Erinnerung an seligen Karl Leisner Priesterweihe im Konzentrationslager

14.12.2019

Vor 75 Jahren wurde Karl Leisner im KZ Dachau heimlich zum Priester geweiht. Kurz nach der Befreiung des KZ starb er an Tuberkulose. Später wurde er selig gesprochen.

Szene aus dem Dokumentarfilm über Karl Leisner
Szene aus dem Dokumentarfilm über Karl Leisner © Ikarus Filmproduktion

Dachau – Vor mir liegt ein Tagebuch. Auf vergilbtem Papier ist die Handschrift eines Jugendlichen zu lesen. Am 5. März 1933 formuliert er: „Ganz Deutschland wählt heute. Was wird werden? Wahrheit oder Lüge, Geschrei oder demütiges Handeln?“ Was der 18-jährige Karl Leisner an diesem denkwürdigen Tag ahnte, sollte bald zur bitteren Realität werden. Der NS-Staat brachte nicht nur die Welt an den Abgrund. Das so bunte Leben Leisners verwandelte er in einen Leidensweg.

Geboren 1915 in Rees am Rhein, wächst Karl behütet in einem katholischen Elternhaus auf. In der aufkeimenden Jugendbewegung findet er nicht nur eine geistige Heimat. Bald wird er selbst zum Idol einer Jugend, die sich entschieden gegen die neue Weltanschauung stemmt. Um ein Haar hätte ihm sein unermüdliches Engagement für die kirchliche Jugendarbeit das Abitur gekostet: „Mancher verflixte Nazilehrer wird mir eine Falle stellen wollen“, notiert er dazu ins Tagebuch.

Empfang beim Papst

Der Begleitung junger Menschen bleibt Leisner auch nach dem Eintritt ins Priesterseminar von Münster treu. Sein Bischof, Clemens Graf von Galen, der die Gräueltaten der neuen Machthaber mutig beim Wort nennt, wird ihm zum Förderer und Vorbild.

In den Semesterferien bricht Leisner zusammen mit einem Freund nach Rom auf. Was sich dort ereignet, kann auch er zunächst nicht glauben: Auf Vermittlung eines Bekannten empfängt ihn der Papst. Mit den Worten „Fioretti Germaniae“, (Blumen aus Deutschland) begrüßt ihn Pius XI. Er will von Leisner erfahren, wie es um die Jugendarbeit in Deutschland steht.

Verliebt in Tochter des Vermieters

Das Theologiestudium führt Leisner auch nach Freiburg. Dort verliebt er sich in die Tochter der Vermieterin. „Kann ich auf die Freuden eines heiligen Bundes mit einem lieben Menschen verzichten?“, fragt er verunsichert. Auch wenn ihn immer wieder die Sehnsucht nach Elisabeth überfällt, entscheidet er sich dafür, Priester zu werden. Er notiert: „Dein Wille geschehe, Jesus Christus, die Hingabe für Dich ist doch das größte Heldentum auf dieser Erde.“ In einem Brief teilt er Elisabeth die Entscheidung mit: „Christus ist mir in dir begegnet wie er mir noch nie entgegentrat. Ich werde hintreten zum Altar Gottes.“

Am 25. März 1939 empfängt Leisner im Dom zu Münster durch Bischof von Galen die Diakonatsweihe. Was er daraufhin einem Freund gesteht, wird ihm zum Programm: Es geht um die größere Liebe, um das bereitere Ja – und Deutschland wird der Herde Christi nicht verloren gehen.

Aus Anlass des 75. Jahrestages der Priesterweihe von Karl Leisner am 17. Dezember 1944, läuft der Dokumentarfilm „Karl Leisner – Christ aus Leidenschaft“ im City-Kino in München, Sonnenstraße 12. Karten für die Vorführung am Sonntag, 15. Dezember, um 15 Uhr gibt es bei der Katholischen Seelsorge an der KZ-Gedenkstätte Dachau (Telefon 08131/66997-0) oder auch unter kronawitter@ikarus-film.de oh

Wenige Monate nach der Weihe quält Leisner eine seltsame Mattheit. Die Ärzte diagnostizieren Lungentuberkulose. Ein Aufenthalt in einem Sanatorium bei St. Blasien soll ihn heilen. Als er dort am 9. November 1939 von der Nachricht überrascht wird, dass Hitler ein Attentat überlebt hat, kann er sich die Bemerkung nicht verbeißen, dass er den Ausgang bedauert. Ein Mitpatient verrät ihn. Wenige Stunden später wird er verhaftet. Nach Gefängnisaufenthalten in Freiburg, Mannheim und Sachsenhausen wird er am 13. Dezember 1940 ins KZ Dachau überstellt.

Hoffnung in der Hölle von Dachau

Fast vier Jahre lebt und leidet er im sogenannten Priesterblock des Lagers, wo sich an ihm – wie etliche später sagen werden – ein Wunder ereignet: Er, dem die Verhaftung die Ordination versagt hat, wird inmitten der Hölle von Dachau am 17. Dezember 1944 zum Priester geweiht. Für viele Mitgefangene wird die minutiös vorbereitete Feier zum Anker der Hoffnung, zum Sieg über den NS-Staat, dem es nicht gelungen ist, dieses „göttliche Werk“ zu verhindern.

Nur wenige Wochen nach der Befreiung des Lagers, stirbt Karl Leisner im Sanatorium der Barmherzigen Schwestern in Planegg. Sein letzter Eintrag ins Tagebuch endet mit den Worten: „Segne auch, Höchster, meine Feinde.“ (Max Kronawitter)


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