US-Präsidentschaftswahl Ruhig Blut, Europa!

10.11.2016

"Amerika wieder groß machen" – das war Donald Trumps Wahlkampfspruch. Jetzt hat er die Wahl zum 45. Präsidenten des Landes gewonnen. Welche Folgen sein Sieg hat, kommentiert Florian Ertl, stellvertretender Chefredakteur der Münchner Kirchenzeitung.

Florian Ertl ist stellvertretender Chefredakteur der Münchner Kirchenzeitung. © SMB/Schmid

An diesem 8. November ist eingetreten, was viele für unmöglich gehalten haben: Der Republikaner Donald Trump hat die US-Präsidentschaftswahl gewonnen und wird damit – so alles nach Plan läuft – der 45. Präsident des Landes. Die Welt reibt sich heute verwundert die Augen. Nach einer beispiellosen Wahlkampf-Schlammschlacht hat der reiche Unternehmer seine Kontrahentin Hillary Clinton überraschend klar aus dem Ring gefegt. Ob die Demokratin an der eigenen Unpopularität, der erneut hochgekochten FBI-E-Mail-Affäre oder ihrer sonstigen politischen Vergangenheit gescheitert ist – geschenkt. Sie wird nicht noch einmal für das höchste politische Amt der Welt kandidieren, seit heute Nacht ist sie Geschichte.

Und nun? Er will „Amerika wieder groß machen“ , verkündete der selbstverliebte Trump mehr als einmal im Wahlkampf. Wie er das anpacken wird, das erwarten die einen gespannt, die anderen mit regelrechter Angst. Wichtig wird für sein eigenes politisches Überleben sein, die tief gespaltene US-Nation wieder zu einen. Ob ihm dies, dem politisch Unerfahrenen, der bislang in erster Linie mit populistischen und sexistischen Äußerungen auffiel, gelingen wird? Abwarten, auch Trumps Wahlsieg hat (zumindest in der Alten Welt) niemand für wirklich realistisch gehalten.

Und dann ist da noch die ebenfalls im Wahlkampf laufend versprochene Mauer an der mexikanischen Grenze: Sie ist fester Bestandteil von Trumps bereits angekündigten „first steps“: „Innerhalb der ersten 100 Tage werden die exakten Pläne für die Mauer an der Grenze zu Mexiko stehen, es werden Einreiseverbote für bestimmte Nationalitäten in Kraft sein, die Zentralbank wird einen Kassensturz hinter sich haben und eine Reform der Gesundheitsversicherung wird auf dem Weg sein“.

Doch gemach und vor allem: Ruhig Blut, Europa! Von etwaigen Gespenstern wie Kriegstreiberei oder Kalte-Kriegs-Szenarien im 21. Jahrhundert sollte man sich hierzulande fürs erste befreien. Trump, den viele unterschätzt haben, wird hoffentlich soweit Realist sein, dass er diese Büchsen der Pandora nicht öffnen wird. Für Deutschland könnte es eher problematisch werden, wenn die USA unter Präsident Trump nicht mehr umsonst den Beschützer spielen wollen …

Den bei den Republikanern besonders wichtigen Evangelikalen zuliebe erweiterte der dreimal verheiratete Trump übrigens seine Selbstvermarktung auch um Bekenntnisse wie jenes, dass Amerika „sehr viel aus der Bibel lernen“ könne. In god we trust ...


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