Vatikan-Papier zu Pfarreien Rom will mit Bischöfen reden - ohne Laien

27.10.2020

Der Vatikan will nur mit deutschen Bischöfen sprechen, was das umstrittene römische Papier zur Weiterentwicklung der Pfarreien betrifft. Laien sollen - konträr zum Wunsch der Bischofskonferenz - vorerst außen vor bleiben.

Bischöfe von oben fotografiert
Der Vatikan will aktuell nur mit den deutschen katholischen Bischöfen über das Schreiben sprechen. © Harald Oppitz/kna

Freiburg/Bonn – Der Vatikan will mit der katholischen Kirche in Deutschland über das vielkritisierte römische Papier zur Weiterentwicklung der Pfarreien sprechen - allerdings auf Ebene der Bischöfe und nicht wie von der Bischofskonferenz gewünscht unter Einbeziehung von Laien. Wie die Bischofskonferenz am Montag in Bonn mitteilte, wird ein Termin gesucht, "um ein erstes zeitnahes Gespräch zu führen". Dem Konferenzvorsitzenden, Bischof Georg Bätzing, erscheint demnach "aber auch das Gespräch mit dem Präsidium des Synodalen Weges der Sache nach angemessen". Wann dieses stattfinden könne, solle mit der Kongregation besprochen werden.

Laut der Freiburger "Herder Korrespondenz" stammt die Gesprächseinladung des Leiters der Kleruskongregation, Kardinal Beniamino Stella, vom 29. September. Das Treffen, um das die deutschen Bischöfe gebeten hatten, soll dem Abbau von Spannungen dienen, die nach Veröffentlichung des Schreibens offen zu Tage getreten waren.

Klare Grenzen für Laien

Das römische Papier vom 20. Juli hatte klare Grenzen für Pfarreireformen gesetzt. Die Instruktion widerspricht Bestrebungen, die Leitung von Pfarreien etwa Teams aus Priestern und kirchlich engagierten Laien anzuvertrauen. Laien können an der Gemeindeleitung mitwirken, doch tatsächlich leiten, verwalten, moderieren und koordinieren dürfen nur Priester. Etliche Bischöfe hatten sich sehr kritisch zu dem Papier geäußert.

Stella antwortete, das Schreiben habe sich "in erster Linie an die Bischöfe gerichtet". Eine Teilnahme von Laien an der Begegnung wünsche er deshalb "in dieser Phase" nicht. Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) hatte den Vorstoß der Bischöfe begrüßt, gemeinsam mit Rom zu reden.

Auf die jetzt erfolgte Gesprächsankündigung reagierte ZdK-Präsident Thomas Sternberg gelassen. Es wundere ihn nicht, dass Stella zunächst nur mit Bischöfen sprechen wolle, sagte er dem Portal kirche-und-leben.de. Dass der Kardinal schreibe, "in dieser Phase" seien die Bischöfe die erforderlichen Gesprächspartner, zeige zudem, dass er die Tür nicht zuschlage.

"Keine Revoluzzer"

Eine Beteiligung von Laienvertretern wäre wichtig, betonte der ZdK-Präsident: Es scheine in Rom "einen falschen Eindruck von der Kirche in Deutschland zu geben. Wir sind keinesfalls Revoluzzer." Wichtiger als ein persönliches Auftreten in Rom sei ihm, dass die inhaltlichen Punkte deutlich würden.

Die Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd) äußerte sich "enttäuscht". Die stellvertretende Bundesvorsitzende Agnes Wuckelt erklärte: "Der Vatikan hat die Zeichen der Zeit nicht erkannt." In Rom sehe man Laien nicht auf Augenhöhe und spreche weiter lieber über sie als mit ihnen. Der Verband begrüße aber, "dass sich Bischof Bätzing weiter in Rom für ein Gespräch mit dem Präsidium des Synodalen Wegs einsetzt".

Vorwurf der Dialogverweigerung

Die Organisation "Wir sind Kirche" warf Rom eine Dialogverweigerung vor. "Wenn die Kirchenleitung im Vatikan nicht endlich ihr autoritäres Hierarchie-Gehabe aufgibt, wird sie immer weiter das Vertrauen der Gläubigen und die eigene Glaubwürdigkeit verlieren", hieß es in einer Stellungnahme.

Zum Inhalt der Instruktion betonte Stella, sie rufe lediglich geltendes Kirchenrecht in Erinnerung: "Wie die Bischöfe aufmerksam und eifersüchtig darauf bedacht sind, dass ihre Vorrechte und Rechte geschützt und respektiert werden, ist es ebenso richtig, dass sie jene kanonischen Normen beachten und anerkennen, die die Bereiche und die Kompetenzen der Kleriker, der Gottgeweihten und der Laien betreffen." (kna)

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Synodaler Weg

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