Landkreis Erding Schaueramt: Himmlische Hagelversicherung

05.07.2018

Eine fast schon verlorengegangene Tradition wird im oberbayerischen Berglern gefeiert. Beim Schaueramt beten Landwirte zusammen mit der Gemeinde für gute Ernte und Schutz gegen Hagelschäden.

Beim Schaueramt in Berglern wird für eine gute Ernte gebetet.
Beim Schaueramt in Berglern wird für eine gute Ernte gebetet. © Blindhuber

Berglern – Eine Prozession über die Felder. Vier Altarstationen in einer Stunde. Die ganze Gemeinde auf den Beinen. Eigentlich ein schönes und markantes Bild. Im Pfarrheim oder beim Kirchenpfleger Albert Furtner allerdings keine Spur von einem Beweisfoto: "Das ist bei uns einfach ‘normal’. Da denken wir gar nicht darüber nach, dass man da ein Bild machen könnte."

Beten für volle Regale

"Normal" und gängig ist der Brauch des Schaueramts heute aber nicht mehr wirklich. In der Münchner Fußgängerzone trifft man auf ganz ungläubige Blicke. "Ein schauriges Amt?" "Ist der Schauer vielleicht ein Beruf?" "Könnte eine Wetterstation sein." Aber auch in katholischeren Kreisen ist der Begriff nicht mehr wirklich gängig. In Berglern bei Erding kommt dafür jedes Jahr am 25. April, am Tag des Heiligen Markus, die Gemeinde zusammen, um das Schaueramt zu feiern. Ein wichtiger Termin, erzählt Albert Furtner: "Da gehen nicht nur Bauern mit. Auch die Leute, die wissen, dass ohne die Landwirte und eine gute Ernte nichts im Supermarkt liegt."

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Mit einem Gottesdienst in St. Andreas im Ortsteil Niederlern beginnt das Schaueramt in Berglern.
Mit einem Gottesdienst in St. Andreas im Ortsteil Niederlern beginnt das Schaueramt in Berglern. © Blindhuber

Das Amt bezieht sich hier auf das heilige Amt, das zu Beginn des Festes gefeiert wird. Ein Gottesdienst, der oft auch mit der liturgischen Farbe Violett zelebriert wird, um die Buße zu verdeutlichen, die für mögliche Verfehlungen der Gemeinde geleistet werden soll. Das Wort "Schauer" leitet sich von der mittelhochdeutschen Bezeichnung für Unwetter und Hagelschauer ab. Das Schaueramt ist also weniger ein Bitten für einen guten Regenschauer, sondern vielmehr das Gesuch nach Schutz für die Feldfrüchte. Weil die dann besonders angreifbar sind, wird das Schaueramt vor allem in den sommerlichen Monaten April bis Juni gefeiert.

Als Tradition nicht wegzudenken

Gerade in globalisierten Zeiten, in denen die Supermarkt-Regale sowieso immer gefüllt sind, ist der Ursprung dieser Tradition gefühlt eine Ewigkeit her. Die Erträge des örtlichen Bauers entscheiden zwar heute nicht mehr über das Eintreten einer Hungersnot, aber wehe jemand aus der Gemeinde kann einmal nicht mitgehen. "Ja, magst du nicht, dass was auf den Teller kommt?", soll schon der ein oder andere in Berglern zu hören bekommen haben.

Albert Furtner ist nicht nur Kirchenpfleger, sondern sorgt als Landwirt auch dafür, dass weiterhin etwas auf den Teller kommt. Für ihn ist das Schaueramt daher aus vielen Gründen ein wichtiger Bestandteil des Gemeindelebens. Und einen positiven Nebeneffekt gibt es auch: "Ich kann nur für mich sprechen, aber seit zehn Jahren hab' ich keine Hagelversicherung mehr.“ (Maximilian Blindhuber)


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