Holzkirchen Premiere im Erzbistum: Preacher Slam

23.04.2018

Der erste Preacher Slam im Erzbistum München und Freising war ein voller Erfolg. Er lockte viele Besucher in die neu eingeweihte Kirche St. Josef in Holzkirchen. Der Slam stand unter dem Motto: „Eine neue Kirche ist wie ein neues Leben?!“.

Darryl Kiermeier führte als Moderator durch den Abend.
Darryl Kiermeier führte als Moderator durch den Abend. © Kiderle

Holzkirchen – Unter dem Motto „Eine neue Kirche ist wie ein neues Leben?!“ fand am Samstag, den 21. April, in der kürzlich erst eingeweihten Kirche St. Josef in Holzkirchen der erste Preacher Slam statt – eine Premiere. Es war ein Poetry Slam der ganz besonderen Art: mit selbst verfassten, religiösen Texten. Sieben Teilnehmer aus Holzkirchen und Umgebung gaben in fünfminütigen Beiträgen über zwei Runden ihr Bestes. Darryl Kiermeier, ehemals bayrischer U20-Meister im Poetryslam, führte gekonnt und humorvoll durch den Abend. Ergänzt wurde das Programm durch die Holzkirchner Jugendband „Rolling Churches“ und eine im Vorraum platzierte Cocktailbar. Pünktlich um 19.61 Uhr begrüßte Organisator und Pastoralassistent Tobias Lechner vor gut gefüllten Kirchenbänken das Publikum und klärte sogleich über den Grund für die kuriose Anfangszeit auf: 1961 sei das Baujahr der Vorgängerkirche gewesen.

Die Entscheidung über den Sieger lag beim Publikum.
Die Entscheidung über den Sieger lag beim Publikum. © Kiderle

Text auf Bayrisch

Getreu dem Motto des Abends fand das Thema „neue Kirche“ Verwendung in vielen Beiträgen. Humorvolle Reime über die Einweihung von St. Josef gab der junge Ludwig von Brühl zum Besten, der Holzkirchener Pfarrer Gottfried Doll sprach auf Bayrisch über die Architektur der Kirche. Die unscheinbare Holzverkleidung des Gotteshauses weise darauf hin, dass Gott im Alltag eher im Verborgenen zu finden sei. Der Wortgottesdienstleiter von Holzkirchen hingegen sinnierte in seinem ersten Text darüber, was die Kirche noch brauchen könne. Schlussendlich seien weder eine andere Farbe, noch ein Wirtshaus notwendig, um die „Predigt zu verdauen“, sondern „an jedem Tag, zu jeder Stund´ (…) Menschen in ihrem Rund, die feiern können und fröhlich sein“.

Gott als Frau

Den zweiten Teil des Mottos, das „neue Leben“, griffen zwei der Künstler direkt auf. Clara Schönfelder erzählte ein Märchen über eine Königstochter, während Ludwig von Brühl das neue Leben aus einer eher ungewöhnlichen Perspektive beschrieb - aus der Sicht eines Zellhaufens beziehungsweise Embryos.

Ein Gedankenexperiment wagte ein weiterer Slammer und ließ Gott als Frau auftreten. Viel Gelächter im Kirchenrund, als er einen Grund für seine Erkenntnis nannte: „Wenn Gott ein Mann wäre, würde die Natur nicht vierteljährlich umdekoriert.“ Großen Beifall fand Jesu Lebensgeschichte in Form eines Raps, vorgetragen von Ministrant Nikolaus von Brühl, ebenso wie Ausführungen zum Wirken von Papst Franziskus. Gemeinsam mit dem Publikum wurde der Papst mit einem „Franz, bleib dran!“ sowohl zum Durchhalten aufgefordert als auch am Ende herzlich nach Holzkirchen eingeladen.

Pastoralreferent Konstantin Bischoff (Mitte) hat den ersten Preacher Slam im Erzbistum München und Freising gewonnen.
Pastoralreferent Konstantin Bischoff (Mitte) hat den ersten Preacher Slam im Erzbistum München und Freising gewonnen. © Kiderle

Applaus und Begeisterungsrufe

Im Finale schließlich setzte sich Konstantin Bischoff, Pastoralreferent von St. Clemens und St. Vinzenz, durch. Nachdem er bereits mit einem sehr persönlichen Text über die zukünftige Rolle Gottes für seine zwei kleinen Kinder die erste Runde für sich entschied, verhalf ihm das Publikum mit einem kräftigen Applaus und lautstarken Begeisterungsrufen zum Sieg. Sein metaphorischer Text über gesellschaftliche Erwartungen an die Zukunft, die wie Seifenblasen zerplatzen können, überzeugte und das, obwohl der Text erst auf der Zugfahrt zum Slam fertig wurde, wie er anschließend gestand. Er erhielt die HolyHoki-Trophäe in Form einer Holzschindel der Kirche.

Preacher Slam hat Potenzial

Organisator Lechner zeigte sich im Anschluss „rundum zufrieden“ und überrascht über die große Besucherzahl. Im Format des Preacher Slams sieht er viel Potenzial. Es sei „etwas Neues, (…) ganz anderes“ und könne mehr Leute in die Kirche locken. Besucher Stefan Hubl gibt ihm Recht, er findet die Veranstaltung „absolut wiederholenswürdig“. (Franziska Zimmerhackl)

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Neue Kirchen wurden gebaut

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