Schöpfung bewahren Schüler übernehmen Verantwortung für die Umwelt

20.10.2020

Die Internatsschüler des Studienseminars St. Michael kümmern sich in ihrer Freizeit um ihren "Schöpfungsgarten" und die drei Bienenvölker darin.

Zwei Menschen in Imkeranzug arbeiten an einem Bienenstock
Zwei Schüler arbeiten in Imkeranzug an einem Bienenstock. © SMB/Bauer

Traunstein – Es brummt im Insektengarten, dem Herzstück des „Schöpfungsgartens“ im Studienseminar Sankt Michael. In einem Radius von etwa 10 Metern um einen kleinen Teich blühen Blumen und wilder Gräser. Libellen, Schmetterlinge und Bienen surren durch die Luft. Im Schatten der Bäume, am Rand des Gartens stehen drei Bienenstöcke. Im Imkeranzug kratzt Internatsschüler Nico Wachs vom Rahmen eines der gerade offenen Stöcke. Über die Öffnung des kastenförmigen Baus, in dem die Bienen hausen, hat er ein großes Tuch gebreitet. Getränkt mit Nelkenöl soll es die Tiere beruhigen. „Damit sie drin bleiben im Stock, sonst kann man schwer arbeiten“, erklärt der Schüler.

Im Herbst schon an den Frühling denken

Er behandelt die Bienen gerade mit Ameisensäure gegen den Befall der schädlichen Varroamilbe. Ein paar Meter weiter ohne Imkeranzug, arbeitet Christian. Er gräbt mit einem Spaten Löcher in den Boden des Gartens und streut Blumenzwiebeln aus. „Bienenfutter für den Frühling“, erklärt der Seminarist. Durch die früh blühenden Blumen finden die Bienen auch dann Futter, wenn sie nach milden Wintern den Stock zu früh verlassen. Gelernt haben die Schüler das in der Projektgruppe „Greenpower“. Mindestens einmal in der Woche widmen sich die zehn Buben dem Schöpfungsgarten.

Dazu gehört neben der Pflege der Bienen auch die der Obstbäume auf den umliegenden Wiesen. Betreut werden die Jugendlichen dabei von Erzieherin und Hobbyimkerin Christine Klisch. „Eigentlich wollten wir am Anfang nur eine Blumenwiese für die Bienen, die schon da waren“, erinnert sie sich. „Dann ist daraus aber die Idee geworden, auch für Wildbienen und andere Insekten etwas aufzubauen.“ Dafür wurde 2017 der Garten angelegt und mit Hilfe der Internatsschüler seitdem in den letzten Jahren immer weiterentwickelt und vergrößert. Im Sommer leben in den drei Bienenstöcken inzwischen bis zu 120.000 Tiere.

Aus Staunen wird Verantwortung

Auch zahlreiche andere Insekten haben sich mittlerweile auf dem Gelände angesiedelt – oder steigen zumindest auf der Durchreise in einem der Insektenhotel ab, die die Projektgruppe gebaut hat. Der Teich in der Mitte des Gartens ist für Mücken und Libellen außerdem ein idealer Ort, um dort ihre Eier abzulegen. Dafür, dass daraus keine Plage wird, sorgen wiederum die Fische im Teich und die Eidechsen, die auf den Felsen im Umfeld auf Beute lauern. „Insgesamt liegt aber alles in einem guten Gleichgewicht“, findet Präfektin Klisch.

Die Internatsschüler können das Werden und Vergehen der Natur im Schöpfungsgarten hautnah erleben. Die Pflege des Insektengartens und der Bienenstöcke auf der einen Seite, sorgen für eine gute Ernte bei den Obstbäumen auf der anderen Seite. Erfahrungen, die prägen und zu einem bewussten Umgang mit der Natur motivieren, hofft die Erzieherin.  „Wir wollen, dass unsere Seminaristen über die Natur staunen und Verantwortung übernehmen, diese Schöpfung zu erhalten.“

Ein Lebenswerk in einem Teelöffel

Das funktioniert. Jungimker Nico ist immer wieder beeindruckt, wie seine Bienen auf eine dünnen Wachsplatte, die er in den Bienenstock schiebt ihre Waben bauen. „Das sieht echt krass aus und es ist so ein Aufwand so etwas zu bauen.“ In mühevoller Kleinstarbeit ziehen die Bienen links und rechts auf der Wachsplatte ihre charakteristischen sechseckigen Waben in die Höhe, in denen Brut und Honig geschützt lagern können. Um diese Arbeit nicht zu Nichte zu machen und die Bienen nicht zu überfordern, wird bei der Honigernte nur ein Drittel der Rahmen mit den Waben aus dem Stock genommen. Dreimal im Jahr werden diese dann geschleudert. Den so gewonnen Honig gibt es im Internat zum Frühstück. 36 Gläser waren es in diesem Jahr. Wenig im Vergleich zur harten Arbeit, die die Schüler vor allem aber die Bienen dafür geleistet haben. Ein Gespür für dieses Verhältnis zu bekommen, ist für Erzieherin Christine Klisch der wichtigste Lerneffekt im Schöpfungsgarten: „Sie schätzen es dann doch anders, wenn sie wissen, dass so eine Biene in ihrem Leben nur einen kleinen Teelöffel voll Honig produziert.“

Die Natur ist kein Selbstbedienungsladen. Was sie dem Menschen gibt, ist kostbar und bedeutet Mühe für alle Beteiligten. Die Schüler im Studienseminar Sankt Michael wissen das und übernehmen aktiv Verantwortung für die Umwelt. Ein Konzept mit Zukunft, das mit der Errichtung eines nachhaltigen Bildungscampuses auf dem Internatsgelände in  Traunstein in den nächsten zwei Jahren auch noch massiv ausgebaut werden soll.

Der Autor
Korbinian Bauer
Radioredakteur
k.bauer@st-michaelsbund.de


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