Wendelsteinkirche wiedereröffnet „Schön war’s“

11.06.2017

Deutschlands höchstgelegene Kirche ist restauriert worden. Zu ihrer Wiedereröffnung feierte Kardinal Reinhard Marx einen Festgottesdienst auf dem Wendelstein. Dabei betonte er, dass die Berge die Menschen näher zu Gott führen können.

Bei traumhaftem Wetter wurde die Wendelsteinkirche wiedereröffnet. © Kiderle

Wendelstein – Es ist ein Tag wie aus dem Bilderbuch. Der Aussichtspunkt auf dem Wendelstein (Dekanat Inntal) gibt den Blick frei auf die schneebedeckten Gipfel des weiten Alpenpanoramas. Vor dem darunter befindlichen Wendelsteinhaus feiert Kardinal Reinhard Marx einen Festgottesdienst zur Wiedereröffnung der Wendelsteinkirche gegenüber – Deutschlands höchstgelegener Kirche auf 1.760 Metern Höhe.

Restaurierung für rund 700.000 Euro

Sturm und Frost im Winter und Dauerregen im Sommer hatten dem Gotteshaus in den vergangenen Jahren erheblich zugesetzt. Deshalb ist es seit 2015 – dem Jahr seines 125-jährigen Bestehens – für rund 700.000 Euro restauriert worden. Dabei wurden die Kirchenmauern getrocknet und die Mauerfüße abgedichtet. Eine neue Wandheizung hält nun die Wände trocken, eine Lüftungsanlage reguliert die Luftfeuchtigkeit im Innenraum. Die hölzerne Eingangstür wurde erneuert und dahinter eine Glastür eingebaut, „so dass die Menschen alle die Kirche anschauen können, aber nicht mehr alle hineingehen“, erläutert Dekan Helmut Kraus. Denn: „Jeder, der da droben ankommt, dampft Feuchtigkeit aus.“

Das trifft auch an diesem sonnigen Juni-Sonntag zu. Kurz vor elf Uhr stimmt Glockenklang dank der neuen elektrischen Läuteanlage die zahlreichen Gläubigen, die auf den bereitgestellten Bierbänken oder einfach in der Wiese Platz genommen haben, auf die Eucharistiefeier ein. Manche tragen zu diesem Anlass eigens Dirndln oder Lederhosen.

Dann setzt sich der liturgische Dienst – die Ministranten mit Weihrauchfass, Vortragekreuz und Leuchtern sowie Gemeindereferentin Barbara Weidenthaler, Diakon Thomas Jablowsky, Dekan Kraus und Kardinal Marx mit Stab und Mitra – von der Kirche Richtung Gottesdienstplatz in Bewegung. Dazu singt die Gemeinde, begleitet von der Musikkapelle Brannenburg, „Lobe den Herren“.

Kardinal Marx in seiner Predigt: „Die Berge können uns näher an die Dimension Gottes führen“

„Sie haben alle Ihr Bestes gegeben“

Dekan Kraus sagt allen Anwesenden – darunter dem Rosenheimer Landrat Wolfgang Berthaler (CSU) sowie den Bürgermeistern von Brannenburg und Flintsbach, Matthias Jokisch (parteilos) und Stefan Lederwascher (CSU), ein „herzliches Grüß Gott“, ebenso Architekt Sven Grossmann aus Rosenheim sowie den Bauleuten und Handwerkern: „Sie haben alle Ihr Bestes gegeben, damit dieses Werk wieder in Schönheit erstrahlen kann.“ Es sei etwas Großartiges, auf dem Wendelstein die Eucharistie zu feiern.

„Die Berge können uns näher an die Dimension Gottes führen“, unterstreicht auch Kardinal Marx in seiner Predigt, „wenn wir unser Herz öffnen und die inneren Sinne aufmachen, so wie Mose es getan hat.“ Er sei – so war es in der ersten Lesung zu hören – Gott auf dem Berg Sinai nahegekommen und habe innerlich die Stimme gehört: „Ich bin ein barmherziger Gott. Ich wende mich euch zu.“ Diese Aussage ziehe sich wie ein roter Faden durch die Heilige Schrift, betont der Kardinal. Die Schöpfung sei Ausdruck dieser Liebe Gottes. Der Erzbischof wünscht den Mitfeiernden daher viele Bergwanderungen und -gottesdienste, nach denen sie sagen: „Schön war’s. Wir haben etwas gespürt von der Größe Gottes.“

Gottes Größe, Nähe und Liebe spüren

Gegen Ende der Messe zieht der liturgische Dienst noch einmal hinüber zur Kirche, begleitet von Hans Bergers Lied „Königin voll Herrlichkeit“, das die Kirchenchöre aus Brannenburg, Degerndorf und Flintsbach gemeinsam singen. „Lass die Gläubigen an diesem besonderen Ort deine Nähe spüren, deine Liebe erfahren“, betet Kardinal Marx, bevor er die der Gottesmutter als Patrona Bavariae geweihte Kirche außen und innen mit Weihwasser besprengt. Zu den Klängen des Wendelsteinlieds geht es zurück zum Altar. Nach dem Schlusssegen stimmen die Gläubigen noch „Großer Gott, wir loben dich“ und die Bayernhymne an. Leise untermalt werden die beiden Lieder vom Surren der Drohne der Fernsehredaktion des Sankt Michaelsbundes, die wie die Bergdohlen über dem Wendelstein kreist. „Schön war’s“, sagen danach etliche der Gottesdienstbesucher. (Karin Hammermaier)

Die Autorin
Karin Hammermaier
Münchner Kirchenzeitung
k.hammermaier@st-michaelsbund.de


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