Sexualität und Kirche Schießler: Kirche soll ihre Sexualmoral überdenken

13.04.2019

Der Münchner Pfarrer findet, dass die kirchliche Sexualethik in der Vergangenheit den Menschen nicht geholfen habe – im Gegenteil. Auch die Rolle der Frauen in der Kirche gibt ihm zu denken.

Beim Thema Sexualität und Beziehung gäbe es in der Kirche "viele Spannung und Verknotungen", meint Rainer Maria Schießler.
Beim Thema Sexualität und Beziehung gäbe es in der Kirche "viele Spannung und Verknotungen", meint Rainer Maria Schießler. © SMB

München – In der katholischen Kirche gibt es nach Ansicht des Münchner Pfarrers Rainer Maria Schießler beim Thema Sexualität und Beziehung "viele Spannungen und Verknotungen". Diese müssten unbedingt gelöst werden, schreibt der Bestsellerautor in einem am Donnerstag veröffentlichten Gastbeitrag für den Münchner Kösel-Verlag zur Fasten- und Osterzeit. Die Kirche sollte sich daher in Fragen der Sexualethik eine "Fastenzeit des Bußschweigens" auferlegen. Es gelte einfach mal nur Menschen zuzuhören und darüber nachzudenken, wie sie heute Sexualität erleben und leben, statt ständig Bewertungen über das Leben und die Sexualität der Menschen abzugeben.

Weiter forderte Schießler die Kirche auf, ihre Sexuallehre "neu, modern und absolut transparent" zu definieren. Denn in der Vergangenheit hätten die Menschen eine Sexualmoral erlebt, die nicht geholfen habe, ein gesundes Verhältnis zur Sexualität zu entwickeln. Vielmehr sei diese auf Unterdrückung ausgerichtet gewesen. Für eine neue Sexuallehre müsse die Lebenswirklichkeit der Menschen die größte Rolle spielen, so der Geistliche. Das betreffe "die Haltung zur Homosexualität, zur Ehelosigkeit, zu außerehelichen Lebensformen, zu wiederverheirateten Geschiedenen."

Ostern als Chance sich neu auszurichten

Aber auch die Rolle der Frau in der Kirche müsse dringend auf echte Gleichberechtigung zielen, schreibt der Priester. Seinen Worten zufolge bieten die Fastenzeit und das anschließende Osterfest Jahr für Jahr die Chance, sich neu auszurichten - individuell wie institutionell. Diese Chance sollten alle nutzen, die Gläubigen und die Kirchenleitung. Ostern wolle die Menschen verändern und herausfordern für mehr lebendige Solidarität in der Gesellschaft. Wer sich der Not des Anderen entziehe, der lasse gern alles beim Alten. "Doch in dem Augenblick, wo wir uns einander zuwenden, hinhören und verändern, da geschieht immer wieder neue Auferstehung", schreibt der Pfarrer von Sankt Maximilian und Heilig Geist.

Schießler hat im Kösel-Verlag die Bücher "Himmel, Herrgott, Sakrament" sowie zuletzt "Jessas, Maria und Josef" veröffentlicht. (kna)


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