Spendenaufruf Schutzengel für Mutter in Not

08.12.2017

Carina ist alleinerziehende Mutter. Während ihr Sohn gesund ist, leidet ihre fünfjährige Tochter an unheilbaren Fehlbildungen. Zum Glück hat Carina eine Freundin, die ihr zur Seite steht. Trotzdem ist das Leben der jungen Frau alles andere als unbeschwert.

Eine große, beeindruckende und sehr attraktive Frau rauscht in die Drei-Zimmer-Wohnung in der Münchner Fasanerie und sofort sprüht alles vor Leben. Baby (so ihr echter brasilianischer Vorname) übernimmt das Kommando und erzählt, wie sie ihrem Mann, einem Münchner Oralchirurgen, vor einiger Zeit kurzentschlossen erklärt hat, dass sie in ihrem Beruf als Leiterin eines Kindergartens nicht mehr arbeiten, sondern lieber künftig armen Familien helfen möchte. Seither kümmert sie sich mit noch viel mehr Zeit und Hingabe um Carina und ihre beiden Kinder.

Carina ist aus Portugal nach München gekommen, um zu arbeiten. Hier hat sie ihren Mann kennengelernt und nach einigen Fehlgeburten einen gesunden Buben namens Sergio zur Welt gebracht. Bis dahin war alles in Ordnung. Erst mit der Geburt von Gaby und deren schwerer Krankheit ist ihre kleine, heile Welt völlig aus den Fugen geraten. Gaby leidet am Pallister-Hall-Syndrom, einer sehr seltenen und unheilbaren Fehlbildung. Ihr fehlen wichtige Körperteile und sie hat so gut wie gar kein Immunsystem. Von Geburt an war die Kleine ununterbrochen im Krankenhaus. Carina selbstverständlich immer an der Seite ihrer inzwischen fünfjährigen Tochter. Das war alles zu viel für den Familienvater. Er setzte seine Familie einfach mit ein paar Koffern auf die Straße.

Hohes Fieber von einer auf die andere Minute

„Ohne Baby wäre ich nicht mehr auf dieser Welt“, sagt Carina und schaut mich und ihren menschlichen Schutzengel mit großen traurigen Augen an. Ohne Baby hätte sie auch die hübsche, sauber und adrett gehaltene Wohnung in der Münchner Fasanerie nicht bekommen. Deren Ehemann hat beim Vermieter ganz selbstverständlich für die Miete gebürgt. Die 45-jährige Baby und ihr soziales Netzwerk sind es auch, die den siebenjährigen Sergio immer wieder auffangen, wenn Gaby von einer auf die andere Minute hohes Fieber bekommt und schnell in die Klinik muss, um zu überleben.

Stefan Habigt von der Offenen Behindertenarbeit im Caritas-Marianum (OBA) bestätigt, dass die alleinerziehende Mutter in höchster Not sei. „Auch wir haben in Zusammenarbeit mit dem Bezirkssozialamt immer wieder versucht bei Kassen- und Pflegeanträgen oder anderen bürokratischen Erfordernissen zu helfen“, erklärt der 28-jährige Sozialarbeiter. Auch Nachbarschaftshilfen, Ehrenamtliche oder Familienpflege habe man versucht zu vermitteln, aber bislang leider keine gute und langfristige Lösung gefunden.

Sergio hat sich während unseres Gesprächs Babys Handy geschnappt und schaut sich die Fotos von ihren großen Kindern und den Hunden an. Der Siebenjährige, der immer zu kurz gekommen ist, besucht eine Förderschule in München, wird morgens abgeholt und nachmittags wieder gebracht. „Er ist leider weit in seiner Entwicklung zurück, weil er ständig von einer Person zur nächsten geschoben wurde, wenn Carina mit Gaby in die Klinik musste“, erklärt Baby. Sie wünsche sich so sehr, dass es eine Bezugsperson gäbe, die ab und zu am Wochenende für zwei Stunden etwas mit dem kleinen Buben unternehmen würde. „Optimal wäre es, wenn wir auch jemanden hätten, der spontan bei Sergio bleiben kann, wenn seine Mutter nicht da ist. Ihm abends etwas zu essen macht und ihn morgens in den Bus setzt.“ Er sei ein lieber kleiner Junge, sagt Baby und versucht gleichzeitig Gaby zu verstehen, die ihr in eigener „Gaby-Sprache“ versucht, etwas zu erzählen. Die Fünfjährige hat erst kürzlich einen Platz in der Pfennigparade bekommen, versäumt aber vieles wegen ihrer vielen Klinikaufenthalte.

Nächster Schock: Tumor im Bein

Nachdem Carina durchgehend mit ihrer kranken Tochter beschäftigt ist, hat sie kaum Zeit für Sergio, für sich selbst oder für einen Sprachkurs. Sie spricht portugiesisch mit Baby und die couragierte Ehrenamtliche übersetzt. Zur Sorge um die Kinder kommt jetzt noch ein Tumor in Carinas Bein, der operiert werden muss. Ich möchte wissen, was Carina sich am meisten wünscht. Der bescheidenen und stillen Frau fällt auf Anhieb nichts ein. Vielleicht liegt es daran, dass sie kaum materielle Wünsche hat.

Baby erklärt mir, dass Carina so gerne für eine Woche zu ihrer Familie nach Portugal reisen würde. „Ich würde ihr die Flugtickets sofort kaufen, aber wir bräuchten dringend eine Krankenschwester, die sich in dieser Woche um Gaby kümmert und die ist weit und breit nicht in Sicht.“ Gaby stupst Baby an und versucht erneut ihr etwas zu erzählen. Nur Carina versteht, was ihre kleine Tochter meint, die sich wegen ihrer Kiefer-Gaumenspalte nur schwer artikulieren kann und mit Brei oder einer Sonde ernährt werden muss.

Es ist schon dunkel draußen und wir haben viel länger gesprochen als geplant. Gaby schleppt pünktlich um 19 Uhr ihre Windeln und ihren Brei an. „Ach ja, wir könnten auch Windeln in Größe 4plus gebrauchen, die sind ziemlich teuer und einen Schrank für das Spielzeug der Kinder“, sagt Baby und freut sich, dass Gaby heute einen ihrer seltenen guten und unbeschwerten Tage hat. (Marion Müller-Ranetsberger)

Adventrufe 2017

In der Vorfreude auf Weihnachten und in den besinnlichen Stunden wird besonders deutlich, dass Krankheit, Armut und Schicksalsschläge selbst vor der „staaden Zeit“ nicht Halt machen. Die Münchner Kirchenzeitung stellt auch heuer wieder Menschen vor, mit denen es das Leben nicht immer gut gemeint hat. Um Familien, Frauen, Männern und Kindern in großen Notlagen gezielt helfen zu können, bitten Caritas und Münchner Kirchenzeitung auch dieses Jahr wieder um Spenden für die Aktion „Adventrufe“. Wenn Sie helfen möchten, können Sie ihre Spende unter dem Stichwort „Adventruf 2017“ auf folgendes Konto des Caritasverbandes der Erzdiözese bei der Liga-Bank München überweisen: IBAN: DE 53 7509 0300 0002 2977 79 BIC: GENODEF1M05 Danke für ihre Hilfe!

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Adventrufe

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