Social Freezing "Schwanger? - Da hätte es doch andere Möglichkeiten gegeben."

28.10.2014

Eine Frau, die ein bisschen Hirn hat, dummerweise Abitur macht und anschließend womöglich noch studiert, ist im Idealfall Mitte 20, wenn sie ihre Ausbildung beendet. Und dann merkt sie plötzlich: Ups, die Gleichberechtigung, die ich in Schule und Studium erfahren habe, endet schlagartig, wenn ich mit einem gleichaltrigen Mann im Vorstellungsgespräch sitze.

(Bild: imago)

Natürlich sagt sie schon von sich aus, dass sie nicht darüber nachdenkt, in nächster Zeit Mutter zu werden. Fragen darf der Arbeitgeber ja nicht. Aber der männliche Mitbewerber macht sich diese Gedanken nicht einmal im Ansatz. Also klingt es erst mal gar nicht schlecht, wenn Frau sich zehn Jahre Luft verschaffen kann, um im Beruf Fuß zu fassen - und dann doch noch eine Familie gründen kann. Allerdings: Wenn der Arbeitgeber das zahlt, dann wird von ihr auch erwartet, dass sie ihren Kinderwunsch ganz weit nach hinten schiebt. Und das ist das Gegenteil von Freiheit. Das ist sozialer Druck, der da ausgeübt wird. „Wie? Du bist schwanger? Da hätt´s doch auch ganz andere Möglichkeiten gegeben“ - solche Äußerungen könnten da schnell mal fallen.

Eine Eizelle ist noch kein Kind

Und ein paar andere Aspekte werden auch kaum bedacht: Zum einen sind eingefrorene Eizellen noch lange keine Kinder. Die Eizelle selbst ist zwar die einer 25jährigen Frau und somit sollte die Wahrscheinlichkeit einer genetischen Veränderung geringer sein. Aber der Körper, der sie austragen soll, wird bei der künstlichen Befruchtung dann über vierzig sein. Ich weiß nicht, wie viele „Versuche“, schwanger zu werden, mit 30 eingefrorenen Eizellen (das ist die Zahl, die derzeit kursiert) unternommen werden können – aber sicher ist, dass sich nicht jede befruchtete Eizelle auch einnistet. Es besteht also durchaus die Gefahr, dass trotz aller „Vorsorge“ die Frau am Ende kein Kind haben wird. Und dann sind da noch die Herren der Schöpfung. Wer auf eine Party mit Menschen um die Dreißig geht, wird öfter mal von den Männern hören, dass sie schon irgendwann Kinder möchten, aber sie haben ja noch Zeit. Die Generation Hotel Mama will einfach nicht erwachsen werden. Und da kommt es doch gerade recht, „dass man da ja was machen kann“. Und wieder dürfen es die Frauen ausbaden. Denn die haben diese Zeit nicht. Ab Mitte Dreißig sinkt die Fruchtbarkeit nun mal. Also: Hormone spritzen, aufgeblasen sein wie ein Luftballon, Eileiterverdrehung riskieren, Vollnarkose und Eizellen punktieren lassen. Und das so lange, bis genug Eizellen da sind. Andererseits kann ich Frauen, die heute überlegen, ihre Eizellen einfrieren zu lassen, durchaus verstehen. Denn die sind wahrscheinlich jetzt um die Dreißig und müssen sich jetzt dem Problem stellen. Denn genau jetzt sind ihre Eierstöcke noch jung genug. Tatsächlich müsste sich aber die Gesellschaft bzw. die Mentalität von Arbeitgebern ändern.

Sozial ist das Angebot nicht

Allein die Tatsache, dass diese Methode „social freezing“ heißt, ist ein Hohn. „Sozial“ wäre es für mich, wenn Arbeitgeber so agieren, dass Familien als Familien leben können. Und dazu gehört, dass Arbeitszeiten flexibel sind, Arbeitsplätze nicht unbedingt der Schreibtisch in der Firma sein müssen und dass Männer und Frauen das Recht und auch die Pflicht haben, sich um ihre Kinder zu kümmern. Mein Vorschlag: zahlt das Erziehungsgeld nur dann, wenn Mann und Frau mindestens ein Jahr Erziehungszeit nehmen. Dann müssen sich entweder beide oder keiner im Vorstellungsgespräch überlegen, wie sie die Geschichte mit der Familienplanung so planen. Und: Arbeitgeber sollten Menschen mit Kindern einstellen. Denn die wissen eines ganz sicher: Wenn Du Gott zum lachen bringen willst, mach Pläne...... Aber FamilienmanagerInnen können damit umgehen!


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