Forderung der Caritas Recht auf Schuldnerberatung

12.06.2017

Wer Schulden hat, der ist oft auf professionelle Hilfe angewiesen. Doch die Finanzierung von Schuldnerberatungsstellen ist sehr unterschiedlich. Die Folge: lange Wartezeiten und Anfahrtswege für Klienten.

Wer Schulden hat ist oft auf professionelle Hilfe angewiesen.
Wer Schulden hat ist oft auf professionelle Hilfe angewiesen. © Fotolia

München – Die Caritas-Schuldner- und Insolvenzberatungsstellen in München und Oberbayern fordern ein Recht auf Schuldnerberatung. Sie unterstützten die Aktionswoche Schuldnerberatung vom 19. bis 23. Juni 2017. Unter dem Motto "Überschuldete brauchen starke Beratung" betonen Verbände bundesweit, wie wichtig eine professionelle Beratung für überschuldete Haushalte sei. Mit der Aktionswoche machen Wohlfahrts- und Fachverbände im ganzen Bundesgebiet öffentlich, was sie in ihrem Fachgebiet leisten und wie wichtig eine professionelle Beratung für überschuldete Haushalte ist. Die im Herbst anstehende Bundestagswahl soll heuer zum Anlass genommen werden, um konkrete Forderungen aus der Beratungspraxis an die Politik heranzutragen.

Finanzierung und Wartezeiten zu uneinheitlich

„Die Finanzierung der Sozialberatung für Schuldner ist in den Landkreisen und kreisfreien Städten sehr unterschiedlich. Das Gleiche trifft auf Wartezeiten und Wartelisten zu. Wir würden uns hier eine einheitliche und gesicherte Finanzierung wünschen“, erklärt Sabine Schuster, Referentin für Soziale Arbeit im Diözesan-Caritasverband und Fachberaterin für 13 Caritas-Beratungsstellen an 27 Standorten in München und Oberbayern. „Im Grunde bräuchten wir sogar einen Rechtsanspruch auf eine ausreichende, niedrigschwellige und offene Beratung für überschuldete Menschen.“

Beratungsbedarf im Ballungsraum steigt

In Oberbayern erhielten manche Schuldnerberatungen in den Landkreisen sehr wenig öffentliche Förderung, andere wiederum stünden recht gut da. Die beste Refinanzierung hätten derzeit die Beratungsstellen im Landkreis München. „Die Folgen einer nicht bedarfsdeckenden Finanzierung sind übermäßig lange Wartezeiten oder lange Anfahrtswege für die Klienten und eine stetige Überlastung der beratenden Fachkräfte, denen für eine notwenige Stabilisierung und eine soziale und berufliche Integration der Betroffenen oftmals kaum Zeit bleibt“, so Schuster. Dabei würden sich gerade im teuren Ballungsraum München auch immer mehr Normalverdiener wegen der hohen Lebenshaltungskosten verschulden. Die Überschuldungsquote in Bayern sei 2016 auf 7,4 Prozent gestiegen (2015: 7,1 Prozent).

Caritas-Netzwerk sorgt für umfassende Begleitung

Im Jahr 2016 wurden in den Caritas-Schuldner- und Insolvenzberatungsstellen in München und Oberbayern 6113 Menschen sozial beraten, fast 20 Prozent davon zum Thema Insolvenz. Hauptursachen für die Überschuldung waren Arbeitslosigkeit, längerfristiges Niedrigeinkommen, gesundheitliche Probleme, Trennung oder Tod des Partners sowie gescheiterte Selbständigkeit. Das starke Netzwerk der Caritas und die unterschiedlichen Angebote von der Erziehungs- über die Sucht- bis hin zur Psychosozialen Beratung machen es möglich, dass Menschen - neben ihrer Schuldenproblematik - mit ihren oftmals multiplen Problemlagen gezielt betreut und begleitet werden können. (mmr/Stefanie Schmid)

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Bundestagswahl

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