Hebamme aus Berufung Regina Imminger hilft Kindern auf die Welt

18.12.2017

Jede Geburt ist ein Wunder - das empfindet Regina Imminger auch nach "ihrer" 1400 Geburt noch so. Sie ist Hebamme.

Hebamme Regina Imminger freut sich mit Leonie und Simon Schaumann über deren am 11. Dezember geborene Tochter.
Hebamme Regina Imminger freut sich mit Leonie und Simon Schaumann über deren am 11. Dezember geborene Tochter. © Regina Imminger

München – Es sind wahrscheinlich die schmerz-vollsten, sicherlich die intensivsten und prägendsten Stunden im Leben einer Frau – die, in denen sie mit den Wehen arbeitet, um ihr Kind zu gebären. Gefolgt von einem der schönsten Momente des Lebens, wenn die staunende, glückliche Mama ihr Kind das erste Mal im Arm hält. Regina Imminger erlebt diese Stunden und die Kraft der Geburt immer wieder mit. Sie ist eine von 24 Beleghebammen am Klinikum Dritter Orden in München.

Hilfe durch Gott

Ein Beruf mit viel Verantwortung. Eine Hebamme muss viel wissen, benötigt Erfahrung, Geduld und Intuition. „Ich muss darauf vertrauen können, dass es gut geht und wir das gemeinsam meistern. Manche Entscheidungen müssen im Kreißsaal schnell getroffen werden und es bleibt keine Zeit, lange abzuwägen“, erzählt die 48-Jährige. In diesen Momenten sei sie froh, in einem tollen Geburtshilfeteam zu arbeiten. Aber es sei auch wichtig, zu wissen, dass ihre Arbeit einen Sinn habe und dass es jemanden gebe, der sie unterstütze. „Ich weiß, dass hinter uns noch jemand ganz anderes steht, der uns hilft und uns beschützt. Ich könnte meine Arbeit nicht machen, ohne darauf zu vertrauen, dass Gott mitwirkt.“ Es stärke sie, fährt die Hebamme fort, auch die Gewissheit, dass die vielen meist schon pensionierten Schwestern des Dritten Ordens jeden Tag für die Menschen im Klinikum beteten – für die Kranken genauso wie für die Gebärenden und die Mitarbeiter.

Imminger ist froh, dass sie in ihrer Tätigkeit als Hebamme ihre Berufung gefunden hat. Ihr Weg dorthin war lang. Es ist ein Beruf, den sie als junge Frau für sich nicht einmal in Erwägung gezogen hat. Mit so vielen Frauen zusammenzuarbeiten, das habe sie sich überhaupt nicht vorstellen können, meint sie schmunzelnd. Sie wurde Krankenschwester und war in der Intensivmedizin tätig. „Ich wollte dazugehören zu diesen Cracks“, sagt sie. Irgendwann jedoch kam der Punkt, als sie Schwierigkeiten mit den Themen „Sterben“ und „Tod“ bekam, die auf der Intensivstation aber allgegenwärtig sind. Sie stellte sich die Frage nach dem Sinn des Lebens. Die Katholikin begann sich intensiv mit ihrem Glauben auseinanderzusetzen. So sehr, dass sie einen Cut in ihrem Leben machte und begann, im Hospiz zu arbeiten. Für sie ein Befreiungsschlag. Die Pflege und die Begleitung der Menschen, die nicht mehr lange Zeit haben in dieser Welt, brachten Imminger dazu, sich viele Gedanken über das zu machen, was im Leben wirklich wichtig ist. Und das wiederum ließ in ihr die Idee keimen, an den Beginn des Lebens zu gehen, in die Geburtshilfe.

Immingers Weg zur Hebamme

Einen Ausbildungsplatz an einer Hebammenschule zu ergattern, war damals nahezu unmöglich. Zunächst entschloss Imminger sich daher, als Entwicklungshelferin in den Sudan zu gehen. Eine wichtige Zeit in ihrem Leben. Sie stellte fest, dass sie dort ihre pflegerischen und medizinischen Kenntnisse voll einbringen und vielen Menschen helfen konnte, aber dass Geburtshilfe ein Bereich war, in dem sie sich nicht auskannte. Wieder zurück in Deutschland konnte sie endlich eine Ausbildung zur Hebamme beginnen, die sie 2005 erfolgreich abschloss. Es fasziniert sie immer wieder von Neuem, so nahe dran sein zu dürfen am „Geborenwerden“. „Das Leben ist nicht immer nur schön und einfach, das ist schon am Anfang so“, erklärt Imminger. „Aber es ist wichtig, zu gestalten, was wir gestalten können. Als Hebamme kann ich meinen Teil dazu beitragen – das war und ist mir wichtig. Ich merke durch die Umwege, die ich gemacht habe, dass es einen roten Faden in meinem Leben gibt: Ich bin jetzt Hebamme und es ist meine Berufung.“

