Kloster Reutberg Rom nimmt Erzbistum aus der Verantwortung

05.11.2018

Kehrtwende bei der Frage nach der Zukunft von Kloster Reutberg: Der Vatikan hat eine apostolische Kommissarin für das Kloster ernannt, das Erzbistum München und Freising ist aktuell nicht mehr für Reutberg zuständig.

Kloster Reutberg im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen
Kloster Reutberg im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen © SMB

München/Bad Tölz – Überraschung im Ringen um die Zukunft von Kloster Reutberg: Die vatikanische Ordenskongregation hat eine apostolische Kommissarin für das oberbayerische Kloster ernannt. Das bestätigte ein Sprecher des Erzbistums München und Freising am Freitag auf Anfrage und sprach von einer "erstaunlichen 180-Grad-Wendung", die "in völligem Widerspruch steht zu dem, was bislang aus Rom verlangt wurde". 2016 habe die Kongregation das Erzbistum angewiesen, die Auflösung der Gemeinschaft vorzubereiten.

Nach Angaben des Sprechers wurden dem Erzbistum keine Gründe genannt, der römische Entscheidungsprozess sei "für uns als Kirche vor Ort nicht transparent". Die Koblenzer Klarissen-Kapuzinerin Schwester Benedicta Tschugg sei per Dekret mit den Rechten und Pflichten einer Oberin ausgestattet. Dadurch sei das Erzbistum München und Freising "im Augenblick nicht für Reutberg zuständig". Die Verantwortung liege in Rom. "Wir wünschen, dass sich erfüllt, was man sich von dieser neuen Richtung verspricht", fügte der Sprecher hinzu.

Nur noch zwei Franziskanerinnen

Nach seinen Worten sieht das Erzbistum zugleich keinen verlässlichen Rahmen mehr für die geplante Errichtung eines Seelsorgezentrums auf dem Reutberg. Auch biete das Dekret allein keine nachhaltige Entwicklungsperspektive für ein lebendiges Ordensleben am Ort. Auf dem Reutberg wohnen seit 2015 nur noch zwei Franziskanerinnen, eine von ihnen ist hochbetagt und pflegebedürftig. Die restlichen Ordensmitglieder werden inzwischen andernorts versorgt.

Schwester Benedicta hatte sich ab Juni 2017 auf Einladung einer der beiden Franziskanerinnen auf dem Reutberg im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen aufgehalten. Auf Anweisung des Erzbistums musste sie jedoch Anfang 2018 zu ihrer Gemeinschaft nach Koblenz zurückkehren.

Unterschriften gesammelt

Im Sommer hatte eine Unterstützergruppe aus der Gemeinde Sachsenkam im Münchner Ordinariat 6.000 Unterschriften zum Erhalt des Klosters übergeben. Inzwischen sind nach ihren Angaben noch einmal so viele hinzugekommen. Die Gruppe möchte, dass die beiden Franziskanerinnen und ihr von der Erzdiözese eingesetzte Spiritual auf dem Reutberg bleiben und der Auflösungsbeschluss rückgängig gemacht wird. Sie hatte nach eigener Darstellung unlängst einen Termin bei der Ordenskongregation in Rom.

Das rechtlich selbstständige Frauenkloster konnte bereits 2007, damals zählte der Konvent noch zwölf Schwestern, keine eigene Oberin mehr wählen. Seither gab es verschiedene kommissarische Lösungen, außerdem wurden externe Verwalter eingesetzt. 2013 bezeichnete die Ordenskongregation eine Auflösung erstmals als unvermeidlich. Seit 2014 führten Vertreter des Erzbistums mehrfach Gespräche mit lokalen Akteuren über die Zukunft des Klosters, ohne dass eine für alle Beteiligten tragfähige Lösung gefunden wurde. (kna)


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