Kreuz-Debatte Regisseur Stückl sieht Missbrauch des Kreuzes für den Wahlkampf

30.04.2018

Das Kreuz als Zeichen ist dem Spielleiter der Passion in Oberammergau sehr wichtig.

Christian Stückl ist Spielleiter der Passion in Oberammergau.
Christian Stückl ist Spielleiter der Passion in Oberammergau. © imago

München – Der Spielleiter der Passion in Oberammergau, Christian Stückl, kritisiert den Kreuzerlass der bayerischen Staatsregierung. Hier werde ein Zeichen missbraucht, "dass mir wichtig ist", um andere auszugrenzen, sagte Stückl am Sonntag im Bayerischen Fernsehen. Das Kreuz stehe für eine Idee, die besage, "Liebe Deinen Nächsten, liebe Deine Feinde und versuche zusammenzu-kommen". Wenn aber von den gleichen Leuten, die jetzt anordneten, ein Kreuz in den staatlichen Behörden aufzuhängen, gesagt werde, der Islam passe nicht zu Deutschland mit seiner christlich-jüdisch geprägten Gesellschaft, dann sei dies Ausgrenzung.

Als einer, der von Bildern her denke, missfalle ihm auch, dass ausgerechnet "der Landesvater" in Gestalt von Ministerpräsident Markus Söder (CSU) ein Kreuz in der Staatskanzlei anbringe, sagte Stückl. Das könne der Generalsekretär tun, der für den Wahlkampf verantwortlich sei. Aber indem es der Ministerpräsident mache und sage, das seien "unsere Werte", bedeute das für die anderen, sie gehörten nicht dazu. Jeder könne doch selbst die christlichen Werte verteidigen, sagte der Re-gisseur. Jedem Flüchtlingsjungen, mit dem er rede, mache er seine Werte klar, "und der nimmt mir meine Werte auch nicht weg".

Identität "unserer Gesellschaft"

Der ebenfalls in der Sendung anwesende Landesgruppenchef der CSU im Bundestag, Alexander Dobrindt, verteidigte die Entscheidung. Dabei räumte er ein, dass eine "stark polarisierede Debat-te" zu erwarten gewesen sei. Letztlich gehe es aber um die Identität "unserer Gesellschaft". Im Nachgang zu den Flüchtlingsbewegungen sei mit Blick auf die Integrationsdiskussion auch zu sa-gen, wohin die Menschen eigentlich integriert werden sollen.

In der christlich-abendländisch geprägten Gesellschaft spiele das Kreuz als religiöses Symbol eine große Rolle, erinnerte der CSU-Politiker. So stünden auf den Berggipfeln etwa Kreuze, die nicht die Politik aufgestellt habe, sondern die Menschen. Politik reagiere nur darauf und nehme ihre Verantwortung wahr, um deutlich zu machen: "Ja, das ist unsere Gesellschaft und das wollen wir auch offen zeigen."

Christentum erstreckt sich über die ganze Welt

Vertretern aus den Kirchen, die nun Kritik übten, hielt Dobrindt entgegen, dass die Entscheidung von Söder schon vor Monaten angekündigt worden sei. Sie hätten deshalb schon früher signalisie-ren können, dass sie mitreden wollten. Stückl wiederum machte deutlich, dass ihn die ganze Sache nerve. Denn es sei vonseiten der Staatsregierung auch in den Raum gestellt worden, das Kreuz sei vorrangig kein christliches Symbol, sondern Zeichen bayerischer Identität. Aber das Christentum erstrecke sich über die ganze Welt.

Außerdem warne er vor einem falschen Zungenschlag, wenn von der jüdisch-christlich geprägten Gesellschaft die Rede sei, so der Regisseur. Vor 70 bis 80 Jahren seien die Juden noch umgebracht worden, nun aber werde auf die jüdisch-christliche Gesellschaft verwiesen, um andere damit aus-zugrenzen und Wahlkampf zu machen. "Das darf nicht sein." (kna)

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Kreuz-Debatte

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