Folgen der Corona-Pandemie Salesianer: Not junger Menschen wächst

19.05.2021

Jungen Menschen am Rand muss besser geholfen werden: Darauf weist die Ordensgemeinschaft hin. Sie ist Träger von Einrichtungen der Kinder-und Jugendhilfe.

Jugendlicher sinkt mit gesenktem Kopf vor jemandem
Die Ordensgemeinschaft der Salesianer sieht die Not junger Menschen am Rande der Gesellschaft durch die Corona-Pandemie wachsen. © motortion - stock.adobe.com

München – Die Salesianer Don Boscos (SDB) in Deutschland haben auf die wachsende Not junger Menschen am Rande der Gesellschaft aufmerksam gemacht. Die Folgen der Corona-Pandemie könnten deren zum Teil prekäre Lage noch weiter verschärfen, warnte der Orden in einer am Dienstag in München veröffentlichten Stellungnahme. Anlass ist der an diesem Tag eröffnete 17. Deutsche Kinder- und Jugendhilfetag, der laut Veranstalter größte Jugendhilfegipfels Europas. Die katholische Ordensgemeinschaft ist mit rund 2.000 Mitarbeitern selbst Trägerin zahlreicher Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe.

Individuelle Betreuung notwendig

In ihrem Positionspapier forderten die Salesianer, die Rahmenbedingungen zu verbessern und eine Kontinuität der Angebote zu erhalten. Nur dann sei es langfristig möglich, schwer erreichbare Jugendliche erfolgreich wieder einzugliedern. Deren Lebenssituation und Probleme seien so unterschiedlich, dass auch für die Betreuung stark individualisierte Konzepte nötig seien, erklärte Pater Christian Vahlhaus. "Sie sprengen derzeit häufig schlichtweg die Logik unserer bestehenden Systeme." Der Provinzialvikar ist für 26 Einrichtungen seines Ordens in Deutschland verantwortlich.

Der Salesianer wies noch auf weitere Schwierigkeiten hin. So gefährde eine oft nicht ausreichende Kooperation der Rechtskreise und der damit verbundenen zuständigen Institutionen wie etwa Jugendamt oder Jobcenter sowie Brüche in der Finanzierung von Projekten immer wieder den Erfolg des Einzelnen. Die jungen Menschen tauchten in der allgemeinen Wahrnehmung dann erst wieder auf, wenn Situationen eskalierten: durch Verwahrlosung, Langzeitarbeitslosigkeit, Wohnungslosigkeit, Drogensucht oder Kriminalität.

Betroffene brauchen Verlässlichkeit

Der Statistik zufolge gab es 2019 in Deutschland rund 480.000 junge Leute im Alter von 14 bis 25 Jahren, die sich weder in Beschäftigung, Schule oder in Ausbildung befanden. Aktuell fielen die Betroffenen durch alle Raster, wenn Einzelmaßnahmen der Jugendhilfe oder Angebote der Jugendsozialarbeit abgebrochen würden, so Vahlhaus. Sie bräuchten aber Verlässlichkeit, eine feste Anlaufstelle rund um die Uhr und Wohnmöglichkeiten in Notsituationen.

Mit rund 14.600 Mitgliedern in 132 Ländern zählen die Salesianer nach eigenen Angaben zu den größten Männerorden der katholischen Kirche. Zur Deutschen Provinz gehören rund 240 Ordensmitglieder. Sie setzen sich an etwa 30 Standorten in Deutschland, der deutschsprachigen Schweiz und in der Türkei mit ihren Mitarbeitenden dafür ein, dass das Leben junger Menschen gelingt. (kna)

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Corona - Pandemie

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