Neupriester aus Steingau-Erlach Primiz am Löschweiher

11.07.2021

Vor zwei Wochen hat Georg Böckl-Bichler seine Priesterweihe empfangen. Nun hat er in seiner Heimatgemeinde Steingau b. Dietramszell zum ersten Mal selbst die Messe gefeiert.

Georg Böckl-Bichler
Georg Böckl-Bichler feiert Primiz in seiner Heimatgemeinde. © Kiderle

Dietramszell/Steingau - Gleich am Ortsschild stoppt die Feuerwehr den Verkehr in Steingau, heute gehört der Ort den vielen Fußgängern, die unterwegs sind. Denn nach rund 100 Jahren kann das kleine Dorf zwischen Dietramszell und Otterfing wieder eine Primiz feiern. Aus der Ferne ist schon die Blasmusik des Kirchenzugs mit dem vor zwei Wochen geweihten Georg Böckl-Bichler zu hören, der von der nahegelegenen Kirche in Steingau zum Löschweiher in Erlach führt. In dem kleinen Ortsteil ist er daheim, an dessen Weiher hat er das Schwimmen und Schlittschuhlaufen gelernt. Unter zwei mächtigen Linden ist ein Zelt mit Altarinsel aufgebaut. An einem Wegkreuz haben geschickte Hände ein Bild aus Blumen gestaltet, das einen Kelch und eine Hostie zeigt. Bei dieser Feier hat die ganze Umgebung mitgeholfen. Vom Burschen- bis zum Gartenbauverein. „Am schwierigsten wird es, beim Vergelt´s-Sagen niemand zu vergessen“, erklärt Primizlader Alexander Sebald, „denn es gibt kaum jemanden, der nicht mit angepackt hat.“ Normalerweise ist er als Hochzeitslader in der Gegend bekannt. Aber für den „Girgl“, den er schon lange kennt, hat er nun die Primizfeier gemanagt: „Ist ja auch etwas Ähnliches.“

Weihwasser und Regentropfen

Etwa 1000 Menschen haben sich auf dem Platz im Mittelpunkt des Dorfes versammelt, viele Frauen in der typischen Oberlandtracht mit schwarzem Schalk und viele Männer in Lederhosen. Sie lehnen an den teilweise frisch gestrichenen Stallwänden, suchen Schutz unter den vorkragenden Dächern oder haben Schirme aufgespannt. Als Georg Böckl-Bichler die Gläubigen zu Beginn der Messe bei der Erneuerung des Taufgelübdes segnet, mischt sich das Weihwasser mit dicken Regentropfen. Aber zur Predigt werden die Regenschirme wieder eingespannt und von Westen her schaut ein wenig Blau zwischen dunkelgrauen Wolken hervor. Passend zu den Worten des Primizianten: „Zum christlichen Glauben gehört, dass der Himmel über den Menschen aufgeht, dass Gott bei und mit den Menschen sein will.“

Wege zwischen Glaube und Alltag pflegen

Georg Böckl-Bichler hat nicht, wie sonst oft üblich, einen befreundeten Priester als Prediger engagiert, sondern spricht selbst zu den Menschen, unter denen er aufgewachsen ist.  Im nur wenige Meter entfernten Vereinsstadel hat er jahrelang mit  der Musikkapelle geübt und dabei für sein Bild von der Kirche gelernt: „Dass viele Instrumente einen Klang ergeben müssen und dass auch Molltöne dazu gehören, manchmal auch der Mut zu einer Dissonanz.“ Dann deutet er auf die Erlacher Kapelle gegenüber dem Zelt. An dem kleinen Gotteshaus treffen verschiedene Dorfwege zusammen: „Verbindungsstrecken zwischen den Wohnungen, dem Alltag der Menschen und dem Glauben“, nennt sie der Primiziant. Symbolische Strecken, die er als Priester pflegen will. Er will mit den „Nöten und Sorgen in den Häusern vertraut sein“ und hineingehen, nicht nur in der Kirche auf die Gläubigen warten. Zur Kommunion wird der Himmel dann tatsächlich noch ein wenig blauer.

Blick von Erlach nach Tansania

Und der 35jährige Neupriester geht lange Strecken über die nasse Festwiese, um den vielen Menschen die Hostie zu reichen, die sie von ihm persönlich entgegennehmen wollen. „Das war für mich der aufregendste und ergreifendste Moment“, erzählt er unmittelbar nach der Messe, während er etwa ein Dutzend Primizbänder an die anwesenden Vertreter der Vereine verteilt, die sie an ihre Fahnen heften. „Da war es schön, so vielen Menschen in die Augen zu schauen, die ich kenne und die mich spüren lassen, dass ich hier daheim bin.“ Nun wird ihn sein Weg als Kaplan aber nach Wasserburg am Inn führen. Dort hat er schon eine neue Verbindungsstrecke entdeckt: ein Krankenhaus im ostafrikanischen Tansania, dass der Wasserburger Priester und Arzt Thomas Brei leitet. Die Hälfte der Primizkollekte wird Georg Böckl-Bichler dorthin spenden. Die andere Hälfte des Geldes hat dagegen nur einen kurzen Weg: Mit ihr unterstützt er die Renovierung seiner Steingauer Heimatkirche. 

Der Autor
Alois Bierl
Chefreporter Sankt Michaelsbund
a.bierl@st-michaelsbund.de


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