Fünf Neupriester Priesterweihe im Münchner Dom

26.06.2021

Kardinal Marx legte an diesem Samstag fünf jungen Männern die Hände auf. Im Gottesdienst erinnerte er daran, dass die Weihe nicht von anderen Menschen trennt.

Kardinal Marx mit den fünf Neupriestern Robert Georg Daiser, Georg Max Böckl-Bichler, Josef Rupert Michael Schmid, Tobias Pastötter, Stefan Schmitt
Kardinal Marx mit den fünf Neupriestern Robert Georg Daiser, Georg Max Böckl-Bichler, Josef Rupert Michael Schmid, Tobias Pastötter und Stefan Schmitt © Kiderle

München - Die Ankündigung von Kardinal Reinhard Marx erfüllte sich nicht. 2021 werde wieder groß und vor vollem Haus gefeiert, versprach der Münchner Erzbischof bei der Priesterweihe im vergangenen Jahr. Aber auch heuer bestimmte die Corona-Pandemie das Fest für die fünf jungen Männer, denen der Kardinal die Hände auflegte. Sonst pflegen das auch alle im Dom versammelten Priester der Diözese zu tun, dieses Mal übernahmen das stellvertretend fünf ausgewählte Geistliche.

Nach jeder Berührung Desinfektionsspray

Vor und nach jeder Berührung kam das Fläschchen mit Desinfektionsmittel zum Einsatz, um jede Infektionsgefahr zu bannen. Natürlich mussten die Kandidaten über weite Strecken FFP2-Masken tragen, aber die leuchtenden Augen waren ihnen in jedem Moment anzumerken. Auf den großen Videoleinwänden konnten es die 180 zugelassenen Gläubigen sehen, die in großen Abständen im Dom verteilt waren, der mehr als zehn Mal so viele Besucher fassen kann.

Ein Bild von El Greco als Predigtthema

Ein Menschengedränge war nur auf dem Bild zu entdecken, das Kardinal Marx für das Gottesdienstheft zur Priesterweihe ausgesucht hatte und das auf der Umschlagseite abgedruckt war. Ein Gemälde des spanischen Malers El Greco, das die Entkleidung Christi vor seiner Kreuzigung zeigt. Dicht umringt von Häschern und Schaulustigen ist Christus darauf im roten Purpurgewand zu sehen, das ihm ein Folterknecht gerade von der Schulter zieht. Eine kleinere Fassung dieses Gemäldes ist auch in der Münchner Alten Pinakothek zu sehen. Kardinal Marx hatte aber das ursprüngliche Original ausgewählt, das in der Sakristei der Kathedrale von Toledo hängt und das er in den Mittelpunkt seiner Predigt stellte. In Toledo sehen die Priester das Bild bis heute, wenn sie ihr Messgewand anziehen.

Es ist ein Gewand, „das immer auf das Leiden Christi und auf seine Botschaft hinweist und wer es anzieht, muss wissen, was er da tut“, so der Kardinal: „Priester bin ich nicht für mich, sondern für andere und es bedeutet, sich zu verschenken.“ Deshalb dürfe das Messgewand auch niemals etwas „Exklusives sein, das uns von den anderen Menschen trennt“. Ein Priester, der „etwas Besonderes sein will“, habe das Leben Jesu missverstanden.

Leider mehr Ausladungen als Einladungen

Es war eine sehr spirituelle Predigt des Münchner Erzbischofs, die er bei diesem Gottesdienst hielt, in dem er die Priester ermahnte, „nicht die Kontrolleure, Besitzer und Verwalter des Geistes Gottes“ sein zu wollen. Allerdings hätten sie den Auftrag in der Welt verkünden „und den Menschen zu helfen, die Kraft dieses Geistes, der in ihnen steckt, in Taufe und Firmung zu entwickeln“. Die Predigt hallte nach, als die fünf Priester, ihre Messgewänder überstreiften, um mit dem Kardinal die Eucharistie zu feiern und zum Abschluss den ersten Primizsegen zu sprechen.

Und es war dann doch eine größere Menschenmenge, als sich die Gottesdienstbesucher vor der Domsakristei im Freien versammelten, um den Neupriestern zu applaudieren, die strahlend die Treppe hinuntergingen. Auch wenn es natürlich viel weniger Menschen sein durften, als sie sich gewünscht hätten: „Wir sind ja fünf diözesane Eigengewächse“, erklärte der frisch geweihte Georg Böckl-Bichler, „der Dom wäre bestimmt ganz voll gewesen, wenn alle Bekannten aus unseren Heimatpfarreien hätten mitfeiern dürfen.“ Da habe die Pandemie einen „Wermutstropfen“ in den Festtag hineingerührt. Das bedauert auch Josef Schmid, der der „viel lieber eingeladen hätte als auszuladen“, denn die Gästeliste für jeden Neupriester war kurz. Trotzdem war es für ihn und seine vier Mitbrüder „ein schöner und unvergesslicher Tag“. Das El-Greco-Gemälde wird er jedenfalls noch lange vor Augen haben. „Ein starkes Kunstwerk, das der Kardinal da ausgewählt und gedeutet hat.“  Die fünf Neupriester werden wohl öfter daran denken, wenn sie vor einem Gottesdienst das Messgewand anziehen.

Der Autor
Alois Bierl
Chefreporter Sankt Michaelsbund
a.bierl@st-michaelsbund.de


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