Erste Messe des Neupriesters Jasper Gülden Primiz mit Absperrband und Mundschutz

28.06.2020

Das Erzbistum München und Freising hat zum ersten Mal seit Menschengedenken eine Primiz im Zeichen einer Pandemie gefeiert.

Leere Bänke, Mundschutz und trotzdem ein bewegendes Fest: Primiz in Hebertshausen im Landkreis Dachau. (Bild: SMB/Bierl)
Leere Bänke, Mundschutz und trotzdem ein bewegendes Fest: Primiz in Hebertshausen im Landkreis Dachau. (Bild: SMB/Bierl) © SMB/Bierl

Hebertshausen – Zwei Shetlandponys aus der Reitschule Waldfrieden ziehen den schmalen Kutschenwagen, die Jasper Gülden vor die Kirche bringen. Bei dieser Primiz geht eben alles ein paar Nummern kleiner zu als sonst. Aber an der Tradition, dass der Neupriester zu seiner ersten Messe mit der Kutsche kommt, lässt der Pfarrverband Röhrmoos–Hebertshausen nicht rütteln. Die Fahrt endet aber nicht an der Kirche, sondern am nahegelegenen Rathaus, wo der am Tag zuvor geweihte Jasper Gülden und eine Handvoll weiterer Priester ihre Messgewänder anlegen. In der Sakristei wäre es zu eng und die Infektionsgefahr zu groß. Draußen stellt sich inzwischen die achtköpfige Blaskapelle Schönbrunn auf. Wegen der Hygienevorschriften müssen sie der etwa ebenso großen Gruppe aus Priestern, Ministranten und Jasper Gülden vorausziehen.

100 statt 1500 Gäste

Mehr als zwei Stücke dürfen sie nicht spielen. Doch weil der Weg so kurz ist, schaffen sie sowieso nur den „Festlichen Prozessionsmarsch“. Auch die traditonellen Fahnenabordnungen sind nicht erlaubt. Der Platz vor der Kirche ist mit rotweißen Plastikbändern abgesperrt. Rund einhundert geladene Gäste dürfen mitfeiern. Ursprünglich rechnete der Pfarrverband mit bis zu 1500 Gästen, die im nahegelegenen Franziskuswerk Schönbrunn zu einem Freiluftgottesdienst und großem Programm in einem Festzelt zusammenkommen sollten, berichtet Pfarrer Michael Bartmann. „Diese vielen Menschen fehlen uns jetzt natürlich.“ Allein von den 120 Ministranten des Pfarrverbandes, die Jasper Gülden während seines Pastoralkurses eng begleitet hat, dürfen nur acht dabei sein. Schon im Herbst hatte der Primizausschuss den feierlichen Rahmen genau geplant. Dann kam Corona und alles war anders.

Lücken in den Kirchenbänken

„Vor acht Wochen hatten wir tatsächlich noch größte Bedenken, ob eine Primizfeier erlaubt werden kann“, erklärt Landrat Stefan Löwl, dessen Behörden die Primiz genehmigen und auf die Vorschriften bestehen mussten. Die verlangen nicht nur eine Absperrung des Geländes, sondern auch eine Liste der Anwesenden, eine feste Platzvergabe und das Verbot, in größeren Gruppen nach dem Gottesdienst eng zusammen zu stehen oder zu sitzen. In der Kirche selbst gelten die üblichen Maßnahmen. Jede zweite Bank ist gesperrt, auch hier muss der Mindestabstand gewahrt sein, beim Singen soll die Gemeinde Schutzmasken tragen. Einen solchen Mundschutz zieht natürlich auch Jasper Gülden über das Gesicht, als er zusammen mit Andreas Kolb, dem zweiten Neupriester im Erzbistum München die Kommunion austeilt, nachdem sie sich zuvor die Hände desinfiziert haben.

Vor ein paar Minuten hat der 29jährige Jasper Gülden noch die Fürbitten ergänzt und für die Menschen gebetet, die menschlich, sozial oder wirtschaftlich von der Coronakrise betroffen sind. Dass bei seiner Primizfeier nicht wie üblich der ganze Ort auf den Beinen ist, findet er zwar schade, aber es macht ihn nicht traurig. „Es ist für mich jetzt schön Priester zu sein, und da gibt es nichts Enttäuschendes.“ Natürlich sei es eigenartig gewesen, die Lücken in den Kirchenbänken zu sehen, „aber ich habe mich trotzdem getragen gefühlt, es war eine sehr schöne Messe.“  Und er ist zufrieden, dass er keine der Sicherheitsmaßnahmen vergessen hat. Nur gut eine Stunde dauert der Gottesdienst und auch das anschließende Fest muss gegen 13.30 Uhr beendet sein.

Viele bunte Luftballons

Dass Jasper Gülden in einer besonderen Zeit seine Priesterweihe empfangen hat, macht auch ein Geschenk deutlich, das er von seinen Kolleginnen aus dem Seelsorge- und Verwaltungsteam entgegennimmt. Die haben ihm einen schwarzen Doktorhut gebastelt. Oben auf dem Deckel haben sie ein paar lange Stäbe in verschiedene Richtungen geklebt, damit Jasper Gülden „den Coronaabstand einhalten kann“. Lachend nimmt der Neupriester den Hut entgegen, auf dem auch sein Primizspruch aus dem 1. Korintherrief steht: „Für jetzt bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe.“ Und dann schaut er gerührt und lange in den Himmel: Denn der Primizausschuss hat sich noch etwas  Besonderes ausgedacht: an jedem Platz ist ein gasgefüllter Luftballon festgebunden. An den knoten die Gäste kleine Kärtchen, auf denen jeder seinen persönlichen Wunsch für den Neupriester schreiben durfte. Dann lassen sie die roten, gelben oder grünen Luftballons in den weißblauen Himmel aufsteigen.

„Ich bin jetzt überhaupt nicht mehr enttäuscht“, strahlt Josefa Westermaier. Die Vorsitzende des Pfarrverbandsrats war all die vielen Vorbereitungsmonate Mitglied im Primizausschuss. „Wir hatten Bedenken, dass es mit so viel weniger Leuten vielleicht nichts werden könnte, aber es ist jetzt trotzdem ein ganz schönes Fest.“ Auch, wenn es viele Nummern kleiner ausgefallen ist als geplant. Am liebsten würde sie jetzt wie viele andere Gäste den Neupriester fest umarmen. Doch das ist leider nicht erlaubt. Aber sie verspricht Jasper Gülden es nachzuholen - wenn die Coronakrise vorbei ist.

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Beitrag über die erste Corona-Primiz im Münchner Kirchenradio

Beitrag über die erste Corona-Primiz im Münchner Kirchenradio

Der Autor
Alois Bierl
Chefreporter Sankt Michaelsbund
a.bierl@st-michaelsbund.de

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Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Priester

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