Anschlag in München Schockzustand und Gedenken an die Opfer

23.07.2016

Einen halben Tag nach dem Anschlag in München, bei dem nach Polizeiangaben zehn Menschen ums Leben gekommen sind, herrscht in München weiterhin große Verunsicherung. Die Gedanken vieler Menschen sind jetzt bei den Verstorbenen und deren Angehörigen.

Die Absperrung am Münchner OEZ, an dem zehn Menschen starben, in der Nacht zum Samstag (Bild: imago) © imago

München - Nach der blutigen Schießerei in München hat die Polizei noch in der Nacht Entwarnung gegeben. Sie geht davon aus, dass der Anschlag von einem Einzeltäter verübt wurde, der sich anschließend das Leben nahm. Dabei handelt es sich um einen 18-jährigen Deutsch-Iraner, der gegen 20.30 Uhr tot aufgefunden wurde. Bei dem Anschlag kamen nach derzeitigem Stand zehn Menchen ums Leben, 27 wurden zum Teil schwer verletzt. Die Todesopfer waren nach Polizeiangaben vor allem Jugendliche: Zwei Mädchen und sechs Jungen und junge Männer im Alter zwischen 14 und 21 Jahren. Daneben eine Frau im Alter von 45 Jahren.

München hat alle städtischen Feste und Feiern für dieses Wochenende abgesagt. "Es sind schwere Stunden für München", sagte Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD).

Reaktion Erzbischof Ludwig Schick (Bamberg)

Der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick hat sich am späten Freitagabend zum Anschlag in München geäußert. "Auch in Stettin denken die Teilnehmer an der Vorwoche zum Weltjugendtag an die Opfer in München und beten: Herr gib Frieden unserer Zeit", schreibt der Erzbischof auf Twitter. Er hält sich zurzeit in Polen auf. Dort beginnt am 26. Juli der Weltjugendtag.

Reaktion Ministerpräsident Horst Seehofer

Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) hat nach dem Anschlag in München von einem schweren Schicksalsschlag für die Landeshauptstadt und für ganz Bayern gesprochen. "Die brutale und menschenverachtende Bluttat erfüllt uns alle mit Trauer und Entsetzen", erklärte Seehofer am Samstag in München. Weiter fügte er hinzu, dankbar zu sein für die weltweite Solidarität. "Das gibt Trost und Kraft."

Es gelte jetzt, den Hintergrund der Morde schnellstmöglich aufzuklären, sagt Ministerpräsident Horst Seehofer: "Wir müssen alles dafür tun, um unsere Sicherheit zu verteidigen." Ohne Sicherheit gebe es keine Freiheit. Zugleich dankte Seehofer allen Einsatzkräften der Polizei und der Rettungsdienste für ihren schnellen und professionellen Einsatz. Für den Samstag Vormittag ist eine Sondersitzung des Kabinetts angesetzt.

Reaktion Weihbischof Matthias Heinrich (Berlin)

Auch der Berliner Weihbischof Matthias Heinrich hat sich geäußert. Sein Bischofswort wurde zuerst auf radio berlin 88.8 veröffentlicht und dann vom Erzbistum Berlin als Pressemitteilung ausgesandt. Die Nachrichten machen den Menschen Angst, sagte er.
„Doch darf Angst jetzt nicht unser Ratgeber sein. Denn es gibt kein Patentrezept, es gibt keine Erklärung und keine Lösung, schon gar nicht für die Angehörigen der Opfer, aber auch nicht für die Menschen in München“, führt er fort.

Er setze auf zwei Hoffnungszeichen im Netz: Menschen hätten sich gemeldet, wenn sie in Sicherheit waren. Andere hätten nach ihren Nachbarn, Freunden und Verwandten gesucht und sich versichert, wie es ihnen gehe und wo sie seien. Und dann wurden die Angst, das Bangen, aber auch die Wut und Empörung mehr und mehr überlagert von dem Motto "Pray for Munich", "wir beten für München". Dies sei ein wichtiges Zeichen, so Weihbischof Heinrich.
„Pray for Munich“ sei das Beste, was man tun können: für München beten, so Heinrich.

Reaktion byerischer Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm

Der bayerische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm hat den Angehörigen der Opfer der Münchner Todesschüsse sein Mitgefühl bekundet. "Ich bin in Gedanken und im Gebet bei ihren Angehörigen, die nicht fassen können, dass sie einen ihrer liebsten Menschen verloren haben", erklärte der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) am Samstag in München.

Reaktion der Vorsitzenden des Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, Charlotte Knobloch

Die Vorsitzende der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, Charlotte Knobloch, zeigte sich "fassungslos". Ihre Gedanken würden den Hinterbliebenen der Ermordeten, den Verletzten und ihren Familien gelten. Zugleich dankte sie der Polizei und allen Sicherheits- und Hilfskräften, "die schnell, besonnen und hervorragend reagiert haben". Sie hoffe, dass die Täter bald gefasst würden.

Nach der Phase des Schocks und des Entsetzens heiße es aber, sich darauf zu besinnen, "wo unsere Stärken sind und was wir jetzt tun können und müssen, um unsere Art zu leben zu bewahren", so Knobloch. Zugleich seien all jene zu bekämpfen, "die unsere Werte hassen und die unsere Freiheit und unsere Demokratie zerstören wollen".

(knapm/sts)

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