Rathausbeleuchtung zum Safe Abortion Day Propaganda für Abtreibungen

25.09.2020

Die Stadt München erinnert mit einer Rathausbeleuchtung an den "Safe Abortion-Day" und nimmt damit einseitig Stellung zu einer großen und umstrittenen ethischen Frage.

Münchner Rathaus
Soll am 28. September für "Safe Abortion" lila leuchten: Das Rathaus in München. © Imago

Schön schaut das aus, wenn das Münchner Rathaus mit farbigen Lichtern angestrahlt ist. Am 28. September soll es ganz in lila leuchten. Mitglieder der Stadtratsfraktionen von SPD/Volt und den Grünen/Rosa Liste haben den Antrag eingereicht und durchgesetzt. Der Anlass ist allerdings weniger ästhetisch: Das Lichtspektakel erinnert an den Safe Abortion Day. Der 28. September ist der Tag der „sicheren Abtreibung“.

Safe Abortion - sicher ist nur ein Todesopfer

Sicher ist bei einer Abtreibung aber nur eines: da wird ein wehrloser kleiner Mensch getötet. Gewiss lässt sich sagen: Muss ein solcher „Eingriff“ dann auch noch für die Mutter unter Umständen lebensgefährlich sein. Aber um diese medizinische Frage geht es beim Safe Abortion Day ja nicht allein: Er ist aufs Engste mit der Forderung verbunden, Abtreibungen vollkommen frei zu geben. So verstehen die Organisatoren des Safe Abortion Days das Selbstbestimmungsrechts der Frau. Nur nebenbei: wie tief Frauen nach einer Abtreibung oft leiden, kommt in diesem Denken nicht vor. Die Schwangeren tragen die medizinische und die moralische Last, mit der sie alleingelassen werden. Die abgetriebenen Kinder dagegen scheinen für jedes Recht noch zu klein sein. Sogar für das elementarste: einfach auf die Welt kommen zu dürfen.

Recht auf einen sicheren Geburtstag

Aber ein Embryo kann eben keinen Antrag auf einen Safe Birth Day stellen, einen sicheren Geburtstag. Und nun soll beharrlich auch die letzte juristische Rest-Sicherheit geschliffen werden, die es für ungeborene Kinder in Deutschland noch gibt. Die Regelungen im derzeit geltenden und 1995 schwer errungenen Paragrafen 218 erinnern wenigstens noch daran, dass eine Abtreibung keine Blinddarmoperation ist. Leider ist gegen die lila funkelnde Propaganda an der Münchner Rathausfassade nur ein Protest aus der CSU-Fraktion zu hören. Dissidenten bei den antragstellenden Parteien gibt es offenbar nicht. Das ist sonderbar, denn die Grünen haben beispielsweise während der Corona-Krise mit Vehemenz und mit Recht darauf beharrt, dass jedes Leben wertvoll und schützenswert ist. Sollte das nicht auch für ungeborene Kinder gelten?

Kirchen defensiv

Auch aus den Kirchen und ihren Amtsträgern waren bisher keine kritischen Stimmen zu hören. Dabei wären sie so wichtig. Sie könnten einen begründeten und besonnenen Widerspruch erheben, um die Debatte nicht allein fundamentalistischen Abtreibungsbefürwortern zu überlassen, die es genauso gibt wie fundamentalistische Abtreibungsgegner. Es geht um Leben und Tod, da sollte niemand eine scheinbar harmlose Propagandabeleuchtung für Abtreibungen am Münchner Rathaus gleichgültig und achselzuckend hinnehmen.  

Der Autor
Alois Bierl
Chefreporter Sankt Michaelsbund
a.bierl@st-michaelsbund.de


Das könnte Sie auch interessieren

München bei Nacht
© imago images/Westend61

Münchner Rathaus blieb unbeleuchtet

Nach Kritik von CSU und Kirche wurde die für Montag geplante Aktion zum "Safe Abortion Day" verboten. Ein Sprecher erklärt den Schritt der Regierung von Oberbayern.

29.09.2020

© imago images/Eibner

Erzdiözese kritisiert Beleuchtung des Münchner Rathauses

Eine Streichung des Paragraphens, der Schwangerschaftsabbrüche gesetzlich regelt, fordert der Aktionstag "Safe Abortion Day". Vertreter des Erzbistums München und Freising sehen darin keine Lösung des...

28.09.2020

© AdobeStock_blende11.photo

Propagandabeleuchtung für Abtreibung

Weil das Münchener Rathaus heute Abend lilafarben angestrahlt wird, erzeugt der Safe Abortion Day dieses Mal besonders große Aufregung.

28.09.2020

Seit nun 20 Jahren berät Donum Vitae Frauen zur Schwangerschaft.
© AdobeStock/Antonioguillem

Schwangerenberatung 20 Jahre Donum Vitae in Bayern

Zum Jubiläum hat der Verein für Schwangerenkonfliktberatung prominente Unterstützung aus der Politik bekommen. Die Geschichte von Donum Vitae zeigt eindrücklich die Macht der Laien.

21.10.2019

Symbolbild
© takasu - stock.adobe.com

Werbeverbot für Abtreibungen Kirche: Änderung von Paragraf 219a "überflüssig"

Nach einem Kompromiss innerhalb der Bundesregierung sollen sich Schwangere zukünftig leichter über Möglichkeiten für eine Abtreibung informieren können. Die katholische Kirche hat dazu über einen...

29.01.2019

Papst Franziskus
© imago

Schwangerschaftsabbruch Papst vergleicht Abtreibung mit Auftragsmord

Bei der wöchentlichen Generalaudienz von Papst Franziskus ging es um das fünfte Gebot „Du sollst nicht töten“. Er äußerte sich zu Schwangerschaftsabbrüchen auf drastische Art und Weise.

10.10.2018

Den Veranstaltern geht es um den Schutz des menschlichen Lebens.
© Inna Vlasova - stock.adobe.com

Schutz menschlichen Lebens Katholische Bischöfe unterstützen "Marsch für das Leben"

14 Lebensschutzorganisationen werden an der Kundgebung in Berlin teilnehmen. Auch ein evangelischer Bischof hat sich für die Veranstaltung ausgesprochen und wird dabei sein.

19.09.2018

Einfühlsame Schwangerschaftsberatung ist in schwierigen Lebenssituationen besonders wichtig.
© imago

Schwangerschaftsberatung Für Hilfe, nicht für Abtreibung werben

Das Verbot einer Werbung für Abtreibung ist keineswegs eine willkürliche oder altertümliche Regelung, kommentiert Karl Eder von der "Aktion für das Leben".

12.12.2017

© SMB/Walser

Kundgebung in München-Freiham 120 Menschen bei „Zukunft statt Abtreibung“

Nicht die Kinder, sondern die Probleme, mit denen vor allem Mütter zu kämpfen haben, müssen beseitigt werden: das forderte eine Kundgebung am Sonntag in München – nicht zufällig vor einem Ärztehaus,...

15.10.2017

Papst erlaubt Priestern Vergebung von Abtreibung

Papst Franziskus hat katholischen Priestern erlaubt, Frauen von der Sünde der Abtreibung loszusprechen, sofern sie Reue tun und um Vergebung bitten. Die Vergebung Gottes könne den Frauen nicht...

01.09.2015

Jetzt neu für Rosenheim: Der mk-online Newsletter

Wir informieren Sie über Aktuelles, Gottesdienste, besondere Veranstaltungen und Neues aus Religion und Gesellschaft.
Jetzt abonnieren