Integration Sankt Michaelsbund fördert „Leichte Sprache“

14.09.2018

Rund 7,5 Millionen Menschen in Deutschland tun sich schwer, mit dem Lesen, dem Schreiben und dem Verstehen von Texten. „Leichte Sprache“ soll helfen, komplexe Sachverhalte einfach und für alle verständlich auszudrücken. Der Sankt Michaelsbund hat ein Spendenprojekt ins Leben gerufen.

Lesen und Verstehen sind wichtige Voraussetzungen dafür, am gesellschaftlichen Leben teilnehmen zu können.
Lesen und Verstehen sind wichtige Voraussetzungen dafür, am gesellschaftlichen Leben teilnehmen zu können. © Morakot - stock.adobe.com

München – Rund 7,5 Millionen Menschen in Deutschland tun sich schwer, mit dem Lesen, dem Schreiben und dem Verstehen von Texten. Der Fachterminus hierfür lautet: funktionale Analphabeten. Nicht verstanden zu werden, ist ein Problem. Nicht zu verstehen, ebenso. „Leichte Sprache“ soll helfen, komplexe Sachverhalte einfach und für alle verständlich auszudrücken. Der Zugang zu Informationen, die in unserer Gesellschaft meist in schriftlicher Form vorliegen, ist die Voraussetzung für selbstbestimmte Entscheidungen und ein selbstbestimmtes Leben, Zugang zu Aus-, Fort- und Weiterbildung und Teilhabe am gesellschaftlichen Leben.

Kurze Sätze, Fremdwörter vermeiden, klare Aussagen

Um Frauen und Männern, die aus ganz unterschiedlichen Gründen Verständnis-Schwierigkeiten haben, eine Möglichkeit an die Hand zu geben, trotzdem nicht ausgegrenzt zu werden, wurde von dem seit 2006 bestehenden Netzwerk „Leichte Sprache“ ein spezielles Regelwerk herausgegeben. Darin wird festgehalten, wie Texte gestaltet sein sollten, damit auch Menschen mit einer Leseschwäche oder einer Erkrankung, die ihnen das Verstehen erschwert, erfassen können, welche Inhalte schriftlich transportiert werden. So gilt es unter anderem, darauf zu achten, dass kurze Sätze verwendet, Fremdwörter vermieden und klare Aussagen getroffen werden. Außer Menschen, die unter kognitiven Einschränkungen leiden, dient die „Leichte Sprache“ auch dazu, Menschen, deren Erstsprache nicht Deutsch ist, das Verständnis von Texten zu erleichtern.

Teilhabe an der Gesellschaft fördern

Der Sankt Michaelsbund (SMB) als Landesfachstelle für katholische Büchereiarbeit in Bayern hat es sich zum Ziel gesetzt, eine breite Palette von Medien in „Leichter Sprache“ anzubieten: von der Bibel bis zum Kochbuch, vom Jugendroman bis zum Hörbuch. Denn, wer mehr versteht, für den ist eine bessere Teilhabe an der Gesellschaft möglich.

Darüber hinaus hat der SMB zusammen mit dem Bildungswerk Rosenheim, der Stadtbibliothek Rosenheim und der Erzdiözese München und Freising Anfang des Jahres ein Projekt gestartet. Finanziert wird es von der Erzdiözese. 10.000 Euro wurden dafür zur Verfügung gestellt. Die Hälfte des Geldes wurde dazu verwandt, verschiedene Medien in „Leichter Sprache“ anzuschaffen, um das bereits bestehende Angebot noch einmal deutlich zu erweitern. Die andere Hälfte investierte das Bildungswerk in Schulungen und Fortbildungsveranstaltungen.

Spendenprojekt des Sankt Michaelsbundes

Um das Angebot auch in anderen öffentlichen Büchereien ausweiten zu können, hat der Sankt Michaelsbund ein Spendenprojekt ins Leben gerufen, um folgende Ziele zu erreichen: die Ausstattung von Büchereien mit einem umfangreichen Sortiment von Büchern und elektronischen Medien in „Leichter Sprache“ sowie die Vermittlung von haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in den Büchereien zur Weitergabe von Fach- und Hintergrundwissen zum Thema „Leichte Sprache“. Daneben will der Sankt Michaelsbund sich in Kirche, Politik und Gesellschaft für diejenigen Menschen stark machen, die durch Schwierigkeiten beim Verstehen von Texten benachteiligt sind.

Sankt Michaelsbund ruft zu Spenden auf

Helfen Sie mit und unterstützen Sie das Projekt „Leichte Sprache“ mit Ihrer Spende. Sie finanzieren damit die Ausstattung von Büchereien mit Büchern und Medien in leichter Sprache, die Aus- und Weiterbildung für Büchereimitarbeiter/innen und die Bewusstseinsbildung in Politik, Behörden und Öffentlichkeit. Unser Spendenkonto: Sankt Michaelsbund, Diözesanverband München und Freising e.V. IBAN: DE73 7509 0300 0002 1495 91, Stichwort: „Leichte Sprache“ Liga Bank München Ein herzliches Dankeschön schon jetzt für Ihre Unterstützung!

Sabine Adolph ist Diözesanbibliothekarin für die Erzdiözese München und Freising. Im Sankt Michaelsbund (SMB) ist sie Ansprechpartnerin für das Projekt „Leichte Sprache“.

Wann und wie ist beim Sankt Michaelsbund die Idee entstanden, sich mit dem Thema „Leichte Sprache“ zu beschäftigen?

Adolph: Das war im Herbst 2017. Damals saßen wir mit den Mitarbeitern der Stadtbibliothek Rosenheim zusammen und haben gemeinsam überlegt, welche Medien in einfacher Sprache hilfreich wären, um Geflüchtete dabei zu unterstützen, nach den von ihnen absolvierten Sprachkursen ihre neuerworbenen Kenntnisse der deutschen Sprache zu festigen und zu vertiefen.

Sabine Adolph
Sabine Adolph © SMB

Welches Engagement ist daraus konkret entstanden?
Adolph: Diese Überlegungen mündeten schließlich in ein Angebot in „Leichter Sprache“ für all diejenigen Menschen, die Probleme haben, komplexe Sachverhalte lesend zu begreifen.

In der Stadtbibliothek Rosenheim wurde dazu Anfang des Jahres ein Projekt gestartet. Wie hat es sich bis heute entwickelt?
Uns war es wichtig, die Informationen über das neue Angebot möglichst weit zu verbreiten, etwa in Schulen oder Helferkreisen. Begleitend dazu wurden gemeinsam mit dem Kreisbildungswerk und der Katholischen Erwachsenenbildung München und Freising verschiedene Schulungen zum Thema durchgeführt. Besonders gut angekommen sind unter anderem die Bibliotheksführungen mit improvisierten Theateraufführungen. Dieses Angebot wird insbesondere von Integrations- und Übergangsklassen häufig nachgefragt.

Welche Maßnahmen und Projekte sind in der Zukunft geplant?
Wir wollen uns nun verstärkt darum kümmern, ein Bewusstsein in der Gesellschaft dafür zu schaffen, welche unterschiedlichen Personengruppen mit Verständnisproblemen zu kämpfen haben. Also neben denjenigen, die erst in fortgeschrittenem Alter Deutsch als Fremdsprache erlernt haben, auch demente Menschen und solche mit fehlender Lesekompetenz.

Die Autorin
Susanne Holzapfel
Münchner Kirchenzeitung
s.holzapfel@st-michaelsbund.de


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