Zum Volksbegehren "Artenvielfalt" Rettet die Bienen!

26.01.2019

Laut Professor Gerhard Haszprunar sind wir mitten im sechsten Massensterben der Erdgeschichte - vom Menschen verschuldet. Er zeigt auf, was zu tun ist, damit wir dem Artensterben diesmal nicht selbst zum Opfer fallen.

Der Wert von Insektenhotels wie diesem und Bruthilfen ist laut Professor Haszprunar unbestritten.
Der Wert von Insektenhotels wie diesem und Bruthilfen ist laut Professor Haszprunar unbestritten. © imago/Panthermedia

Ja, es stimmt leider: Aufgrund der menschlichen Aktivitäten sind wir mitten im sechsten Massenaussterben. Das hat die Welt in der Erdgeschichte zwar bereits fünfmal überstanden – die Frage ist allerdings, ob nicht wir diesmal selber zu den Opfern gehören werden. In unseren Breiten sind die großflächige Agrarindustrie (nicht aber der Kleinbiobauer!) sowie die Flächenversiegelung als zentrale Faktoren dieser Katastrophe erkannt.

Es geht nicht bloß um die Honigbiene, so wichtig dieses Insekt für die Befruchtung von Agrar- und Obstkulturen auch ist. Fast 500 Wildbienenarten, Schmetterlinge, viele Käfer, Schwebfliegen et cetera ergänzen das Bestäubungsportfolio, und die übrigen, fast 40.000 (!) Insektenarten Deutschlands sind für das Funktionieren unserer Ökosysteme ebenfalls unverzichtbar.

Näheres zum Volksbegeheren finden Sie hier. Außerdem gibt es ein Papier des Diözesanrats „Unser Boden – Fundament des Lebens“ und eine Arbeitshilfe der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) zur Schöpfungsverantwortung.

Glücklicherweise haben Insekten hohe Vermehrungsraten: Wenn es also gelingt, wieder günstige Lebensverhältnisse zu schaffen, können sich eingebrochene Populationen häufig schnell wieder etablieren. Dazu sind private wie kirchliche Flächen geeignet. Denken Sie als Privatperson oder als Pfarrgemeinderat daher darüber nach, ob nicht beispielsweise aus ihrem Rasen eine Blumenwiese, aus der sterilen und giftigen Thujenmauer eine Blühhecke, aus dem versiegelten Parkplatz eine wasserdurchlässige Grünfläche oder aus dem Garagen- oder Hallendach ein Trockenbiotop entstehen kann. Das ist bei Neuerrichtungen kaum teurer als die klassischen Varianten, schafft aber in der Summe eine durchaus substanzielle Verbesserung der Insektenwelt.

Professor Gerhard Haszprunar
Professor Gerhard Haszprunar © privat

Konsumverhalten ändern

Unbestritten ist auch der Wert von Bienenhotels oder flachen Sandhaufen als Bruthilfe für die Wildbienen. Moderecken mit morschendem Altholz und Laub sind Oasen der Kleintierwelt. Und wenn dann noch die Warmton-Nachtbeleuchtung mit Bodenreflektoren über Bewegungsmelder nur dann eingeschaltet wird, wenn es tatsächlich nötig ist, haben Sie vielen tausend Insekten das Leben gerettet beziehungsweise ermöglicht.

Ja, auch die Politik ist gefordert, insbesondere bezüglich einer Neuorientierung der Agrarindustrie, die wir durch entsprechendes Konsumverhalten ganz wesentlich unterstützen können. Aber es gilt: Niemand kann alles, aber keiner kann nichts! Machen Sie mit – für die Bienen, für die Lebenswelt, für uns! (Professor Gerhard Haszprunar)

Gerhard Haszprunar ist Professor für Systematische Zoologie der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München, Generaldirektor der Staatlichen Naturwissenschaftlichen Sammlungen Bayerns und Einzelpersönlichkeit im Diözesanrat der Katholiken.


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