Leseförderung wichtig Schlechte Lesenoten in Deutschland

23.01.2018

Fast ein Fünftel der deutschen Viertklässler liest nicht ausreichend gut. Das hat die IGLU-Studie, die Internationale Grundschul-Lese-Untersuchung, die alle fünf Jahre durchgeführt wird, gezeigt...

Büchereien fördern Lesekompetenz.
Büchereien fördern Lesekompetenz. © Fotolia.com/wip-Studio

München – 50 Länder nehmen an der Internationalen Grundschul-Lese-Untersuchung teil. Bei der letztjährigen Studie landeten die deutschen Viertklässler lediglich im Mittelfeld. Für Michael Sanetra, Leiter der Landesfachstelle des Sankt Michaelsbunds, ein Ergebnis, das so nicht bleiben darf. Lesekompetenz sei die Grundlage jeder weiteren Bildung und die wichtigste kulturelle Kompetenz. Dem Sankt Michaelsbund gehören rund 1.100 katholische öffentliche Büchereien an. „Büchereien sind ein wichtiger außerschulischer Bildungspartner. Sie fördern mit ihrem Angebot Lesekompetenz und den Spaß am Lesen. Und der ist das Wichtigste am Lesenlernen überhaupt. Wer gerne liest, liest besser“, erklärt Sanetra.

Angebot der Büchereien

Studien zeigen, dass in zwei Dritteln der deutschen Haushalte weniger als 50 Bücher vorhanden sind – Kochbücher oder Lexika schon eingerechnet. Die Quantität und Qualität der Bücher in den öffentlichen Büchereien sei hoch, so Sanetra, und jeder könne das zum Lesen finden, was ihm Spaß macht und interessiert. Neben der großen Auswahl und guten Beratung bieten die meisten Mitgliedsbüchereien des Sankt Michaelsbunds für Kinder noch spezielle Programme. So können Kindergartenkinder und Erstklässler mit „Bibfit“ und dem „Lesekompass“ einen "Bibliotheksführerschein" machen und werden richtige Experten. Außerdem haben mehrere hundert kirchliche und kommunale öffentliche Büchereien am bundesweit größten frühkindlichen Leseförder-Programm "Lesestart" von der Stiftung "Lesen" teilgenommen, bei dem Lesetaschen an 3- bis 6-jährige Kinder verteilt und ergänzende Veranstaltungen für Kinder und Eltern angeboten wurden.

Chancen der Büchereien

Michael Sanetra sieht große Chancen, die bestehende Zusammenarbeit zwischen Büchereien und Kitas sowie Schulen noch zu stärken, nicht nur in der Bücherei, sondern auch durch beispielsweise Lesungen in Schulen und Kitas. Als großes Potential sieht er hier auch das wachsende Ganztagsschulangebot – auch hier könnten Büchereien wichtige Kooperationspartner werden.

Wichtig sei es Menschen die „Hemmschwelle“ zu nehmen, in eine Bücherei zu gehen. In der IGLU-Studie zeigte sich, dass gerade Kinder aus sozialschwachen Familien und solchen mit Migrationskompetenz Schwierigkeiten beim Lesen hätten. Dies sei, so Sanetra, keine neue Erkenntnis und in anderen Ländern auch zu finden, aber es sei durchaus in Deutschland stärker ausgeprägt und das Problem müsse man dringend entschärfen.

Forderungen der Büchereien

An die Politik appelliert er, bessere Rahmenbedingungen für öffentliche Büchereien zu schaffen. Die Förderung sei unzureichend. Die Zuschüsse des Freistaats für den Bereich der öffentlichen Büchereien seien – bei 5,5 Millionen Besuchern jedes Jahr – mit 700.000 Euro unzureichend und beschämend. Es sei wichtig, allen Menschen im Freistaat den gleichen Zugang zu Büchern zu ermöglichen.

Bei IGLU wird das Lesevermögen von Schülerinnen und Schülern der 4. Jahrgangsstufe im internationalen Vergleich getestet. Die Testaufgaben berücksichtigten unterschiedliche Schwierigkeitsgrade des Textverstehens sowie zwei Textsorten, die Kinder in diesem Alter üblicherweise lesen: literarische Texte wie zum Beispiel Kurzgeschichten und informierende Texte wie zum Beispiel altersgerechte Lexikonartikel oder Faltblätter. Mit Hilfe von Fragebögen wurde zudem auch erfasst, wie gerne und wie häufig Kinder lesen.

Die Autorin
Stefanie Schmid
Radio-Redaktion
s.schmid@st-michaelsbund.de


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