Roland Büchner Regensburgs Domkapellmeister geht in den Ruhestand

25.07.2019

Zum Ende des Schuljahres verabschiedet sich der Regensburger Domkapellmeister Roland Büchner in den Ruhestand. Im Interview blickt er zurück auf seine Zeit als Chorleiter bei den Domspatzen.

Domkapellmeister Roland Büchner geht in den Ruhestand.
Domkapellmeister Roland Büchner geht in den Ruhestand. © Domspatzen

mk online: Herr Büchner, 25 Jahre waren Sie Chorleiter bei den Domspatzen, wie groß ist denn jetzt die Wehmut?

Roland Büchner: Wehmut ist schon dabei, aber es mischt sich fast mehr Dankbarkeit in die ganze Geschichte. Also ich empfinde es als sehr großes Geschenk, dass ich da 25 Jahre vorne stehen durfte und in diesem wunderbaren Raum [dem Regensburger Dom – Anm. d. Red.] Musik machen durfte. Und das überwiegt eigentlich die Wehmut.

mk online: Was werden Sie denn im Ruhestand am meisten vermissen?

Büchner: Die Kinder, das Lebendige an den Kindern, die tägliche Begegnung, das Miteinander-Umgehen. Zum einen sagen „da geht’s lang und so wird’s gemacht“ und auf der anderen Seite die Kinder aber auch mitnehmen in die Entscheidungen. Gerade, wenn man mit Solisten oder so arbeitet. Also man nimmt die Kinder in die Arbeit mit rein, drückt also nicht nur irgendwas drauf, sondern man entwickelt aus den Kindern und das werde ich vermissen.

mk online: Was sind denn rückblickend Höhepunkte in Ihrer Laufbahn, die bleiben werden?

Büchner: Also es gibt schon Höhepunkte, wo man sagt, „das ist unwiederbringlich, sowas wirst du nie mehr erleben“, diese zwei Konzerte in der Sixtinischen Kapelle sind da auf jeden Fall zu nennen. Dann sind Auslandsreisen gewesen nach Japan oder auch nach Taiwan, wo wir unvergessliche Erlebnisse oder auch wunderschöne Konzertsäle hatten. Es sind aber auch ganz viele Dinge gespeichert, Konzerte, wo man, ich sag mal, beschenkt wurde mit wunderbarem Klang mit einem besonders guten Konzert, mit einem besonders aufmerksamen Publikum, wo so ein Funke übersprüht, wo man sagt, „ja, das war es jetzt, das war ein tolles Konzert“ und das kann auch im kleinsten Dorf passieren, also das ist nicht abhängig von einem bestimmten Raum.

mk online: Was kommt denn jetzt nach den Domspatzen?

Büchner: Ich habe schon viel vor natürlich, ist klar. Ich habe das Konzertexamen in Orgel gemacht und das Orgelspiel war jetzt 25 Jahre mehr als stiefmütterlich behandelt. Wenn ich im Jahr zehn Stunden an der Orgel gesessen habe, war das viel. Und da muss einiges wiederaufgefrischt werden. Klavierspielen tu ich gerne für mich selber, für meine Frau, meine Familie. Ich koche wahnsinnig gerne und werde das auch weiter tun, ich wandere gerne und werde das weiter tun. Ich möchte endlich richtig Italienisch lernen und ich werde in Kunstgeschichtevorlesungen gehen, wenn sich das machen lässt.

mk online: Färbt der Dirigentenberuf denn ab, also wird jetzt im Ruhestand die Familie daheim dirigiert?

Büchner: Ich bin da eher der lässige und bequeme Typ zu Hause. Ich esse gerne, ich trinke auch gerne einen guten Wein und das genieße ich mit allen Sinnen. Ich genieße den Garten zu Hause, den meine Frau wunderbar herrichtet und versuch, ihr da zu helfen aber sie macht vieles gerne lieber alleine. Also da bin ich nicht der Chef, sondern da bin ich irgendwie eher der Diener und so soll es auch bleiben.

Die Autorin
Linda Burkhard
Radio-Redaktion
l.burkhard@st-michaelsbund.de


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