Caritas-Rollstuhlfahrrad Rosenheimer Ehepaar erlebt gemeinsam Höhen und Tiefen

29.08.2017

So manchen harten Schicksalsschlag mussten Horst und Rosi Baur verkraften. Doch sie haben nie ihren Lebensmut aufgegeben.

Dank des Spezialrads der Caritas Sozialstation können Rosi und Horst Baur immer noch in der Natur aktiv sein.
Dank des Spezialrads der Caritas Sozialstation können Rosi und Horst Baur immer noch in der Natur aktiv sein. © Caritas Rosenheim

Rosenheim – Gemeinsam durch Höhen und Tiefen – Zur Lebensgeschichte von Horst Baur und seiner Frau Rosi passt dieser Satz besonders gut. So manchen harten Schicksalsschlag mussten die beiden Rosenheimer schon verkraften. Ihren Lebensmut haben sie sich dennoch bewahrt. Ihre Stärke ziehen sie aus ihrer Liebe, der Natur und ihrem Glauben. Irgendwo zwischen Nussdorf und Erl steht gegenüber eines Madonnenbilds ein uralter Baum mit einem Blitzschaden. Dorthin zieht es Horst und Rosi Baur immer wieder – vielleicht, weil dieses knorrige Gewächs mit seiner deutlich sichtbaren Narbe wie sie selbst auch schon einiges durchgemacht und trotzdem nicht aufgegeben hat.

Eine Welt brach zusammen

Leicht hatten es Horst und Rosi Baur nie. Nach einer schwierigen Kindheit haben sie vor 58 Jahren zueinander gefunden. Schnell wurde geheiratet und dann ging es gemeinsam hinaus in die weite Welt. Die Hochzeitsreise führte nach Genua. Der Anblick von Sandstrand und Palmen hat sich fest im Gedächtnis von Horst Baur verankert. Von da an war das Paar fast täglich in der Natur unterwegs. Tausende Kilometer haben sie zu Fuß und per Fahrrad zurückgelegt. Keine Strecke war ihnen zu weit, kein Berg zu hoch. Vor 17 Jahren brach Rosi Baur dann bei einer Tandem-Tour plötzlich zusammen. Der Arzt diagnostizierte eine Gehirnblutung. Von einem Tag auf den anderen war die heute 82-jährige auf den Rollstuhl angewiesen und konnte sich nur noch mit Mühe sprachlich verständigen. „Natürlich brach da zuerst einmal eine Welt für uns zusammen“, erzählt ihr vier Jahre jüngerer Ehemann, der einst sein Geld als Musiker und Maler verdiente.

Erstaunlich schnell fanden die beiden dann aber in ihr altes Leben zurück. „Auf keinen Fall wollten wir unseren Lebensstil aufgeben“, betont Horst Baur. Er suchte nach einer Lösung und fand diese in einem Spezialrad, an dessen Vorderseite ein Rollstuhl montiert werden konnte. Damit ging es wieder tagtäglich hinaus in die Natur. Vor gut einem Jahr schlug das Schicksal erneut zu: Rosi Baur erlitt einen weiteren Schlaganfall und dann ging auch noch das Spezialrad kaputt. Hilfe in dieser schweren Zeit kam zum einen von der Fachstelle für pflegende Angehörige des Caritas Zentrums Rosenheim. Sie schaffte ein „Rollstuhlfahrrad“ mit Motorunterstützung an, das von dem Ehepaar Baur ausgeliehen werden kann.

Nicht nur Ehepaar Baur kann das Caritas-Rollstuhlfahrrad nutzen, auch andere pflegende Angehörige können es ausleihen. Für 2017 ist es bereits ausgebucht, für 2018 können Termine vereinbart werden bei Daniela Müller, Pflegedienstleitung der Sozialstation Rosenheim, Telefon 08031/203 613 oder E-Mail daniela.mueller@caritasmuenchen.de

Außerdem fand Horst Baur mit dem Seniorenwohnen des Bayerischen Roten Kreuzes in Rosenheim einen Ort, der den beiden trotz Pflege ermöglicht, ihr Leben so weit wie möglich nach ihren eigenen Vorstellungen weiterzuführen. Für Horst Baur ist das, nach den vielen Jahren, in denen er seine Frau völlig alleine betreut hat, eine enorme Erleichterung: „Nach fast zwanzig Jahren darf ich jetzt endlich mal wieder in der Nacht durchschlafen und kann dabei ganz beruhigt sein, weil ich weiß, dass es meiner Rosi auch gut geht.“ Die Tage verbringt er aber nach wie vor zusammen mit seiner Frau. Tagtäglich ist er der erste Besucher im Seniorenwohnheim und geht immer als Letzter. Er nimmt alle Mahlzeiten mit ihr zusammen ein, liest ihr aus der Zeitung vor und redet viel mir ihr, auch wenn sie mittlerweile nur noch selten in der Lage ist, darauf erkennbar zu reagieren.

Liebe ist geblieben

„Natürlich ist unser Verhältnis zueinander heute anders, als in unseren jungen Jahren. Doch auch wenn sich die Form unserer Beziehung geändert hat, die Liebe ist geblieben“, erklärt Horst Baur. Jetzt geht es für das Ehepaar wieder so oft wie möglich hinaus an die frische Luft. „Dank E-Bike überwinden wir selbst jede Steigung spielend“, freut sich Horst Baur, der für seine 78 Jahre noch erstaunlich fit und sportlich ist. Gerne steuert er mit seiner Rosi Wegkreuze an. „An diesen Orten fühlten wir uns Gott immer schon besonders nah“, erzählt er. Sein Lieblingziel bleibt aber der uralte Baum, irgendwo zwischen Erl und Nussdorf. Dort schöpft er Kraft, um seinen Weg mit seiner Frau gemeinsam weiterzugehen. (Karin Wunsam/ freie Journalistin)


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