Architektenwettbewerb für Diözesanmuseum abgeschlossen Raster, Dachkrone oder schwebende Skulpturen?

23.06.2015

Der Architektenwettbewerb für das Diözesanmuseum in Freising ist entschieden: Einstimmig sprach die elfköpfige Jury dem Büro Brückner und Brückner den ersten Preis zu. Welcher der insgesamt drei Siegerentwürfe letztlich gebaut wird, ist aber noch nicht entschieden.

So stellen sich die Siegerarchitekten die künftige Fassade des Diözeasanmuseums vor (Bild: Brückner & Brückner Architekten Tirschenreuth/Würzburg mit 3DWAY architectural graphics, München)

Freising – Mit dem Plan einer behutsamen Umgestaltung hat das Büro Brückner und Brückner aus dem oberpfälzischen Tirschenreuth den Architekturwettbewerb für das Diözesanmuseum auf dem Freisinger Domberg für sich entschieden. Unter anderem sieht der Entwurf vergrößerte Fenster und die Entfernung der Holzdecke im Lichthof hinter dem Eingangsbereich vor. Stattdessen wollen die Architekten dort ein Raster aus offenen Quadraten einziehen, um diesen zentralen Bereich des Hauses durchsichtiger und heller zu gestalten. Ein Ausbau des Dachgeschosses soll die Fläche des Museums vergrößern und Raum für Depots schaffen. Im Gegensatz zu anderen Entwürfen sehen Brückner und Brückner keine weitreichende Unterkellerung vor. Sie wäre laut Wolfgang Riehle, dem Vorsitzenden des Preisgerichts, sehr teuer, technisch schwierig umzusetzen und wäre ein Eingriff in das Bodendenkmal, als das der Domberg ausgewiesen ist. Die renommierten Architekten haben bereits verschiedene kirchliche Bauvorhaben umgesetzt, unter anderem auch den Umbau des Wallfahrtsmuseums und der neuen Schatzkammer in Altötting.
Der zweite Preisträger, Heinrich Böll aus Essen, sieht eine auffällige Dachkrone vor, die in der Nacht beleuchtet und so eine besondere Landmarke für den Domberg werden könnte. Der dritte Preis ging an Gerhard Schlotter aus Berlin, der einen stark am jetzigen Bestand orientierten Umbau vorschlägt, den Lichthof aber so umbauen würde, dass dort Skulpturen von der Decke hängen könnten.
„Die Jury hat den ersten Preis an den Entwurf verliehen, der die höchste Realisierungschance hat“, so Riehle, der in Baden-Württemberg als Städteplaner tätig ist. Allerdings könnten auch die beiden anderen Gewinner des Wettbewerbs beauftragt werden.

Breite Beteiligung bei Auftragsvergabe

Generalvikar Peter Beer kündigte für die Erzdiözese an, möglichst viele Gremien und auch die Öffentlichkeit an der Entscheidung beteiligen zu wollen, eventuell über eine Onlinebefragung oder den Infobrief des Museums. Dies werde jedoch zügig geschehen. Auch das elfköpfige Preisgericht sei sehr breit zusammengestellt gewesen, unter anderem waren der Diözesanrat, aber auch ein jüdischer und muslimischer Vertreter hinzugezogen worden. Die Jury achtete vor allem auch auf den Kostenrahmen. Von den zwölf eingesandten Arbeiten schied das Preisgericht einen Entwurf von vornherein aus, weil er die vorgegebene Bausumme von etwa 30 Millionen Euro überstiegen hätte. Die Architektenschätzungen für die eingereichten Entwürfe bewegten sich zwischen 26 und 28 Millionen Euro, erklärte der Finanzdirektor des Erzbistums Markus Reif bei der Vorstellung der eingereichten Arbeiten. Die Schätzungen der Projektbegleiter würden bei bis zu 36 Millionen Euro liegen, die allerdings auch weiträumige Unterkellerungen beinhalten würden. „Wir reden hier aber von Schätzungen und noch keinen genauen Kostenberechnungen“, betonte Reif. Diese könnten erst erfolgen, wenn der genaue Bauumfang und mögliche Auflagen der zuständigen Behörden klar seien.

Neue Architektur für flexibleres Museum

Für Museumsdirektor Christoph Kürzeder erfüllen alle drei Siegerentwürfe die Bedingung, das Haus offener und flexibler zu machen. Dadurch seien mehr Sonderausstellungen möglich, die deutlich mehr Besucher ins Haus ziehen sollen. Ebenso werde  in den Dauerausstellungen immer wieder Neues zu entdecken sein. Der Umbau und die damit einhergehende Neukonzeption sollen auch „die Identifikation der Diözese mit ihrem Diözesanmuseum stärken“, erklärte Kürzeder, So ist ein eigener Bereich   vorgesehen, in dem Pfarreien und Kirchenstiftungem Renovierungsprojekte, kunsthistorische Neuentdeckungen oder wichtige Bestände vorstellen können. Wann das Haus auf dem Domberg seine Wiedereröffnung feiern kann, ist allerdings noch völlig unklar. Es ist seit Juli 2013 aus Brandschutzgründen geschlossen, die den geplanten Umbau überhaupt erst nötig gemacht haben. Ein ungefähres Datum könne erst genannt werden, wenn der letztlich beauftragte Architekt seinen Zeitplan vorlegt, erklärte Kürzeder. Fest steht allerdings, dass die zukünftigen Besucher ein neues Kunstwerk erwartet. Der weltbekannte amerikanische Land-Art-Künstler James Turrell wird den ehemaligen Kapellenraum im Diözesanmuseum mit einer Lichtinstallation gestalten. „Turrell hat sich ganz bewusst für diesen Raum entschieden und war im vergangenen September auch schon hier, um sich alles anzuschauen“, sagte Kürzeder. Es ist das erste Werk, das der 72jährige Künstler in einem kirchlichen Kontext verwirklicht. (alb)

Die Siegerentwürfe des Architektenwettbewerbs

Domberg Freising

James Turrell


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