Corona-Pandemie Rufe nach Lockerung von Gottesdienstverbot mehren sich

15.04.2020

Nachdem sich Wirtschaft und die Deutsche Akademie der Naturforscher mehr und mehr für Aufhebungen der Ausgehbeschränkungen aussprechen, melden sich nun auch vermehrt deutsche Bischöfe.

Noch müssen die Priester ohne ihre Gemeinden Gottesdienste feiern. © touristikfoto – adobe.stock

Bonn – Unmittelbar nach dem Osterfest mehren sich die Rufe nach einer Lockerung des Gottesdienstverbots. Für das bevölkerungsreichste Bundesland Nordrhein-Westfalen deutete NRW-Familienminister Joachim Stamp in einem Interview der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung" (Dienstag) an, dass Gottesdienste unter Einhaltung von Abstands- und Hygieneregeln bald wieder möglich sein könnten.

Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki twitterte, es gehe nicht um ein "kopfloses Zurück zur Normalität", sondern darum Gottesdienste wieder feiern zu können, "in denen wir uns genau an die Regeln halten, die wir in den letzten Wochen gelernt haben".

Schick: Gottesdienste sind systemrelevant

Der Vorsitzende des Bundes Katholischer Unternehmer (BKU), Ulrich Hemel, argumentierte, dass die Hygieneregeln in den Kirchen gut umzusetzen seien. "Man kann zwischen Kirchenbänken Platz lassen und die Abstandsregel durchaus realisieren", sagte er dem Internetportal domradio.de. "Auch hier, denke ich, sollten wir über eine kluge, schrittweise Lockerung diskutieren."

Der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick schrieb auf Facebook, er wünsche sich bei einer möglichen Lockerung der Einschränkungen auch die Erlaubnis zur Feier öffentlicher Gottesdienste. "Zusammenkommen, um zu beten, zu singen, hören und schweigen ist für uns wichtig, tut den Menschen gut und der Gesellschaft auch, ist also systemrelevant", so Schick.

Schmerzhafte Ostern

Ähnlich äußerte sich der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer. Er kündigte an, über dieses Anliegen mit seinen bayerischen Mitbrüdern und dem Katholischen Büro in München sowie mit Vertretern der evangelisch-lutherischen Landeskirche in Bayern zu sprechen und es dann an die zuständigen staatlichen Stellen heranzutragen.

"Wir haben bisher aus Überzeugung und in Übereinkunft mit den staatlichen Regelungen große Opfer gebracht und zuletzt an Ostern schmerzhaft auf vieles verzichtet", sagte der Bischof. Jetzt brauche es auch ein "behutsames und schrittweises Öffnen" der Gottesdienste für die Teilnahme von Gläubigen, die das Ganze bisher mit Geduld und Verständnis mitgetragen hätten.

Unterstützung aus der Politik

Am Montag hatte die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina Empfehlungen für eine schrittweise Normalisierung des öffentlichen Lebens vorgelegt, sich jedoch nicht zu Gottesdiensten positioniert.

Der CDU-Bundestagsabgeordnete Alexander Krauß bemängelte dies. Wenn etwa über die Öffnung von Gaststätten diskutiert werde, müsse auch darüber gesprochen werden, unter welchen Umständen Gottesdienste wieder stattfinden könnten. "Die meisten Kirchgebäude sind groß genug, um Sicherheitsabstände zu gewährleisten", so Krauß. Der Politiker schlug darüber hinaus vor, dass Kirchengemeinden einen Corona-Beauftragten bestimmen sollten.

Am Mittwoch wollen Spitzenvertreter aus Bund und Ländern über das weitere Vorgehen im Kampf gegen das Coronavirus beraten. (kna)

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Corona - Pandemie

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