Jede Geburt ist anders

Etwa 1.400 Kindern hat Imminger mittlerweile auf die Welt geholfen. Jede Geburt ist einzigartig. Jedes Baby sei schon direkt nach der Geburt anders, erzählt sie. „Manche gucken erst mal, manche schenken der Hebamme einen entsetzten Blick und wieder andere himmeln gleich die Mutter an“, erzählt sie fasziniert. Die Hebamme führt Buch über jede Geburt, nicht nur, weil sie das muss, sondern auch, weil sie selbst einen Überblick behalten möchte. Sie erinnert sich an eine Geburt, bei der lange nichts voranging, weil das Kind ungünstig lag. Als die Hebamme den Vater bat, mit dem Kind zu sprechen, begann der sehr musikalische werdende Vater zu singen, und auf einmal wendete sich die Situation wortwörtlich und das Kind kam schnell zur Welt. Eine vielfache Mutter segnete ihr Kind als Erstes nach der Geburt – Regina Imminger ging das Herz auf. Auch an ihre tausendste Geburt erinnert sich die Hebamme sehr gerne. Eigentlich hatte sie gehofft, dass das ihre eigene Nichte wird, dann ging die Schwester weit über den Geburtstermin, das Baby war aber noch immer nicht da und der Urlaub, den sich die Hebamme extra genommen hatte, vorbei. Also wurde ein anderes Baby „ihr“ tausendstes Kind. Als sie danach den Eintrag in ihrem Geburtenbuch machte, bemerkte sie erst, dass der Nachname der Familie auf Deutsch „Segen“ bedeutet – für sie ein ganz besonderes Zeichen.

Natürlich gibt es in ihrer Tätigkeit auch die traurigen Momente, beispielsweise wenn ein Kind im Mutterleib verstorben ist und Imminger eine Mutter begleitet, die ihr totes Kind zur Welt bringen muss. Wie oft hat sie sich gefragt, warum dieser kleine Mensch nicht leben durfte – aber auch diese Erfahrungen gehören zum Leben und zum Beruf der Hebamme.

Fehlender Nachwuchs bei den Hebammen

Sorgen machen Imminger vor allem die immer größeren Probleme mit der Berufshaftpflicht und der Vergütung der Hebammen, und dass es deswegen deutlich weniger Hebammennachwuchs gibt. Trotz weiterhin steigender Geburtenzahlen in Bayern mussten schon Kliniken ihre Geburtsabteilungen schließen. „Dass viele Mütter keine Nachsorgehebamme finden, ist recht häufig“, weiß Imminger, „jedoch passiert es auch immer wieder, dass Kliniken in München Frauen abweisen müssen, weil kein Kreißsaal frei ist und nicht genug Hebammen da sind.“ Frauen, die an mehrere Kliniktüren klopfen müssen, bis sie aufgenommen werden können, um ihr Baby auf die Welt zu bringen, sind keine Seltenheit – etwas, was schon sehr an die Geschichte von Maria und Josef vor über 2.000 Jahren erinnert. Die Hebamme wünscht sich deshalb ein Umdenken der Politik: „Es kann nicht sein, dass es in unserem reichen Land einen Diesel-Gipfel gibt, aber keinen Familiengipfel, der sich mit der Geburtshilfe und der Familienwerdung befasst.“

Regina Imminger spricht am Mittwoch, 20. Dezember, um 17.30 Uhr in der Reihe „An der Schwelle“ des Fachbereichs Stadtpastoral und der Marianischen Männerkongregation in der Münchner Bürgersaalkirche (Neuhauser Straße 14).

Die Autorin
Stefanie Schmid
Radio-Redaktion
s.schmid@st-michaelsbund.de


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