St. Johann von Capistran Sakrales Meisterwerk von Architekt Sep Ruf

16.03.2019

Sie gehört zu den bedeutendsten Sakralbauten der Nachkriegszeit in Deutschland: Die von Sep Ruf erbaute Kirche St. Johann von Capistran in München. Der Patron des Gotteshauses zeichnet sich dagegen durch dunkelste Abgründe aus.

Die Kirche St. Johann von Capistran in München-Bogenhausen wurde 1960 geweiht.
Die Kirche St. Johann von Capistran in München-Bogenhausen wurde 1960 geweiht. © SMB

München – Die Kirche St. Johann von Capistran wurde 1960 von Kardinal Joseph Wendel in München-Bogenhausen geweiht. Sie wurde nach Plänen des Architekten Sep Ruf erbaut und gehört zu den bedeutendsten Sakralbauten der Nachkriegszeit in Deutschland. Ruf (1908-82) prägte die moderne Architektur in Deutschland unter anderem auch mit dem Bau der Neuen Maxburg in München sowie des Kanzlerbungalows in Bonn.

St. Johann von Capistran besteht aus rotem Ziegelmauerwerk und setzt die Idee des Zentralbaus mit dem Altar in der Mitte um. So versammelte hier der Kirchenraum bereits vor dem Zweiten Vatikanischen Konzil die Gemeinde an drei Seiten um den Altar. Haupt- und Sakramentaltar mit Tabernakel befinden sich auf einem Podest unter einer Lichtkuppel. Die 17 Meter hohe Glockenwand vor der Kirche bietet für drei im Freien hängende Glocken Platz.

Judenhasser als Namensgeber

Der Patron der Kirche, der heilige Johannes Capistranus (Johannes von Capestrano), ist dagegen höchst umstritten. Im Spätmittelalter tat er sich als auch als radikaler Prediger hervor, hetzte gegen Juden und lies viele von ihnen foltern und umbringen. Laut einem Bericht der Süddeutschen Zeitung forderte Charlotte Knobloch, die Vorsitzende der Israelitischen Kultusgemeinde München, deshalb jüngst eine Umbenennung der Kirche. Die Pfarrei selbst will diese dunkelsten Seiten ihres Patrons nicht verschweigen und bei Führungen darauf hinweisen, sei aber machtlos bezüglich einer Änderung des Namens der Kirche. Denn nach dem katholischen Kirchenrecht kann der Titel einer Kirche nach der Weihe nicht mehr geändert werden.

Straße der Moderne

Weitere moderne Kirchen in Deutschland aus den vergangenen 100 Jahren zeigt das Projekt "Straße der Moderne" des Deutschen Liturgischen Instituts. Hier können Sie sich über das Projekt und die dazugehörigen Kirchen informieren.

Der Autor
Klaus Schlaug
Online-Redaktion
k.schlaug@st-michaelsbund.de

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