Die Krux mit dem Kruzifix Richter erklärt, warum er Kreuz aus Gerichtssaal entfernte

07.02.2018

Der Miesbacher Richter Klaus-Jürgen Schmid hängt im Sitzungssaal des Amtsgerichts Miesbach ein Kreuz ab, weil ein radikalisierter Muslim angeklagt ist. Die Reaktionen fallen harsch aus, der Richter fühlt sich missverstanden. Wir haben ihn getroffen.

Richter Klaus-Jürgen Schmid
Richter Klaus-Jürgen Schmid © SMB/Fleischmann

Miesbach – Es ist eine heikle Situation für den Miesbacher Richter Klaus-Jürgen Schmid: Auf der Anklagebank sitzt ein junger, radikalisierter Afghane, der einer anderen Person mit dem Tod gedroht hat. Der junge Flüchtling befindet sich in einem selbstgewählten Glaubenskrieg gegen das Christentum. Er soll zudem ein Schläfer für die radikal-islamistischen Taliban sein.

Richter Schmid entscheidet sich dafür, das Kreuz aus dem Gerichtssaal zu entfernen. Er will damit ein deutliches Zeichen setzen: "Der Rechtsstaat differenziert nicht nach der Religionszugehörigkeit. Ich wollte unter keinen Umständen das Bild aufkommen lassen, dass das Christentum jetzt zurückschlage", sagt der Miesbacher Richter. Zum ersten Mal habe er das in seiner Richterkarriere getan, der Einfall sei ihm kurz vor der Verhandlung gekommen.

Harsche Reaktionen

Ein Vertreter der Lokalpresse sitzt unter den Zuhörern der Verhandlung. Er erwähnt die Aktion des Richters und die Krux mit dem Kreuz beginnt. Wüste Beleidigungen erreichen Klaus-Jürgen Schmid per Post: "Ich habe Briefe bekommen, die mich als Vaterlandsverräter bezeichnen und die mir vorschlagen in islamische ‚Dreckslöcher‘ zu ziehen." So ganz verstehen könne er die Reaktionen nicht. Er fühlt sich missverstanden. "Es ging mir nie darum, an einer christlichen Tradition zu zweifeln", sagt er. Er selbst sei Christ.

Abnehmbares Kreuz nun fester Bestandteil

Zunächst wollte der Richter das Kreuz nicht wieder aufhängen. Er ließ es im Wartezimmer vor dem Saal anbringen, doch dann folgte eine neue Bauvorschrift des bayerischen Justizministeriums. Die besagt, dass ein abnehmbares Kreuz nun fester Bestandteil eines bayerischen Gerichtssaals sein muss. Seitdem hängen auch wieder Kruzifixe in den Miesbacher Sitzungssälen.

Übrigens: Der junge Mann wurde von Klaus-Jürgen Schmid zu einem Jahr auf Bewährung verurteilt. Das ist nach deutschem Jugendstrafrecht die absolute Höchststrafe und mehr noch, als die Staatsanwaltschaft gefordert hatte. (Lukas Fleischmann)


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