Tag der Diakonin Schweigemarsch durch München

30.04.2019

250 Menschen fordern bei einem Gottesdienst in der Jesuitenkirche Sankt Michael in der Neuhauser Straße die Diakonenweihe für Frauen. Anschließend ziehen sie zum Liebfrauendom.

Rund 250 Menschen haben am Schweigemarsch für das Diakonat der Frau teilgenommen.
Rund 250 Menschen haben am Schweigemarsch für das Diakonat der Frau teilgenommen. © Riffert

München – Montag, 29. April, 18 Uhr in St. Michael. Die barocke Hallenkirche ist voll. Gut 300 Besucherinnen und Besucher sind am Gedenktag der heiligen Katharina von Siena zum Gottesdienst gekommen. Dr. Judith Müller, Pastoralreferentin und Fachbereichsleiterin der Gemeindeberatung und Organisationsentwicklung in der Erzdiözese München und Freising hält eine Statio. Sie porträtiert die heilige Katharina als Frau, die das „Charisma der Eigensinnigen“ gehabt habe, „das Charisma derjenigen, die ihren Platz in der Kirche selbstverständlich einnehmen wollen“. Nach dem Gottesdienst lädt Gemeindereferentin Elisabeth Stanggassinger, die sich auch für die „Gemeindeinitiative“ engagiert, unter dem Motto „Für den Diakonat der Frau – jetzt!“ zur Teilnahme am Schweigemarsch zum Dom ein. Dabei wird sie leidenschaftlich: „Gott will es und wir wollen es auch“, schließt sie ihren Beitrag und erntet dafür Applaus.

250 Teilnehmerinnen und Teilnehmer

Draußen regnet es heftig. Doch das hält die Mehrzahl der Gottesdienstbesucherinnen und -besucher nicht davon ab, sich dem Schweigemarsch anzuschließen. Etwa 250 sammeln sich mit Regenschirmen in der Ettstraße, wohin die Polizei die Demonstration umgeleitet hat, weil es zu viele sind, als dass man sie durch die Fußgängerzone laufen lassen wollte. So verstopfen sie, eskortiert von mehreren Polizeiautos, anschließend die Maxburgstraße. Viele Ordensfrauen sind zu erkennen, Frauen vom Katholische Deutsche Frauenbund und von der Katholischen Frauengemeinschaft, deren Verbände schon lange den Diakonat der Frau fordern, pastorale Mitarbeiter und engagierte Ehrenamtliche beiderlei Geschlechts, auch der eine oder andere Geistliche und überhaupt erstaunlich viele Männer. Ein Katholik aus der Pfarrei St. Benno ist mit seiner evangelischen Frau und den Töchtern gekommen: „Wir haben sie bewusst evangelisch taufen lassen. So können sie, falls sie es möchten, Pfarrerin werden. Ich würde mir aber wünschen, dass das endlich auch in der katholischen Kirche möglich ist.“

Ein Vater aus Pfarrei St. Benno demonstriert mit Tochter.
Ein Vater aus Pfarrei St. Benno demonstriert mit Tochter. © Riffert

Der Schweigemarsch ist ruhig, aber die Teilnehmer geben Auskunft über ihre Motivation. „Ich nehme am Schweigemarsch teil, weil ich das Anliegen des Diakonats der Frau völlig unterstütze“, sagt beispielsweise Sr. Sara Thiel, die Schwester vom Göttlichen Erlöser ist und als Pastoralreferentin arbeitet. „Ich glaube, dass die Kirche nur dann ihre Botschaft vom Reich Gottes glaubwürdig verkünden kann, wenn sie deutlich macht, dass Männer und Frauen in ihren Strukturen gleichwertig sind. Dazu gehört die Zulassung zu den Ämtern.“ Auch KDFB-Diözesanvorsitzende Sylvia Nazet wünscht sich die Gleichberechtigung zwischen Männern und Frauen, damit Frauen Weiheämter übernehmen dürften. „Ich hoffe auf eine Öffnung der Herzen“, erklärt sie und geht weiter mit einem großen Banner dem Schweigemarsch voran.

Sylvia Nazet und Elisabeth Stanggassinger führen den Schweigemarsch an.
Sylvia Nazet und Elisabeth Stanggassinger führen den Schweigemarsch an. © Riffert

"Die Kirche geht zu Grunde, wenn alles beim Alten bleibt"

Die andere Seite des Banners wird von Elisabeth Stanggassinger, Gemeindereferntin im Pfarrverband Westend, getragen. „Ich bin heute hier, um für die Glaubwürdigkeit der Kirche zu kämpfen,“, betont sie. Die große Mehrheit der katholischen Gläubigen sei längst dafür offen, dass auch Frauen Diakoninnen oder Priesterinnen werden dürfen. „Natürlich gibt es auch hier Frauen und Männer, die sagen, dass alles beim Alten bleiben muss und sich nichts ändern darf. Aber wir sehen ja selbst, dass diese Kirche langsam zu Grunde geht, wenn alles beim Alten bleibt.“ Dem kirchlichen Amt fehle die Hälfte der Menschheitserfahrung. Die 90 Prozent der Katholikinnen und Katholiken, die nicht mehr in der Kirche zu sehen seien, warteten auf Gleichberechtigung. „Ich glaube nicht, dass wir diese Menschen wiedersehen werden, wenn die Frauen nicht endlich die Weihe empfangen dürfen.“ Dann steht die große Gruppe am Dom. Und jetzt greift ein erwartungsvolles Schweigen um sich. Ob es verstanden wird? (Gabriele Riffert)


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