Brauchtum zu „Mariä Lichtmess“ Rosenkranz am Holzboden gebetet

02.02.2014

Heute werden in den Kirchen die Kerzen für das ganze Jahr gesegnet. Das findet immer am 2. Februar an "Mariä Lichtmess" statt. Doch das ist nicht das einzige Brauchtum an diesem Festtag.

Robert Walczak, Mesner des Freisinger Doms, zeigt seine Kerzenvorräte in der Sakristei (Bild: Alexa Feucht)

Freising - Altarkerzen, Opferkerzen, Prozessionskerzen: Mehr als 20.000 Kerzen werden im Freisinger Dom im Laufe eines Jahres abgebrannt. Die kleinsten messen einige Zentimeter, die größte 60 Zentimeter. „Alle Kerzen werden bereits im Dezember oder Januar bei einem Kerzenhändler der Umgebung bestellt“, erklärt Robert Walczak, Mesner im Freisinger Dom. Die weißen Kerzen mit einem Bienenwachsanteil von 10 Prozent müssen pünktlich zur Kerzensegnung am 2. Februar da sein. Am 2. Februar feiert die katholische Kirche 40 Tage nach Weihnachten die „Darstellung des Herrn“. Bis heute hat sich für das Fest die umgangssprachliche Bezeichnung „Mariä Lichtmess“ gehalten. Ein Teil der Kerzen wird dann im Freisinger Dom auf den Stufen aufgebaut und am Anfang der Messe gesegnet, ebenso wie die von den Gottesdienstbesuchern für den Hausgebrauch mitgebrachten Kerzen. Der Evangelist Lukas beschreibt, wie die Eltern mit Jesus in den Tempel kamen. „Licht, das die Heiden erleuchtet und Herrlichkeit für dein Volk Israel“, ruft Simeon angesichts des 40 Tage alten Kindes bei dessen Ankunft im Tempel und verweist damit auf den wesentlichen Inhalt des Christusfestes: Jesu ist der Sohn Gottes und der Heilsmittler für die Menschen. Die Hoffnung, die der Sohn Gottes brachte, wird durch das Licht symbolisiert.

Geschichte des Festes

Bis zum Zweiten Vatikanischen Konzil stand der mariologische Aspekt im Vordergrund. Der frühere Name „Mariä Reinigung“, auf lateinisch „Purificatio Mariae“, geht auf jüdische Traditionen zurück, die in den Büchern Exodus und Levitikus aufgeschrieben sind. Demnach musste sich eine Frau 40 Tage nach der Geburt Reinigungsriten unterziehen. Außerdem galt der erstgeborene Sohn als Eigentum Gottes und musste ausgelöst werden. Er wurde dem Priester „dargestellt“. Dies begründet den infolge des Zweiten Vatikanischen Konzils eingeführten offiziellen Namen „Darstellung des Herrn“. In der Tradition der Ostkirche heißt das Fest „Hypapante“, Fest der Begegnung des Herrn. Das Fest ist bereits Ende des 4. Jahrhunderts in Jerusalem bezeugt. In der Quelle heißt es, das Fest wurde „mit gleicher Freude wie Ostern“ begangen. Im Laufe der Zeit wurde an diesem Tag der Kerzenbedarf der Kirche und der Gläubigen für ein ganzes Jahr gesegnet. Häufig wird an diesem Tag in den Gottesdiensten auch der Blasiussegen erteilt.

Lichtmess auf dem Bauernhof

„Lichtmess war bei uns auf dem Bauernhof immer etwas ganz Besonderes“, erinnert sich Theresia Schlecht aus Freising. Die ganze Familie habe sich am Abend nach der Stallarbeit in der Küche versammelt. Zuvor zogen sich die Familienmitglieder wie an allen Feiertagen ein schönes Gewand an. Auf einem über den Küchentisch gelegten Brett sind viele Kerzen angezündet worden, die zuvor in der Kirche gesegnet wurden. „Dann haben wir auf den Holzboden gekniet und den Rosenkranz gebetet“, so Schlecht. Außerdem habe der Vater noch die Heiligenlitanei vorgebetet. „Anschließend saß noch die ganze Familie beisammen und hat gegessen, es war gemütlich, harmonisch und familiär“, so Schlecht. Unter den zu Lichtmess angeschafften Kerzen war auch die schwarze Wetterkerze, die immer bei Gewitter angezündet wurde, damit vor ihr um Schutz von Haus, Hof und Feldern gebetet werden konnte.

Mariä Lichtmess war ein Feiertag

Bis 1912 war der Tag ein Feiertag. Besonders unter Bauern hatte der 2. Februar stets einen großen Stellenwert. An diesem Tag ging das Wirtschaftsjahr in der Landwirtschaft zu Ende. „Für die Mägde und Knechte war dieser Tag der Einstandstag oder Abschiedstag“, erinnert sich Schlecht. Rund um den 2. Februar sind auch verschiedene Bauernweisheiten entstanden wie beispielsweise „Lichtemessen ist der Winter halb vergessen“ und „Weiße Lichtmess – grüne Ostern“. Damit wird die Vorfreude auf den Frühling ausgedrückt. (Alexa Feucht)


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