Auftakt zu Bach2017 in München Schneetreiben mit ökumenischem Frühling

08.01.2017

In der Jesuitenkirche Sankt Michael hat Kardinal Reinhard Marx eine Reihe zum Reformations-Gedenken eröffnet: Bach2017 lautet der Titel.

Gut harmoniert: Das Barockorchester La Banda, das Collegium Monacense und Kardinal Marx beim Auftakt von Bach2017 © SMB/Kiderle

München - Etwa 500 Menschen haben dem Schneetreiben am Sonntagnachmittag getrotzt, und einen kleinen ökumenischen Frühling erlebt. Der bedeutendste evangelische Komponist steht im Zentrum eines Zyklus in der wichtigsten deutschen Kirche der „katholischen Gegenreformation“. Die Münchner Jesuitenkirche Sankt Michael stellt an neun Sonntagen in diesem Jahr Kantaten von Johann Sebastian Bach vor. Prominente Vertreter der evangelischen und der katholischen Kirche predigen dazu über die Bibeltexte und Evangelien, die diesen Stücken zugrunde gelegt sind. Dazu wird bei Bach2017 gebetet und gesungen.

Kardinal Marx eröffnet Zyklus

Er sei der Einladung gerne nachgekommen, diesen Zyklus zu eröffnen, sagt Kardinal Reinhard Marx gegenüber mk-online: „Es ist einfach in der Vielfalt der Angebote zum Jahr 2017 etwas Spezielles.“ Dass er zur Kantate „Gott, wie Dein Name, so ist auch Dein Ruhm, bis an der Welt Ende“ predigt, ist dabei eine Steilvorlage für den Münchner Erzbischof. Denn dieses Werk hört er immer am Neujahrstag: „Es ist eine meiner Lieblingskantaten“. Der Name Jesu ist für Kardinal Marx etwas, dass auch in der letzten Verzweiflung bleibt. Selbst wenn einem „das Beten aus den Händen gleitet“, wie er in seiner Auftaktpredigt zu Bach2017 sagt. Jesus ist ein Hoffnungsname, der beiden Kirchen, aber auch allen Menschen gehört.

Gemeinsamkeit entdecken

Diese Ökumene in Wort und Musik kommt bei den Zuhörern an. Ein Ehepaar ist 450 Kilometer weit gefahren, um die Eröffnung mitzuerleben. Sie gehören verschiedenen Konfessionen an und suchen solche ökumenischen Gesten seit 40 Jahren: „Wir fühlen, dass wir durch so etwas wieder langsam in der katholischen Kirche ankommen“, sagen sie nach diesem ersten Kantatengottesdienst. Auch der Astrophysiker, Fernseh-Moderator und evangelische Christ Harald Lesch ist beim Auftakt dabei. Ihn freut, „wenn beide Kirchen mehr anfangen nachzudenken, was sie verbindet als was sie trennt“. Und allen, „die da noch zögern“ rät er mit dem neuen Testament: „Fürchtet Euch nicht“. Der Chordirektor und künstlerische Leiter von Sankt Michael, Frank Höndgen, fühlt sich durch solche Reaktionen bestätigt. Er hat Bach2017 initiert und ist mit dem Auftakt zufrieden: „Wir hatten volles Haus, der Kardinal hat den Zyklus eröffnet und wir haben uns beim Musizieren wohlgefühlt. Für so ein Projekt, das es in München so noch nicht gegeben hat, ist das ein toller Einstieg.“ (Alois Bierl)

Der nächste Termin bei Bach2017 ist Sonntag, 12. Februar. Dann wird um 16 Uhr der frühere bayerische Kultusminister und ehemalige Präsident des Zentralrats der Katholiken, Hans Maier, sprechen.

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Dieser Artikel gehört zum Thema 500 Jahre Reformation