Familientherapeutin Barbara Schröder Schicksalsgemeinschaft oder starkes Team?

17.07.2019

Familien werden heute nicht mehr aus Konventionen oder Zwängen heraus gegründet, eine Familie haben zu wollen, das ist für ein Paar eine freiwillige Entscheidung und zugleich eine große Herausforderung.

Für Familien ist es wichtig, dass sie sich immer wieder ganz bewusst Zeit nehmen, um das Zusammensein zu genießen.
Für Familien ist es wichtig, dass sie sich immer wieder ganz bewusst Zeit nehmen, um das Zusammensein zu genießen. © Robert Kneschke – stock.adobe.com

München – Alles muss immer wieder neu verhandelt werden mühsam aber lohnend, denn Familie ist nach wie vor der Wohlfühlort, der Sehnsuchtsort nach Liebe und Geborgenheit, wo alle Kraft schöpfen können, weiß Familientherapeutin Barbara Schröder. Sie leitet die Caritas-Beratungsstelle für Eltern, Kinder und Jugendliche in Taufkirchen.

„Das geht dann gut, wenn es gelingt, die Beziehungen untereinander sehr respektvoll, sehr wertschätzend zu gestalten“, sagt die Expertin – doch wie geht das im Alltag?

"Alle kommen müde nach Hause"

„Der Druck auf Familie ist enorm groß“, gesteht Barbara Schröder zu: „Alle kommen müde nach Hause, alle wollen sich fallen lassen und dann haben die Eltern im Kopf: Oops wir sollen ja noch auf die Schulaufgabe lernen – das sind dann Momente, die doch oft in ungemütlicher Stimmung enden“. Ein Mittel gegen schlechte Familienlaune als Gast beim Abendessen: Ganz bewusst eine gemeinsame Zeit setzen, zum Beispiel das Essen, in dieser Zeit dann alles, was noch ansteht, außen vor lassen, das Zusammensein genießen, danach sieht man weiter.

Und worin besteht das Geheimnis der „wertschätzenden Haltung“, die die Familientherapeutin für so wichtig hält? „Auf das Kind schauen mit einer Haltung, die ausdrückt, dass Eltern stolz sind auf die Besonderheiten und Eigenheiten ihres Kindes“.

Konflikte sind normal

Konflikte zeigen, dass in einer Familie lauter eigenständige Menschen leben, die auch ihre Meinung kundtun. „Das ist grundsätzlich etwas Wertvolles“, bekräftigt Barbara Schröder. Dann hängt es davon ab, welche Schritte gemacht werden zur Konfliktlösung. Wenn das auch wertschätzend geschieht, auf Augenhöhe, „dann ist es ein Gewinn für alle“, ermutigt sie: „Letztendlich findet man auch Lösungen“. Das kann schon früh beginnen. Wenn ein Kind nicht mehr laufen möchte wäre so ein Lösungsweg auf Augenhöhe: Okay, ich trag dich bis zu dem Auto da und bis zum Baum da vorne, da läufst du selber. Wer seine Kinder einbezieht, verschafft ihm eine gute Basis dafür, später einmal selber gute Konfliktlösungen zu entwickeln.

Die Zeit gemeinsam ist wichtig

Es ist wichtig, dass man entspannte Zeit miteinander hat und dass sie immer wieder stattfindet, nicht nur am Wochenende bei einem tollen Auslug. Auch unter der Woche braucht es die entspannten Momente, in denen man sich fallen lassen kann. Dazu helfen Rituale wie ein gemeinsames Abendessen oder bei kleinen Kindern ein Kuschelritual oder auch mal ein Film, den man gemeinsam sieht. Momente, in denen Eltern aktiv zuhören und keine Erwartungen gestellt werden. Am schönsten ist es, wenn man sich gemeinsam freut und das auch ausdrückt.

Miteinander reden

Sagen, was gut ist, was einem fehlt – das wäre der ideale Nährboden für eine alltagstaugliche Familienkultur. Fachleute empfehlen dafür schon lange, sogenannte Familienkonferenzen einzuberufen. Auch Barbara Schröder hält viel von einer Familiengesprächsrunde, um weg zu kommen von der Fixierung auf Probleme und ein positives Wir-Gefühl“ zu schaffen - Teambuilding für die Familie. Wie sieht das konkret aus? „Man schaut, was ist in der Woche gut gelaufen und drückt durchaus auch Stolz aus für Situationen, die positiv waren. Ein Streit in der Schule, der gut gelöst wurde zum Beispiel. Bewusst machen, es war total anstrengend aber es ist richtig viel gut gelaufen“.

Eigene Kultur schaffen

Gefühle haben da also ihren Platz aber auch konkrete Absprachen zur Aufgabenverteilung und gemeinsame Pläne. Solche Verhandlungen über das gemeinsame Leben sind auch eine gute Basis für eine spätere Partnerschaft, weiß Familientherapeutin Barbra Schröder.

Sie und ihre Kollegen beobachten, dass Paare oft einen guten Modus haben, sich auszutauschen und sich auf eine gemeinsame Basis einzupegeln. Sind dann Kinder da, kommt verstärkt wieder zum Vorschein, was jeder Partner in der eigenen Herkunftsfamilie gelebt hat, da prallen unter Umständen zwei Familienkulturen aufeinander, die ja sehr unterschiedlich sein können.

„Es gilt dann in dieser Familie eine eigene Kultur zu schaffen, wenn das gelingt, das ist wirklich ein ganz festes stabiles Fundament für diese Familie.“

Die Autorin
Gabriele Hafner
Radio-Redaktion
g.hafner@st-michaelsbund.de


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