Katholische Kirche in Deutschland Reformdialog votiert für Idee eines bundesweiten Synodalen Rates

02.10.2021

Ein neues Gremium von Bischöfen und Laien? Dafür hat sich Mehrheit der Teilnehmer ausgesprochen. Der Münchner Diözesanratsvorsitzender Hans Tremmel ist zögerlich.

Blick in Sitzungssaal
Wie auch beim Synodalen Weg, sollen beim Synodalen Rat Bischöfe und Laien zusammen arbeiten. © Synodaler Weg/Maximilian von Lachner

Frankfurt – Nach kontroverser Debatte haben sich die Teilnehmenden am Reformdialog zur Zukunft der katholischen Kirche in Deutschland grundsätzlich für die Idee der Einrichtung eines Synodalen Rates ausgesprochen. In dem Gremium sollen Bischöfe und Laien gemeinsam die Umsetzung der Ergebnisse des Synodalen Wegs evaluieren und weiterführende Strategien entwickeln. Auf der Vollversammlung des Synodalen Wegs in Frankfurt stimmten am Samstag von 212 Teilnehmenden insgesamt 138 dafür, bei 32 Gegenstimmen und 9 Enthaltungen. Die Vorlage wurde nach der Ersten Lesung zur weiteren Bearbeitung in die zuständige Arbeitsgruppe überwiesen.

Der Synodale Rat soll laut Vorschlag zweimal pro Jahr zusammenkommen und zudem Grundsatzentscheidungen zu Haushaltsfragen treffen, die nicht auf Bistumsebene entschieden werden, sowie zu pastoralen Planungs- und Zukunftsperspektiven von überdiözesaner Bedeutung. Unklar sind unter anderem noch präzise Kompetenzen. Den Vorsitz sollen sich der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz und ein weiteres vom Rat gewähltes Mitglied teilen.

Arbeitsaufwand ist ein Nachteil

Der Münchner Diözesanratsvorsitzender Hans Tremmel ist zögerlich, denn mit den Pfarrgemeinderäten, Diözesan- und Dekanatsräten wie auch dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken seien bereits gute Strukturen vorhanden. Man müsste genau hinschauen, welche Vorteile eine neue Struktur bietet, sagte er „mk online“. Im Hinblick auf den Arbeitsaufwand sieht er das Vorhaben kritisch: „Die Menschen, die in diesen Räten arbeiten, hätten nicht beliebig viel Zeit.“ Etwaige Dopplungen würden Synergien mindern, die wir brauchen. Außerdem wäre seiner Meinung nach, die Frage zu klären, inwieweit die Räte dann noch autonom sind: „Es hat manchmal schon Vorteile, dass ein Pfarrgemeinderat, ohne beim Pfarrer nachfragen zu müssen, sein Ding macht“

Seit Donnerstagnachmittag beraten Bischöfe und Laien über Machtaufteilung, die priesterliche Lebensform, die kirchliche Sexualmoral und die Rolle der Frauen in ihrer Kirche. Dabei zeichnete sich in ersten Abstimmungen eine breite Mehrheit für grundlegende Reformen ab. Bei zentralen Punkten müsste allerdings der Vatikan zustimmen. Die aktuellen Beratungen führen noch nicht zu finalen Beschlüssen, sondern sind lediglich eine Richtungsanzeige. (kna/kas)

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Synodaler Weg

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