Impuls von Pater Cornelius Bohl Schön, dass du da bist!

05.05.2019

„Ich bin doch da!“, sagt die Mutter zum Kind. „Ich bin da, wenn du mich brauchst!“, ein Freund zum anderen. Das treue Dasein eines Menschen kann das Dasein Jesu bezeugen, meint Pater Cornelius Bohl.

Wenn jemand schwer krank ist oder stirbt, können wir oft nichts mehr tun. Aber wir können da sein. Das ist sehr viel.
Wenn jemand schwer krank ist oder stirbt, können wir oft nichts mehr tun. Aber wir können da sein. Das ist sehr viel. © Tyler Olson – stock.adobe.com

Die Sache Jesu geht weiter. Auch nach seinem Tod. Das stimmt. Aber Ostern ist mehr. Ostern meint nicht: Irgendwann nach den traumatischen Karfreitagserfahrungen rappeln sich die Freunde Jesu wieder auf und machen in seinem Sinn weiter. Nein, diese Frauen und Männer erfahren: Jesus ist da! Jetzt. Hier. Wirklich gegenwärtig. Das meint Auferstehung. Es ist müßig, klären zu wollen, was sie genau erlebt haben. Niemand muss das glauben. Die Aussagen der Evangelien aber sind eindeutig: Sie erfahren, dass Jesus da ist.

Nicht nur die Sache Jesu geht weiter. Er selbst ist da. Aber Ostern geht weiter, weil der Auferstandene auch jetzt und hier da ist. Ganz dicht erfahren wir das in den österlichen Sakramenten: Ich bin getauft. Er lebt in mir. Ich in ihm. Er ist da in meinem Leben. So erklären wir Kindern die Eucharistie, und auch als Erwachsene kommen wir letztlich wohl nicht weiter: In diesem Stück Brot ist Jesus da. Im Sakrament der Versöhnung erlebe ich: Gerade dort, wo in meinem Leben etwas danebengeht, ist er da, verzeiht und heilt.

Gott ist da

„Hab keine Angst, du bist nicht allein, ich bin da, ich bin mit dir!“ Unzählige Menschen haben im Lauf der Jahrhunderte diese Gotteserfahrung gemacht. Die Bibel und die Geschichte der Kirche berichten davon. „Gott ist tot“, sagen die einen. Und andere erfahren noch im KZ, dass Gott da ist! Tatsächlich, das ist der Name, das Wesen Gottes: Ich bin da! Es bündelt sich im bleibenden Dasein des Auferstandenen.

Pater Cornelius Bohl ist Provinizialminister der Deutschen Franziskanerprovinz.
Pater Cornelius Bohl ist Provinizialminister der Deutschen Franziskanerprovinz. © privat

Schlicht zu wissen: Jesus, du bist da! – das ist Glaube im Alltag. Und dann selbst da zu sein, in der Familie, in meinen Beziehungen, bei der Arbeit, in der Gemeinde. Wirklich physisch da sein, sich nicht verkriechen, davon- stehlen, sondern aktiv einbringen. Aber auch ganz präsent sein und aufmerksam bei einem Gespräch, in einer Begegnung, nicht mit Kopf und Herz schon ganz woanders. Das treue Dasein eines Menschen kann das Dasein Jesu bezeugen, ohne Worte. „Ich bin doch da!“, sagt die Mutter zum Kind. „Ich bin da, wenn du mich brauchst!“, ein Freund zum anderen. Wenn jemand schwer krank ist oder stirbt, können wir oft nichts mehr tun. Aber wir können da sein. Das ist sehr viel. Wie traurig, wenn man von jemandem den Eindruck hat: „Der ist ja nie da!“

Der Auferstandene ist immer und überall da. Das schaffen wir nicht. Und wir sollten es auch gar nicht erst versuchen. Ich bin dann mal weg – auch das gehört zum Glauben im Alltag, nicht, um für immer zu verschwinden, sondern um dann wieder neu da sein zu können. „Schön, dass du da bist!“: Das sage ich zum Auferstandenen. Das sagt er mir. Das sage ich zu Menschen, auf die ich mich verlassen kann. Hoffentlich sagt das auch jemand zu mir. So geht Ostern im Alltag weiter.


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