Studienhaus St. Lambert Priester werden auch ohne Abitur

15.03.2018

Thomas Barenth war Verwaltungsfachwirt im Landratsamt Freising. Ein Abitur hat er nie gemacht. Doch Priester werden, wollte er trotzdem. Im Studienhaus St. Lambert in Rheinland-Pfalz war das möglich.

Auch ohne Abitur ist es möglich Priester zu werden.
Auch ohne Abitur ist es möglich Priester zu werden. © SMB

Grafschaft-Lantershofen/Freising – Thomas Barenth arbeitete als Verwaltungsfachwirt im Landratsamt Freising. Er hatte ein gesichertes Auskommen. Doch er spürte: Da war noch mehr. „Ich war in meiner Heimatpfarrei in der Jugendarbeit aktiv, leitete einen Gebetskreis für junge Leute und habe dabei Christus immer wieder neu erfahren und gespürt“, erinnert er sich. Doch den Ausschlag, Pries-ter werden zu wollen, gaben nach langen Jahren zwei andere Erfahrungen. „Auf dem Weg zur Berufung gab es zwei Wegmarken: zum einen die beiden Weltjugendtage 2005 in Köln und 2008 in Sydney, zum anderen zwei Priester, an denen ich sehen konnte, wie Leben in der Nachfolge Christi gehen kann.“

Feuer des Glaubens

Und dann begann für den heute 37-Jährigen eine Zeit des Ringens: „Wage ich es, die gesicherte Position im Landratsamt aufzugeben und bei Null zu beginnen? Schaffe ich das vom Studium her, obwohl ich kein Abitur habe? Halte ich das durch? Die Fragen habe ich mir alle gestellt“, erinnert er sich. „Doch das Feuer des Glaubens war stärker, in eine ungesicherte und nicht wirklich planbare Zukunft zu springen. Ich wollte Priester werden.“

Abitur des Lebens

Wer im Beruf den Ruf verspürt, Priester zu werden, muss sein Abitur nicht nachholen. Denn es gibt das Studienhaus St. Lambert im rheinland-pfälzischen Ort Grafschaft-Lantershofen. Hier studieren durchschnittlich 40 Priesteramtskandidaten aus deutschen Bistümern und Ordensgemeinschaften Theologie. Die Möglichkeit, auf dem so genannten dritten Bildungsweg Theologie zu studieren, gibt es seit rund 45 Jahren in Deutschland. „Wir haben alle einen Beruf und sind durch das „Abitur des Lebens“ gegangen“, sagt Barenth nicht ohne Stolz. Ausgebildet werden die angehenden Priester in enger Zusammenarbeit mit den Bistümern und Ordensgemeinschaften, von denen sie entsandt wurden. Nach erfolgreichem Abschluss können sie in der jeweiligen Heimatdiözese den Pastoralkurs absolvieren, der dann zu Diakonats- und Priesterweihe führt.

Als Oberbayer in der Fremde

Auch Thomas Barenth ging zum Studium nach Lantershofen. „Ich kannte das Haus schon. Ein Freund aus meiner Heimatgemeinde hat dort bereits studiert, und ich habe ihn öfters besucht.“ In den vier Jahren seiner Ausbildung in St. Lambert „fühlte ich mich als Oberbayer erst mal in der Fremde“, blickt Barenth zurück. „Die Atmosphäre habe ich als sehr angenehm empfunden. Die Ausbildung und der Ablauf des Studiums waren speziell auf uns ehemalige Berufstätige zugeschnitten, und wir wurden intensiv von unseren Dozenten betreut.“ Und Thomas Barenth bekam im „Haus einen weiten Blick über die katholische Landschaft in Deutschland.“ Unter seinen Mitstudenten „war damals alles vertreten, quer durch die Berufslandschaft.“ 2014 hat er seinen theologischen Abschluss gemacht.

 

Austausch im sogenannten Missionscafe des Studienhauses.
Austausch im sogenannten Missionscafe des Studienhauses. © Studienhaus Sankt Lambert

Berufserfahrung kommt dem Priester-Sein zugute

Seine Berufserfahrungen kommen Thomas Barenth, der 2016 zum Priester geweiht wurde, auch in seinem heutigen Beruf zugute. „Von meiner früheren Tätigkeit im öffentlichen Dienst kann ich natür-lich schon vieles für die Verwaltung der Pfarrei und die Organisation der Arbeitsabläufe gebrauchen“, sagt der Kaplan. „Ich war im Landratsamt mit Einbürgerungsrecht und dann im Sozialamt mit Hartz-IV-Verfahren befasst. Da bekommt man ein Gespür für Menschen in schwierigen Situationen. Das kann ich heute bei der Seelsorge gut einsetzen.“

Ruf ins Gebet nehmen

Heute will Thomas Barenth „Zeuge für den Glauben sein in einer Welt, die sich immer mehr verän-dert und in der die Frage nach Gott oft gar nicht mehr gestellt wird. Ich möchte mich zusammen mit den Menschen auf die Suche nach Gott machen, Jesus Christus neu entdecken und gemeinsam den Glauben feiern.“ Dazu ist es ihm wichtig, „dass man am Priester die Freude sehen kann, die aus dem Evangelium kommt und aus der er lebt. Und dass er sie überzeugend weiterträgt.“

Was rät Thomas Barenth jungen Männern, die den Ruf im Beruf spüren, Priester zu werden? „Den Ruf an sich ranlassen, aber nichts überstürzen, sich auf dem Weg geistlich begleiten zu lassen und den Ruf immer wieder ins Gebet zu bringen. Es gibt 1.000 Dinge, die einen davon abhalten. Doch, wenn es wirklich eine Berufung ist, erfüllt und ergreift einen Gott immer mehr. Dann wirklich den Mut haben und sagen: Ich spring jetzt los!“ Heute arbeitet Thomas Barenth als Kaplan in der Stadtkirche Wolfratshausen. (Der Text wurde vom Studienhaus St. Lambert zur Verfügung gestellt)


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