Frauen in Führungspositionen Programm „Kirche im Mentoring“ geht weiter

12.07.2019

Die katholische Kirche will den Anteil von Frauen an kirchlichen Führungspositionen steigern. In München ist deshalb nun die nächste Gruppe eines Mentoring-Programms für Frauen gestartet.

Gruppenfoto zum Auftakt der Gruppe 4 von "Kirche im Mentoring" in Schloss Fürstenried
Gruppenfoto zum Auftakt der Gruppe 4 von "Kirche im Mentoring" in Schloss Fürstenried © Hildegardis-Verein

München – Und somit waren es schon fast 100: In dieser Woche ist die Gruppe 4 von „Kirche in Mentoring – Frauen steigen auf“ mit 22 Mentees in das einjährige Programm zur Steigerung des Anteils von Frauen an kirchlichen Führungspositionen gestartet. Das gab der ausrichtende Hildegardis-Verein in einer Pressemitteilung bekannt. Seit dem Start im Jahr 2016 wurden insgesamt 96 Frauen von ihren Bistümern, Verbänden und Hilfswerken entsandt. Vom 8. bis 10. Juli 2019 ging es bei der Auftaktveranstaltung im Exerzitienhaus Schloss Fürstenried (Erzbistum München und Freising) um die eigene Standortbestimmung und Zielsetzung sowie ums Kennenlernen und Netzwerken untereinander und mit Mentorinnen und Mentoren.

Die 22 Mentees kommen aus acht Bistümern und drei Hilfswerken. Erstmals dabei sind die Arbeitsgemeinschaft für Entwicklungshilfe (AGEH), die zwei Tandems entsendet, die Hilfswerke Missio Aachen und Renovabis sowie das Erzbistum Berlin mit je einer Mentee. Im Laufe des Jahres werden die 22 Frauen sich regelmäßig mit ihrer Mentorin oder ihrem Mentor sowie in regionalen Intervisionsgruppen untereinander treffen. Zudem soll jede von ihnen in ihrem Arbeitsumfeld ein innovatives Projekt entwickeln und umsetzen.

Kulturwandel in der Kirche

„Die katholische Kirche ist mitten in einem Kulturwandel,“ sagte Petra Dierkes, Leiterin der Hauptabteilung Seelsorge im Erzbistum Köln und Vorstandsmitglied des Hildegardis-Vereins. „Der Wunsch der Bischöfe, dass mehr Frauen in kirchliche Führungspositionen kommen, braucht eine bewusste und zielstrebige Qualifizierungsarbeit als Basis, dass dies auch dauerhaft gelingt. Das Programm ‚Kirche im Mentoring‘ bietet dies an.“ Sie wünsche sich, dass das Mentoring-Projekt in vielen Bistümern wirksam sein könne, so Dierkes. Es stehe schließlich allen katholischen Hilfswerken und Bistümern offen.

Bei einem abendlichen Kamingespräch berichten zwei Frauen aus dem Erzbistum München und Freising über die Herausforderungen für Frauen in kirchlichen Führungspositionen. Janine Gartner, Abteilungsleiterin im Kirchensteueramt München, war im ersten Durchgang von „Kirche im Mentoring“ selbst Mentee. Sie betonte, welch große Auswirkung das Programm auf sie und ihre Karriere gehabt habe. Es hätten sich Kontakte und Gespräche ergeben, die es sonst nicht gegeben hätte. „Durch das Programm kommt man in das Blickfeld von Menschen, die auch Stellen zu besetzen haben. Und so kam es, dass ich für meine jetzige Stelle angesprochen wurde,“ sagte Gartner. Durch die intensive Selbstreflexion während des Mentoring-Jahres sei ihr aber klar gewesen, dass die angebotene Stelle nicht zu ihrer persönlichen Situation passe: „Es handelte sich um eine Vollzeitstelle, die aber für mich in der Lebensphase mit zwei kleinen Kindern nicht in Frage kam.“ In Nachverhandlungen einigte man sich auf eine Teilzeitstelle mit einer Assistenz für Gartner. „Dass nun die Führungsposition in Teilzeit möglich war, finde ich toll. Ich bin ein Mensch, der sieht, wenn Prozesse nicht ineinander greifen und da Einfluss nimmt, bis es funktioniert.“

Durch Männer nicht beirren lassen

Claudia Pfrang, Direktorin der Stiftung Bildungszentrum der Erzdiözese, berichtete, dass sie bereits während des Theologiestudiums als Berufsziel die Leitung eines Bildungshauses angegeben habe. Ihre Stelle sei zuvor stets mit Klerikern besetzt worden und sie sei eine der ersten Frauen auf dem Freisinger Domberg gewesen. Pfrang warb für eine Kulturveränderung in kirchlichen Arbeitsbereichen – etwa mit partizipativer Leitungsstruktur, der Stärkung der Fähigkeiten der einzelnen Mitarbeitenden und durch gemischte Teams. Frauen in Führungspositionen oder auf dem Weg zu solchen gab sie zwei Tipps mit auf den Weg: Erbarmen mit sich selbst zu haben, wenn man Fehler mache, und sich nicht von manchen Verhaltensstrategien männlicher Kollegen beirren lassen. „Achten Sie auf gleiche Redeanteile in Sitzungen und sagen Sie auch am Anfang etwas und nicht erst, wenn alle etwas gesagt haben. Haben Sie Mut, zu widersprechen und konkret nachzufragen, wenn eine Maßnahme durchgewunken werden soll, weil angeblich der Bischof sie will und ohne dass ein Sachargument genannt wird,“ so Pfrang.

An der aktuellen Gruppe 4 von "Kirche im Mentoring" beteiligen sich erstmals die kirchlichen (Hilfs-) Werke AGEH (2 Tandems), Missio Aachen (1) und Renovabis (1). Weiter gibt es 18 Tandems aus acht Bistümern: Erzbistum Berlin (1), Bistum Dresden-Meißen (2), Erzbistum Köln (3), Bistum Limburg (2), Erzbistum München und Freising (3), Bistum Münster (2), Bistum Osnabrück (2) und Erzbistum Paderborn (3). (pm)

Kirche im Mentoring

„Kirche im Mentoring – Frauen steigen auf“, das Programm zur Steigerung des Anteils von Frauen in Leitungspositionen in der katholischen Kirche, wird vom Hildegards-Verein in Kooperation mit der Deutschen Bischofskonferenz für die (Erz-)Bistümer durchgeführt. Es zielt darauf ab, Frauen zu ermutigen, eine Führungsposition innerhalb der katholischen Kirche zu übernehmen. Das Programm will darüber hinaus zu einer geschlechtergerechten Personal- und Organisationsentwicklung beitragen, fu?r den Arbeitsplatz Kirche werben und eine nachhaltige Nachwuchssicherung ermöglichen.


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