Schätze im Erzbistum Reliquien aus aller Welt

27.05.2020

Nicht nur in katholischen Hochburgen wie Rom sind Reliquien zu bewundern. Auch das Erzbistum München und Freising ist im Besitz einiger beeindruckender Andenken.

Die Pfarrkirche St. Quirinus am Tegernsee © Imago Images/ imagebroker

Heiliger Quirinus vom Tegernsee

Direkt am Tegernsee liegt die Pfarrkirche St. Quirinus. Hier befinden sich die Reliquien des Namenspatrons.  
Er war ein bekennender Christ, der seinerzeit in Rom lebte. Laut Überlieferung wurde er um das Jahr 270 n. Chr. wegen seines Glaubens in der Stadt enthauptet. Sein Leichnam wurde anschließend in den Tiber geworfen, kurze Zeit später aber von anderen Christen geborgen. Sie begruben ihn in der Pontianus-Katakombe in Rom. Schon damals sind seine Reliquien verehrt worden.

Um 750 n Chr. entstand das Benediktinerkloster am Tegernsee. Die zwei Gründer des Klosters reisten darauf hin nach Rom. Dort sollen sie vom Papst die Gebeine des heiligen Quirinus überreicht bekommen haben.   
Bis heute gibt es verschiedene Erzählungen, die über wundersame Ereignisse auf dem Rückweg zum Kloster berichten. Am Westufer des Tegernsees beispielweise wurde die Trage mit den Gebeinen abgestellt. Genau an dieser Stelle entsprang eine Quelle mit heilendem Öl. Die heilsame Wirkung wird Quirinus zugesprochen.      
Anschließend wurden die Reliquien in der Klosterkirche beigesetzt. Das Erstaunliche war, dass die Gebeine in den Händen des Priesters zusammenfielen und so stark bluteten, als ob Quirinus erst am selben Tag gestorben wäre. Das Blut wurde in einem Glasgefäß aufgefangen und ebenfalls als Reliquie aufbewahrt.       
Quirinus gilt seither als Hauptpatron vom Tegernsee. 

Die Reliquien der heiligen Munditia 

In der Münchner Peterskirche liegen seit 1677 die Reliquien der Heiligen Munditia. Sie war eine frühchristliche Märtyrerin und soll in Rom in Folge einer Christenverfolgung geköpft worden sein. Munditias körperliche Überreste sind im 16. Jahrhundert in einem unterirdischen Grab gefunden worden. Aus diesem Grund wird sie häufig als Katakombenheilige bezeichnet. Vor allem von Frauen wird die heilige Munditia verehrt und gilt bis heute als Schutzpatronin für alleinstehende Frauen, alleinerziehende Mütter und Witwen.  

In einem Sarg aus Glas liegt die Ganzkörperreliquie in Form eines kunstvoll gestalteten Skeletts der Heiligen. Sie ist mit Edelsteinen, Gold und aufwendigen Stickereien dekoriert. Die Augen sind aus Glas, die Lider wurden vergoldet und die Krone besteht aus silberfarbenen Lorbeerblättern. In ihrer linken Hand hält sie einen goldenen Palmzweig, in der rechten Hand einen Glaspokal. Auch die originale Marmorplatte ihres Grabes wird in der Peterskirche als Reliquie aufbewahrt. Die Inschrift auf der Platte weist darauf hin, dass Munditia an einem 17. November umgebracht worden ist. Das Datum gilt bis heute als Gedenktag der Heiligen und wird in der St. Peterskirche in München jährlich mit Lichterprozessionen gefeiert. 

Die Schädeldecke des heiligen Sebastian in Ebersberg

In der Sebastianskapelle in Ebersberg, östlich von München, steht die Büstenreliquie aus Silber mit der originalen Hirnschale und den beiden Scheitelbeinen des heiligen Sebastians. Sie zählt bis dato zu den wertvollsten spätgotischen Reliquien.

Legenden zufolge war Sebastian Offizier der Leibwache des römischen Kaisers Diokletian. Sebastian versuchte, der römischen Bevölkerung das Christentum näher zu bringen und den Gläubigen Trost aufgrund der Verfolgung zu spenden. Nachdem der römische Kaiser davon hörte, wurde Sebastian zum Tode verurteilt. Er wurde an einen Baum gebunden und durch Pfeil und Bogen niedergeschossen. Der Kaiser erklärte Sebastian für tot und ließ ihn dort liegen. Eine Frau merkte aber, dass er die Tat überlebte und pflegte seine Wunden. Nach seiner Genesung trat Sebastian erneut vor dem Kaiser. Dieser verurteile Sebastian daraufhin erneut zum Tod. Im Hippodrom in Rom wurde er letztendlich durch Peitschen getötet. Kurze Zeit später erschien Sebastian einer Römerin im Traum. Er zeigte ihr den Ort an dem sein Leichnam lag und so konnte Sebastian in den Katakomben Roms bestattet werden.   

Bis heute gilt der heilige Sebastian als Pestheiliger. Um das Jahr 680 wurden seine Reliquien durch eine Straße getragen. Dort soll die Krankheit kurze Zeit später wie im Fluge vergangen sein. Aus diesem Grund war es im Mittelalter lange Zeit Brauch, Wein aus der Schädeldecke zu trinken, um gegen die Pest immun zu werden. Die Hirnschale wurde dabei dermaßen beschädigt, dass sie gegen Ende des 17. Jahrhunderts zu einem silbernen Trinkgefäß umgearbeitet wurde. Heute findet das Brauchtum nicht mehr statt. Die Reliquie wird hinter dem Alter der Kapelle aufbewahrt. Durch sie wurde die Sebastiankapelle zu einer der beliebtesten Wallfahrtsorte in ganz Süddeutschland. 

Ob Blut, Gebeine oder Schädeldecken. Jede Reliquie hat eine ganze besondere Geschichte zu erzählen. Sie sind besonders wertvoll und lohnen sich für einen Kirchenbesuch. Die Überreste des heiligen Quirinis, der heiligen Munditia und des heiligen Sebastians sind drei Beispiele von Reliquien, die sich im Erzbistum München-Freising befinden.  


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