Gottesdienstverbote Regierung trifft am Freitag Religionsvertreter zu Corona-Krise

15.04.2020

Wird es schon bald wieder öffentliche Gottesdienste geben? Darüber will das Bundesinnenministerium am Freitag mit Religionsvertretern beraten.

leere Kirche
Wie lange die Kirchen bei Gottesdiensten noch leer bleiben, ist weiterhin offen. © Chadd Balfour – adobe.stock

Berlin – Vertreter des Bundesinnenministeriums treffen sich am Freitag mit Religionsvertretern zum Austausch über die aktuelle Lage in der Corona-Krise. Das teilte ein Ministeriumssprecher am Mittwoch in Berlin mit. Demnach hat Staatssekretär Markus Kerber unter anderen Vertreter der katholischen und evangelischen Kirche, des Zentralrats der Juden, der orthodoxen Kirche sowie des Koordinierungsrats der Muslime zu einem Gedankenaustausch eingeladen. Thema seien die Erfahrungen mit den Beschränkungen aufgrund der Corona-Pandemie. So sind derzeit etwa keine öffentlichen Gottesdienste möglich.

Erarbeiten von Sicherheitsvorschriften

Unterdessen erklärte der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki, das Erzbistum Köln bereite öffentliche Gottesdienste unter Beachtung von Schutz- und Hygieneauflagen in seinen Kirchen vor. "Wir sind dabei, solche Sicherheitsvorschriften zu erarbeiten", sagte der Erzbischof dem Nachrichtensender phoenix.

"Es kann nicht sein, dass da die Kirchen außen vor bleiben. Wir haben eine Botschaft für die Menschen, von der sie leben", erklärte Woelki. In der ersten Phase der Corona-Krise habe die Kirche versucht, ihren Beitrag zu leisten. "Aber jetzt, wenn die Lockerung eintritt, müssen auf jeden Fall auch die Kirchen für öffentliche Gottesdienste wieder geöffnet werden." Der Kardinal verwies auf die Verfassung und auf das Recht auf freie Religionsausübung.

Kein "Sonderweg für die Kirchen"

Er bezeichnete es als schwierig, wenn in Seniorenheimen enge Angehörige und Priester Sterbende nicht besuchen und begleiten könnten. "Ich finde, dass es der Würde des Menschen entspricht, dass niemand alleine sterben soll und alleine sterben muss." Kölner Priester hätten ihm allerdings berichtet, dass sie in Senioreneinrichtungen und privaten Haushalten die Sterbesakramente spenden konnten.

Auch Berlins katholischer Erzbischof Heiner Koch forderte mit Blick auf mögliche Lockerungen der Corona-Beschränkungen, die Belange der Kirchen zu berücksichtigen. "In dem Maß, in dem Veranstaltungen ermöglicht werden, erheben wir natürlich auch den Anspruch, Gottesdienste feiern zu können", sagte er in Berlin. Zugleich betonte er, dass es ihm nicht um einen "Sonderweg für die Kirchen" gehe.

Zum Schutz der Menschen

"Wir setzen uns für wirksame Regelungen ein, die dann auch überall gelten", so Koch. Der Abstand, der einzuhalten sei, müsse gleichermaßen in Supermärkten, Museen, Gaststätten und Kirchen gelten. "Die Fachleute müssen sagen, wie groß der Abstand sein soll." Damit wäre auch geregelt, dass die Zahl der Teilnehmenden von der Größe der Räume abhänge, erläuterte der Erzbischof.

Gleichzeitig unterstrich er: "Wir tragen auch weiterhin die Regelungen mit, die vom Bund und von den Ländern vorgegeben werden. Wir tun dies zum Schutz der Menschen. Wir wissen es nicht besser als die Fachleute." Als Kirche sei man solidarisch.(kna)

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Corona - Pandemie

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