihn gereizt, daraus nicht ein Schweizer Heimatstück zu machen, sondern ein Stück über den Krieg und die Auseinandersetzung mit dem Töten, sagte Stückl der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Letztlich gehe es um die Frage, ob man gegen einen Despoten aufstehen dürfe und ihn töten: "Tell entscheidet sich dafür, im Bewusstsein, es gibt einen Gott, der über ihn richten wird."

Laienschauspieler können sich bewähren

In seinen einleitenden Worten vor dem Beginn der Aufführung erinnerte Stückl daran, dass am 20. Oktober im Passionsspielhaus ein großer Gottesdienst stattfinden wird. Im Anschluss daran sollen die Namen für die Hauptrollen der Passion 2020 bekanntgegeben werden. Der Tell sei damit die letzte Chance für die begeisterten Laienschauspieler, sich noch einmal zu bewähren. 2019 wird traditionsgemäß das Stück "Die Pest" aufgeführt mit den Mitwirkenden der Passionsspiele 2020. Premiere ist am 28. Juni. Erzählt wird darin die Geschichte, wie es zu dem Gelöbnis kam, dass seit 1633 die Oberammergauer alle zehn Jahre das Spiel vom Leiden und Sterben Jesu auf die Bühne bringen. (kna)


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