Katholisches Weiheverständnis Priester sind Unterstützer und Wegweiser

03.07.2019

Regens Wolfgang Lehner erklärt, wie die katholische Kirche die Weihe des Priesters deutet und begreift.

In der Liturgie der Priesterweihe versprechen die Kandidaten, nach dem „Wort und Beispiel Christi“ zu leben und so die Gemeinde zu leiten. © Kiderle

Das Leben eines jeden Menschen ist ein Geheimnis. Wo komme ich her? Warum lebe ich ausgerechnet hier und jetzt? Und: Wo geht das Leben hin? Wirklich klar ist im Leben weniges, das meiste bleibt ein Mysterium. Unser Vorteil als Christen: Das Mysterium unseres Lebens mündet nicht in irgendein Schicksal, sondern hat einen Grund und ein Ziel, das wir Gott nennen. Und es ist in Jesus Christus Mensch geworden. Ein gewagter Glaube, und zugleich ein faszinierender Glaube bis auf den heutigen Tag.

Wir Christen leben in zwei Welten: Wir gehören auf diese Erde, wir leben und lieben, wir lachen und leiden hier, wir werden hier geboren und sterben hier. Zugleich leben wir in der Gewissheit, dass sich hinter dieser Welt eine andere, größere und schönere verbirgt: das vollendete Glück bei Gott. Diese Welt ist unser Ziel und der Grund unserer Hoffnung: Wer seine Taufe ernst nimmt, steht schon mit einem Bein im Himmel. Die Gemeinschaft der Getauften, die Kirche, ist insgesamt ein Zeichen für diese doppelte Welt: Sie lebt mit ganzem Ernst und mit ganzer Freude auf diesem Planeten, sie feiert aber zugleich in jedem Gottesdienst, dass das Reich Gottes schon angebrochen ist und nur noch vollendet zu werden braucht.

Wegweiser zu Christus sein

Die Gemeinschaft der Getauften ist als ganze ein priesterliches Volk für alle Menschen dieser Erde. In ihr aber besteht das „Priestertum des Dienstes“; in ihr leben Männer, die die Kirche dazu bestellt, als Priester ihren Dienst zu tun. Die deutschen Bischöfe beschreiben diesen so: „Der Dienst des Priesters zielt dahin, dass alle Getauften immer tiefer Christus selbst erkennen und lieben und so immer tiefer in ihre allen Getauften gemeinsame priesterliche Berufung hineinfinden und aus ihr leben“ (Gemeinsam Kirche sein, 4b). Einfach gesagt, besteht die Aufgabe der Priester darin, alle Getauften im Leben ihres Glaubens zu unterstützen und für alle Suchenden ein Wegweiser zu Christus zu sein. Sie hat im Wesentlichen drei Dimensionen: Das Zeugnis des Lebens, die Verkündigung des Wortes und die Feier der Sakramente.

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Wolfgang Lehner ist Regens des Münchner Priesterseminars.
Wolfgang Lehner ist Regens des Münchner Priesterseminars. © privat

In der Liturgie der Priesterweihe versprechen die Kandidaten, nach dem „Wort und Beispiel Christi“ zu leben und so die Gemeinde zu leiten. Was ein Priester tut oder sagt, wie er mit den Menschen umgeht, sie anhört und begleitet, aber auch ermahnt und korrigiert – immer muss durch sein Tun das Beispiel Christi durchscheinen; immer muss er eine Ahnung davon geben, wie Christus gehandelt hätte. Die verschiedenen konkreten Aufgaben, die ein Priester erfüllt – ob in der Leitung einer Pfarrei, im Gespräch am Krankenbett oder in der Sakramentenvorbereitung – entfalten ihre Wirkung ganz entscheidend durch sein persönliches Lebenszeugnis. Auch die Ehelosigkeit gehört in diesen Zusammenhang: Sie ist die Lebensform Jesu Christi, der dadurch für Gott und die Menschen ganz anders verfügbar war, als dies einem verheirateten Mann mit Familienverantwortung möglich gewesen wäre. Die vielen, auch sehr plumpen Anfragen an die zölibatäre Lebensform der Priester könnten – genauso platt gesagt – zur Rückfrage Anlass geben, ob Sex denn wirklich „das Eigentliche“ sei, wie es heute irgendwie als selbstverständlich gilt.

Wenn auch der Priester mit seinem ganzen Leben Christus darstellen soll, so ist doch die Verkündigung und die Auslegung der Heiligen Schrift seine erste Aufgabe. Ob im Gottesdienst oder in der Katechese: Wie wertvoll sind für unsere aufgeregte Zeit Worte der Ermutigung, der Vereinfachung und der Konzentration auf das Wesentliche! Die Botschaft des Evangeliums ist einfach und lädt dazu ein, einfach zu leben. Aufgabe der Priester ist es, sie immer und immer wieder zu sagen: Verkündigung muss nicht immer etwas Neues bringen, aber immer etwas Gutes. Sie muss die Menschen immer wieder dazu hinführen, ihren Glauben als Quelle zu begreifen und nicht als Belastung. Priester, die das verstehen, finden in ihren Gemeinden immer offene Herzen und offene Türen.

Maximal herausfordernd

Die dritte Dimension, die Menschen zu ihrem Glauben zu befähigen, ist die Feier der Sakramente. Wo Worte oft nur den Verstand ansprechen, umfasst die Liturgie den ganzen Menschen. Gott selbst ist hier am Werk: Bilder und Symbole, Gesten und Gesang bringen uns mit dem Geheimnis des Lebens in Berührung. Das Wasser der Taufe öffnet bereits einem neugeborenen Kind den Himmel, die Handauflegung im Bußsakrament schenkt – wie es der Barmherzige Vater tut – den Neuanfang. Die Feier der Eucharistie stellt unser ganzes Leben unter das Geheimnis des Kreuzes: Leben ist keine immerwährende Beachparty, sondern ein oft steiniger Weg, allerdings mit der berechtigten Hoffnung auf eine versöhnliche Vollendung. Die Feier dieser Hoffnungszeichen ist die nach außen hin am deutlichsten sichtbare Aufgabe des Priesters: Im Sonntagsgottesdienst, in Taufe und Beerdigung, in der Feier der Trauung und der Versöhnung. Auch hier geht es darum, die Menschen zu ermutigen und zu befähigen, ihren Glauben bewusst zu leben und aus ihm heraus ihren Alltag zu gestalten.

In einer Zeit vieler Anfragen heute Priester zu werden und Priester zu sein ist maximal herausfordernd. Doch genau in dieser Herausforderung liegt auch die Faszination, als Priester im dreifachen Dienst des Lebens und Leitens, der Verkündigung und der Feier der Sakramente das Geheimnis Jesu Christi sichtbar zu machen. (Wolfgang Lehner, Regens des Münchner Priesterseminars)


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