Vollversammlung Reden wir über Gott

12.03.2018

Der Münchner Diözesanrat hat sich mit dem Thema "Jugend ohne Kirche" beschäftigt. Es geht aber um mehr als gute Organisation in der Jugendarbeit.

Dialog und Glaubensgespräch auf Augenhöhe schafft Bindung zwischen Jugend und Kirche. © KNA

Junge Gesichter schmücken jedes Gremium. Natürlich sind auch sonst Jugendliche im Diözesanrat des Erzbistums München und Freising vertreten. Doch am vergangenen Wochenende waren es nochmals deutlich mehr. Schließlich hatte sich das oberste gewählte Laiengremium der Diözese die Frage „Kirche ohne Jugend“ vorgenommen. Und dafür sinnvollerweise Vertreter derjenigen Generation eingeladen, die den Glauben weitergeben soll. Wenn die BDKJ-Bundesvorsitzende Lisi Maier anhand von Studien zeigte, wie groß das Engagement junger Menschen gerade in der Kirche ist, dann machte das Hoffnung. Ebenso wenn andere Jugendvertreter darauf hinwiesen, dass die Jugendarbeit im Erzbistum keinesfalls abstirbt, die Mitgliederzahlen in manchen Verbänden sogar steigen und unterschiedlichste Gruppen und Milieus sich dort wiederfinden. Gut so! Denn eines ist auf der Vollversammlung deutlich geworden: Die Jugend gibt es nicht.

Jugend ist kein Einheitsblock

Eine Einheits-Seelsorge für die nachwachsende Generation ist heute noch weniger möglich als früher. Dafür haben die Verbandsvertreter mit Recht ausreichendes und glaubwürdiges Personal für die Jugendseelsorge gefordert. Und der Personalchef der Erzdiözese hat durchaus signalisiert, dass nicht nur Voll-Theologen, sondern auch andere Berufsgruppen mit entsprechender Zusatzausbildung hier gebraucht werden. Diese Stellen wollen aber nicht nur finanziert, sondern auch besetzt sein. Und das ist ein Problem, das die Bischöfe in Deutschland umtreibt: Die Zahl der jungen Menschen, die sich einen kirchlichen Beruf vorstellen können, ist drastisch gesunken. Das ist ein Symptom für ein tieferes Problem. Es wäre unredlich, die Zukunft der Kirche nur in düsteren Farben zu malen, aber die Bindung der nachwachsenden Generation nimmt insgesamt ab. Der Gottesdienstbesuch ist ein besonders eklatantes Beispiel, aber auch die Akzeptanz kirchlicher Lebensmodelle. Und die Überzeugungsarbeit dafür funktioniert noch weniger, wenn die Hierarchie vorschreiben will, wie der Glaube heute zu leben sei und nicht zuhört, was junge Menschen umtreibt. „Das geht so nicht“, meinte selbst Kardinal Reinhard Marx in seiner Ansprache.

Neue Glaubenssprache

Hier wird eine Bruchstelle deutlich, auf die Vertreter der neuen geistlichen Bewegungen in den verschiedenen Arbeitsgruppen auf der Vollversammlung hingewiesen haben: Das Sprechen über einen persönlichen Gott, wie ein Mensch sich ihn vorstellen und in seinem Leben spüren kann – das ist nicht mehr selbstverständlich und vielen peinlich. Menschen, die mit einem oft platten naturwissenschaftlich geprägten Weltbild aufwachsen, fühlen sich mit ihrer Gottessehnsucht oft hilflos und allein gelassen. Das ist verbunden mit einem stillen Auszug aus der Kirche, die das, was sie sagen will entweder im Diktatstil oder ziemlich umständlich formuliert. Die Theologen sind verständlicherweise vorsichtig mit eindeutigen und eingängigen Aussagen und Bildern. Die Modelle über die Entstehung der Welt und die Rolle des Menschen fallen eben nicht mehr selbstverständlich mit der Religion zusammen, so wie früher einmal.
Das macht deutlich, dass die Jugendarbeit der Kirche nicht nur ausreichendes Personal und gute Organisation braucht. Christ-sein und Katholik-sein ist anspruchsvoll geworden. Die Gesellschaft nimmt dem Einzelnen die Entscheidung für die Kirche nicht mehr ab. Vorgeprägte Formeln und Gottesbilder werden abgelehnt und gleichzeitig gesucht, wenn sie persönlich überzeugend sind. Hier auch im Dialog mit der nachwachsenden Generation eine Sprache zu finden, das wäre die edelste und schwerste Aufgabe für Theologen und Bischöfe. Individuelle Gottesbilder zu finden, die in einer Kirche mit ihrem Lehramt und ihren Regeln einen Platz haben, das ist die große Herausforderung vor der die nächste Generation der Gläubigen steht.

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Jugend und Kirche

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Der Autor
Alois Bierl
Radio-Redaktion
a.bierl@st-michaelsbund.de


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